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© OT Olpe
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Freiheit, Kicker und Gemeinschaft: 50 Jahre OT Olpe

Wie ein kirchliches Jugendzentrum Generationen geprägt hat – und warum wir solche Orte der bedingungslosen Annahme heute mehr denn je brauchen.

Ein lautes Lachen an der Theke, das rhythmische Klackern eines Kickerballs, im Hintergrund die Akkorde einer jungen Band, die im Probenraum ihren eigenen Sound sucht. Wer die Offene Tür – kurz OT – Olpe betritt, taucht ein in eine Welt, in der die Uhren anders ticken. Hier zählen nicht die Schulnote, die Herkunft oder der Social-Media-Status. Hier zählt der Moment, das Gespräch, das einfache Angenommen-Sein.

Eine Idee, die bis heute trägt

Seit fünf Jahrzehnten ist die OT in Trägerschaft der Kirchengemeinde St. Martinus weit mehr als eine Freizeiteinrichtung. Sie ist ein Stück Olper Identität, ein sozialer Kompass und ein lebendiges Zeugnis kirchlichen Wirkens.

Doch was macht das Jugendzentrum zu einem derart prägenden Ort? Warum erinnern sich Erwachsene heute noch an „ihre“ Zeit, während sie nun ihre eigenen Kinder oder gar Enkel dorthin bringen? Die OT Olpe liefert seit 50 Jahren darauf eine Antwort. Die Geschichte ist nicht eine von Stein und Mörtel, sondern eine Geschichte von Beziehungen, Gemeinschaft und einer besonderen Haltung.

Der Ort, der den Menschen sieht: Wo das Leben Halt findet

„Wir sind für viele ein zweites Zuhause“, sagt Einrichtungsleiterin Duygu Kücükbicakci. Was schlicht klingen mag, beschreibt den Kern dessen, was die OT seit jeher ausmacht: In einer Welt der ständigen Bewertung ist sie der Ort, der keine Fragen stellt. Das Haus steht jedem Kind, jedem Jugendlichen und jedem jungen Erwachsenen offen – ohne Anmeldung, ohne Mitgliedschaft, ohne Erwartungsdruck. Wer durch diese Tür geht, ist ein Mensch, der gesehen wird.

Natürlich wird hier gespielt, gelacht, musiziert oder einfach nur abgehangen. Doch hinter dieser Leichtigkeit des Alltags verbirgt sich ein tiefes Fundament an menschlicher Nähe. Die Mitarbeitenden sind da, wenn das Leben hakt: Sie helfen bei schulischen Hürden, ebnen den Weg ins Berufsleben oder hören zu, wenn es zu Hause kriselt.

Gerade heute, in einer Zeit der digitalen Selbstinszenierung und zunehmender psychischer Belastungen, gewinnt dieser physische Ankerplatz an Bedeutung. Wenn soziale Medien einsam machen und der Leistungsdruck steigt, bietet die OT bewusst eine analoge Antwort: einen Raum der echten Begegnung. Es ist ein Ort, der den Einzelnen meint und dem Leben genau dort Halt gibt, wo es gerade Rückendeckung braucht.

© OT Olpe

Vertrauen und Verlässlichkeit sind die Konstanten, die dieses Haus seit Jahrzehnten tragen.

Duygu Kücükbicakci

Historischer Boden, junge Ideen

Um die Bedeutung der OT zu verstehen, muss man auch den historischen Grund betrachten, auf dem sie steht. Die Frankfurter Straße 24, auf dem höchsten Punkt der Altstadt und nur einen Steinwurf von St. Martinus entfernt, ist seit Jahrhunderten der Begegnung geweiht. Hier stand einst die „Küchenstätte“, das älteste Haus Olpes von 1568. Es war Verwaltungssitz und später als Posthalterei ein wichtiger Knotenpunkt. Dieser Ort war immer schon ein „Dazwischen“ – ein Raum, in dem Nachrichten geteilt und Geschichten geschrieben wurden.

Nach dem Abriss Ende der 1960er Jahre beschloss die Kirchengemeinde, an gleicher Stelle ein neues Gemeindezentrum mit einer Offenen Tür zu errichten. Die Grundsteinlegung erfolgte 1974, die Einweihung der Einrichtung mit dem damaligen Namen „Lorenz-Jaeger-Haus“ zwei Jahre später, am 4. Mai 1976. So entstand ein neuer Ort der Begegnung auf historischem Boden.

Glaube, der die Ärmel hochkrempelt

Dass die OT in kirchlicher Trägerschaft steht, ist kein Zufall, sondern Programm. „Kirche hat einen diakonischen Auftrag“, betont Pfarrer Johannes Hammer. „Das fängt nicht beim Beten an, sondern dort, wo Menschen uns brauchen – bei der konkreten Begleitung im Alltag. Bei Sorgen, Konflikten, Sinn- und Zukunftsfragen, und ebenso bei den schönen Dingen des Lebens. Seelsorge ist Lebenshilfe in allen Facetten.“ Gerade darin sieht er die besondere Bedeutung und Stärke kirchlicher Jugendarbeit. Die OT ist für ihn der Ort, an dem die Schwelle niedrig ist. Sie erreicht auch jene, die mit traditionellen kirchlichen Formaten wenig anfangen können.

Hinzu kommt die Besonderheit, dass das Haus auch Gemeindezentrum ist. Die katholische Bücherei, der Kirchenladen, Kommunionkinder und Firmlinge, die Frauengemeinschaft und der Kirchenchor – sie alle teilen sich diesen Raum. Hier begegnen sich unterschiedlichste Lebenswelten und Kulturen.

Pluralität ist für uns kein Hindernis, sondern Reichtum.

Pfarrer Johannes Hammer
© OT Olpe

Legendäre Jahre: Zwischen Kaffeestunde und Punkrock

Heinz Brüggemann kennt die OT seit ihren Anfängen. Der 70-jährige Sozialpädagoge absolvierte hier sein Anerkennungsjahr und leitete die Einrichtung in den 1980er Jahren. Damals entstand die Überzeugung, dass neben der verbandlichen Jugendarbeit auch offene Angebote notwendig sind – Orte, an denen junge Menschen unabhängig von Mitgliedschaften oder festen Strukturen willkommen sind. Den inhaltlichen Kurs gab der damalige Pastor Müller vor: „Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.“ Dieser Gedanke Dietrich Bonhoeffers wurde zum Fundament des Hauses.

In den 1980er Jahren wurde die OT zum Magneten. Brüggemanns Konzept: „Wir waren die Ermöglicher, die den Jugendlichen Raum gaben, ihre eigenen Ideen umzusetzen.“ Das Programm war so bunt wie das Publikum. Die OT wurde zur Bühne für die Olper Kulturgeschichte.

Wie selbstverständlich unterschiedliche Welten zusammenfanden, zeigt eine Erinnerung Brüggemanns: „Die Frauengemeinschaft nutzte den großen Saal bis 18 Uhr für eine Feier. Kaum waren die Damen zur Tür hinaus, begann der Umbau. Nur eineinhalb Stunden später standen ‚Die Toten Hosen‘ auf der Bühne. Das haben wir gemeinsam gestemmt.“ Solche Erlebnisse schufen Verbindungen, die oft bis heute halten und von dem besonderen Geist des Hauses erzählen.

Ein Phänomen namens Muggelkirmes

Ein untrennbarer Teil der Identität ist die Muggelkirmes, ein besonderes Fest von Kindern und Jugendlichen für Kinder und Jugendliche. Was als Idee von einem Dutzend junger Menschen begann, um das neue Haus mitzufinanzieren, entwickelte sich – verbunden mit der Kirchweih von St. Martinus – zu einem der bekanntesten Bürgerfeste der Region. Zugleich ist die Muggelkirmes Ausdruck des diakonischen Auftrags der Kirche. Der Erlös kommt sozialen und kirchlichen Hilfsprojekte weltweit zugute. Die Kirmes zeigt, was Jugendarbeit bewirken kann: Freude am Feiern, Verantwortung füreinander und konkrete Hilfe für Menschen in Not gehen Hand in Hand.

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Phänomen Muggelkirmes
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Phänomen Muggelkirmes
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Phänomen Muggelkirmes
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Phänomen Muggelkirmes

Baustelle Zukunft

Auch wenn sich die Freizeitgestaltung verändert hat – die Grundidee, ein Ort für die Ideen und Anliegen der Jugend zu sein, bleibt. Doch die Herausforderungen sind komplexer geworden. Der schulische Druck ist höher, die Welt digitaler. „Wir sind heute hochgradig vernetzt, etwa durch die Schulsozialarbeit“, erklärt Duygu Kücükbicakci.

Aktuell ist die OT wieder eine Baustelle. Ein neuer Fahrstuhl wird installiert, um das Haus barrierefrei zu machen. Für Pfarrer Johannes Hammer ist das ein passendes Bild: „Es wird immer gebaut.“ Mit neuen Projekten wie der Aufsuchenden Jugendarbeit oder dem neu konstituierten Jugendrat bleibt das Haus in Bewegung.

Warum braucht es die OT heute mehr denn je? Weil sie ein Ort der Verlässlichkeit in einer unverbindlichen Welt ist. Weil Gemeinschaft nicht behauptet, sondern erlebt wird. Die Anbindung an St. Martinus ist dabei kein Korsett, sondern ein tragfähiges Netz. „Ohne die OT würde die Kirche ein entscheidendes Gesicht verlieren – das Gesicht einer Gemeinschaft, die bedingungslos für junge Menschen da ist“, schließt Johannes Hammer. In fünf Jahrzehnten hat die OT nicht nur Angebote geschaffen, sondern Biografien geprägt. „Das Wertvollste ist, dass wir ein Ort sind, an dem man nicht bewertet wird, dass wir da und greifbar sind“, resümiert Duygu Kücükbicakci.

Die zentrale Jubiläumsfeier am 11. Juli 2026 ist deshalb mehr als ein Geburtstag. Es ist ein Dankeschön an ein halbes Jahrhundert gelebte Freiheit. 50 Jahre OT Olpe – das sind Tausende Geschichten von Menschen, die hier einen Kompass gefunden haben.

50 Jahre OT Olpe

Zum Jubiläumsjahr sind zahlreiche Veranstaltungen geplant, darunter ein „Klassentreffen“ ehemaliger Besucherinnen und Besucher und Mitarbeitenden.

  • Zur zentralen Feier am 11. Juli gibt es abends ein bereits ausgebuchte Konzert-Revival: Mit den „Colts“ tritt um 20 Uhr eine Band auf, die ihre Wurzeln in der OT hat.
  • Programm der zentralen Jubiläumsfeier am 11. Juli 2026: 11 Uhr Start mit Wortgottesdienst, danach offizielle Begrüßung, dann  Spiel- und Budenfest, das im Rahmen der Kirchweih von St. Martinus gefeiert, mit Kaffee und Kuchen sowie buntem Programm für Groß und Klein mit Unterstützung aller Engagierten in der OT.
  • Am 12. Dezember 2026 ist Herzschlagfestival: Benefizkonzert für einen guten Zweck. Der Erlös geht an Frauen helfen Frauen
Ein Beitrag von:
Freie Journalistin

Birgit Engel

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