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Erzbistum Paderborn
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Den Freund und Helfer als Freund und Helfer begleiten

Bundestagung Polizeiseelsorge: Erzbischof Becker würdigt ethische Verantwortung der Polizei und Dienst der Polizeiseelsorge
© Maria Aßhauer/Erzbistum Paderborn
Pressemeldung
12. Mai 2022
Paderborn

Den Freund und Helfer als Freund und Helfer begleiten

Bundestagung Polizeiseelsorge: Erzbischof Becker würdigt ethische Verantwortung der Polizei und Dienst der Polizeiseelsorge

Erzbischof Hans-Josef Becker hat am Mittwochabend, 11. Mai 2022, anlässlich der Bundestagung Polizeiseelsorge in einem Gottesdienst im Paderborner Dom die „große ethische und moralische Verantwortung“ der Polizei als besonderer Wertegemeinschaft hervorgehoben. Zugleich rief er zur Wertschätzung sowohl des Polizeidienstes als auch der Polizeiseelsorge auf. Mit rund 80 Teilnehmenden hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Polizeiseelsorge (BAG) vom 9. bis 12. Mai 2022 zum Thema „Extremistische Tendenzen in der Polizei“ in Paderborn getagt. Bei einem Empfang im Anschluss an den Gottesdienst betonte Generalvikar Alfons Hardt die gesteigerte Bedeutung der Seelsorge für Polizistinnen und Polizisten, die für Sicherheit in unsicherer werdenden Zeiten einstehen. Während der Tagung hatten hochkarätige Referenten Impulse für den Austausch zum Tagungs-Thema gegeben.

© Thomas Throenle/Erzbistum Paderborn

Dreieinhalb Tage war Paderborn Gastgeber für die Fachtagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Polizeiseelsorge (BAG), an der auch Mitglieder aus den Reihen der Bundespolizei teilnahmen. Vieles, was täglich in der Polizeiarbeit und Polizeiseelsorge geleistet werde, gehe „weit über das erwartbare Maß hinaus“, sagte Erzbischof Becker zu Beginn des Gottesdienstes im Paderborner Dom. Die Polizei verteidige „die unantastbare Würde des einzelnen, die Solidarität der Starken mit den Schwachen und fundamentale Werte wie Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit“, machte er in seiner Predigt deutlich. Dies seien Werte „aus dem Licht der christlichen Botschaft. Sie sind das Fundament Europas.“ Der Dienst der Polizei verdiene „große Wertschätzung von uns allen, eine Wertschätzung, die wir manchmal auch vermissen.“ Ebenso dankte der Paderborner Erzbischof der Polizeiseelsorge für ihren „Dienst der Kirchen an Staat und Gesellschaft.“

Bei der Eucharistiefeier im Dom konzelebrierte Weihbischof Wolfgang Bischof aus dem Erzbistum München und Freising – er ist Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Katholische Polizeiseelsorge und die Polizeiarbeit in Deutschland. Ebenso feierten Polizeidekan Monsignore Wolfgang Bender als Diözesanbeauftragter für Polizei-, Feuerwehr- und Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn und Monsignore Dr. Michael Bredeck als Leiter des Bereiches Pastorale Dienste im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn die Heilige Messe mit. Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Landespolizeiorchester unter der Leitung von Scott Lawton sowie von Domorganist Tobias Aehlig und Kantor René Prochotta begleitet. Beim anschließenden Empfang im Paderborner Bildungs- und Tagungshaus Liborianum spielte das Jazz Rock Pop Ensemble unter der Leitung von Hans Steinmeier.

Miteinander und gute Solidarität

Der polizeiliche Alltag sei jenseits aller Routine voller menschlicher Tragödien, Verzweiflung und Fragen zwischen Leben und Tod, betonte Generalvikar Alfons Hardt zu Beginn des Empfangs: „Auch der Polizist als ‚Freund und Helfer‘ braucht bisweilen trotz aller Professionalität selber Freunde und Helfer.“ Polizeiseelsorge heiße Nähe zuzulassen und nicht auf Distanz zu gehen. Sie sei nie einfach, „weil Seelsorge die Sorgen und Nöte der Menschen dieser Zeit teilen muss“. Polizeibeamtinnen und -beamte wären vielfach bei eskalierenden Konflikten gefordert, die aus Hass, Intoleranz und Respektlosigkeit entstehen und würden nicht selten selber Opfer von Respektlosigkeit. „Der Dienst der Polizei, aber auch der Dienst der Polizeiseelsorge können daher nicht hoch genug geschätzt werden“, sagte Generalvikar Hardt.

Auch Dr. Daniela Lesmeister, Leiterin der Polizeiabteilung im nordrhein-westfälischen Innenministerium, brachte die Wertschätzung für die Polizeiseelsorge zum Ausdruck: „Ohne Ihre Arbeit wäre unsere Arbeit nicht möglich“, so Dr. Lesmeister. Die seit 60 Jahren erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Polizeiseelsorge stärke „das Rückgrat unserer Polizei“. Das Innenministerium treibe ein „konsequentes Vorgehen gegen extremistische Tendenzen“ voran, versicherte Dr. Lesmeister. Dafür, dass die Polizeiseelsorgerinnen und -seelsorger auf der Fachtagung einen Einblick in die Umsetzungspläne dieses Vorgehens gewinnen konnten, dankte Polizeibischof Wolfgang Bischof. „Uns geht es um ein Miteinander und die gute Solidarität zwischen Polizei und Polizeiseelsorge“, erklärte der DBK-Beauftragte: „Wir wollen das Unsere beitragen, damit es in der Gesellschaft vertrauensvolle Organisationen gibt.“

Inhalte der Fachtagung Polizeiseelsorge

Inhalte der Fachtagung

 

Hintergründe und Auswirkungen von extremistischen Tendenzen in der Polizei sind ein Thema, das die Beamtinnen und Beamten zunehmend belastet. Nachdem im Februar 2020 Chats mit extremistischen Inhalten in der Polizei NRW bekannt geworden waren, hatte das Innenministerium angeordnet, in jeder Polizeibehörde des Landes Extremismusbeauftragte zu ernennen. Kriminaloberrat Dr. Carsten Dübbers von der Stabsstelle Rechtsextremismus im NRW-Innenministerium sprach bei der Fachtagung in Paderborn über „Rechtsextremistische Tendenzen in der Polizei NRW“. Forschungsfragen und erste Erkenntnisse der Studie „Motivation, Einstellung und Gewalt im Alltag von Polizeivollzugsbeamten“ präsentierte die Projektleiterin Anja Schiemann, Professorin an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. Polizeipräsident a.D. Harald Schneider (Integritätsbeauftragter Polizei Hessen) thematisierte in seinem Beitrag die Auswirkungen von rechtsextremistischen Verdachtsfällen in Polizeibehörden auf das Selbstverständnis und die Verantwortung der Polizei in einer pluralistischen Gesellschaft.

Polizeiseelsorge 2030+

Monsignore Dr. Michael Bredeck hatte vor dem Gottesdienst als Referent die „Polizeiseelsorge in Umbruchszeiten der Kirche von Paderborn“ betrachtet und den Tagungsgästen aus ganz Deutschland das Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn und den Entwicklungsprozess Diözesaner Weg 2030+ vorgestellt. Es seien jetzt Richtungsentscheidungen zu treffen, die auch die Zeit nach 2030 betreffen: „Kirche muss aus der Kraft des Evangeliums leben und ihre Priorität auf Menschen setzen“, erläuterte Monsignore Dr. Bredeck. In Zukunft werde es „ein verstärktes und vertrauensvolles Zueinander von Ehren- und Hauptamtlichen“ auch in der Polizeiseelsorge geben müssen. Was die Gewinnung pastoralen Personals für diesen Bereich angehe, brauche es perspektivisch „eine klare und bistumsübergreifende Debatte um die Sicherung, den Stellenwert und die Ausstattung der Polizeiseelsorge“, machte der Leiter des Bereiches Pastorale Dienste im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn deutlich.

Hintergrund: Polizeiseelsorge

Im Erzbistum Paderborn sind Polizeiseelsorge, Feuerwehr- und Notfallseelsorge als Formen der Kategorialseelsorge organisatorisch zusammengefasst. Monsignore Wolfgang Bender leitet diese Organisationseinheit im Erzbistum. In der Polizeiseelsorge erhält Bender als Hauptamtlicher Unterstützung von sieben nebenamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern. Er und sein Team sind in der Aus- und Fortbildung von Polizistinnen und Polizisten aktiv, zum Beispiel in Seminaren über Dienstethik, und engagieren sich als Teil des Netzwerks Psycho-soziale Unterstützung in Kinderpornografie-Supervisions- und Suizid-Präventionsgruppen. Darüber hinaus begleiten die Polizeiseelsorger Polizistinnen und Polizisten im Wach- und Wechseldienst oder bei Großeinsätzen wie G7- und G20-Gipfeln, Demonstrationen oder Sportveranstaltungen. Zum Aufgabengebiet gehört auch die seelsorgerische Tätigkeit bei Großschadenlagen: Polizeiseelsorgerinnen und -seelsorger aus dem Erzbistum Paderborn waren sowohl beim Loveparade-Unglück von 2011 in Duisburg als auch bei der Flutkatastrophe 2021 im Einsatz. Auch im privaten Umfeld bei der Feier von Taufen, Trauungen und Beerdigungen fragen viele Bedienstete der Polizei die Mitwirkung von Polizeiseelsorgerinnen oder -seelsorgern an – ein Zeichen dafür, dass sich die Angebote der Polizeiseelsorge immer auch an Familienangehörige richten.

Ein Beitrag von:
Redakteurin

Maria Aßhauer

 
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