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© cpd/Tanja Münnich
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Bundesfreiwilligendienst seit 15 Jahren ein Gewinn für die Gesellschaft

„Wir Freiwilligendienstleistende sind gut zu gebrauchen.“ Dieses Fazit zieht der neunzehnjährige Philipp Leweling nach einem Jahr Bundesfreiwilligendienst (BfD) im Altenwohnheim St. Aegidius in Rheda-Wiedenbrück.

Die Einrichtung des Verbundes Katholischer Altenhilfe Paderborn e.V. (VKA) bietet für die vier „Bufdis“ vielfältige Einsatzmöglichkeiten – und profitiert von der Mitarbeit der Engagierten. Seit 15 Jahren gibt es den Bundesfreiwilligendienst als neues ehrenamtliches Dienstformat für die 2011 weggefallende Zivildienststruktur. Seither hat sich eine breite Vielfalt an Organisationen und Einrichtungen aufgestellt, die den Bundesfreiwilligendienst mit Leben füllen. Einrichtungen und Freiwillige gewinnen gleich auf ganzer Linie – die Freiwilligen sammeln Erfahrungen und haben die Möglichkeit, sich in ganz unterschiedlichen Arbeitsfeldern auszuprobieren, die Menschen in den Einrichtungen profitieren von zusätzlichen Kräften vor Ort, gesellschaftlicher Zusammenhalt wird gestärkt.

Freiwilligendienst als sinnvolle Zeit zwischen Schule und Ausbildung

Philipp Leweling bewarb sich nach der Schule um die BfD-Stelle, um die Zeit zwischen Schulabschluss und Ausbildungsbeginn zu überbrücken. Ein Jahr Pause kam für ihn nicht in Frage. „Ich tue gern etwas Sinnvolles. Außerdem hat meine Oma mir soviel von diesem Haus erzählt, auch sie hat sich hier ehrenamtlich engagiert. Deshalb habe ich mich entschieden, hier ein Jahr Freiwilligendienst zu machen.“ Neben Hausmeistertätigkeiten war Philipp im Sozialen Dienst eingesetzt. „Gruppenangebote für die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses benötigen oft die Unterstützung der Freiwilligen, wenn einzelne Fachkräfte im Urlaub oder krank sind. Die älteren Menschen freuen sich auch über den Kontakt zu uns Jugendlichen.“

Über 85.000 Menschen absolvieren jährlich einen der Freiwilligendienste, die meisten davon sind junge Leute. Doch gerade ab Herbst dieses Jahres haben viele Einrichtungen in NRW Schwierigkeiten, ihre Stellen zu besetzen – durch die Veränderung der gymnasialen Oberstufe von G8 zurück zur neunjährigen Sekundarstufe legen dieses Jahr deutlich weniger junge Menschen das Abitur ab. „Ich würde einen solchen Freiwilligendienst jedem jungen Menschen empfehlen“, sagt Philipp. „Ich habe so viele Erfahrungen gesammelt, ganz unterschiedliche Menschen kennen gelernt. Ich glaube, ich nehme sehr viel mit aus der Zeit.“

Freiwilligendienste stärken Verantwortung und Zusammenhalt

Doch nicht nur der abiturarme Jahrgang 2026 stellt die Freiwilligendienste vor Herausforderungen – auch das gesellschaftliche Klima hat sich grundlegend verschärft. Angesichts zunehmender, teils gewaltsamer Krisen und Konflikte richtet sich der Blick wieder stärker auf Verteidigungsfähigkeit und gesellschaftliche Resilienz. Für viele junge Menschen, die in diesem Jahr volljährig werden, bedeutet das ganz konkret: Die Musterung kehrt als reale Perspektive zurück, die Wiedereinführung der Wehrpflicht steht im Raum.

Gerade in dieser Debatte drohen die Freiwilligendienste aus dem Blick zu geraten – zu Unrecht. Denn während über Pflicht und Zwang gesprochen wird, existiert längst ein funktionierendes System freiwilligen Engagements, das Verantwortung, Orientierung und gesellschaftlichen Zusammenhalt konkret stärkt. In den vergangenen 15 Jahren haben sich FSJ und FÖJ – getragen von etablierten wie neuen Anbieter*innen – zu einem unverzichtbaren Bestandteil entwickelt. Wer heute über gesellschaftliche Resilienz spricht, kann an den Freiwilligendiensten nicht vorbeigehen. Sie sind kein „Add-on“, sondern ein erprobter Weg, junge Menschen für Verantwortung zu gewinnen.

Auch für Philipp ist die Zeit in St. Aegidius prägend gewesen. Nach dem BfD bleibt er dem Haus verbunden. „Ich weiß noch nicht, wie sehr mich die Ausbildung zum Bankkaufmann fordern wird, aber ich möchte als Ehrenamtlicher weiter hier mithelfen, dass es den alten Menschen gut geht. Das ist mein Beitrag.“

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