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© Besim Mazhiqi
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„Also habe ich mein Patronatsportal barrierefrei umbauen lassen“

Erzbistumskalender 2025: St. Maria Magdalena trägt den Beinamen „Padberger Dom“ – und steht unter dem Schutz eines tatkräftigen Kirchenvorstandes und einer präsenten Patronatsherrin

Wurden in früheren Zeiten Kirchen baufällig oder zu klein, wurde meist nicht lange gefackelt: Das alte Gebäude wurde entweiht und abgetragen, an der geräumten Stelle errichteten die Bauleute ein neues Gotteshaus. Bestes Beispiel ist der Hohe Dom zu Paderborn, der auf vier Vorläuferbauten steht.

Zwar nicht baufällig, aber doch stark renovierungsbedürftig und für die wachsende Gemeinde zu klein – dies galt auch für die Kirche St. Peter in Padberg an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert. Ein Abriss stand für den damaligen Patronatsherrn Graf Wilhelm Droste zu Vischering aber außer Frage. Aus dem westfälischen Uradelsgeschlecht der Droste zu Vischering entstammten Bischöfe, Domherren und Äbtissinnen. Auch ein Großprior des Malteserordens und ein Landkomtur des Deutschen Ordens trugen den Namen Droste zu Vischering – und dann ist da noch Maria Gräfin Droste zu Vischering, bekannt unter ihrem Ordensnamen Maria vom Göttlichen Herzen und von Papst Paul VI. am 1. November 1975 seliggesprochen. Wer aus so einem Geschlecht stammt, lässt keine Kirchen abreißen, erst recht keine fast tausendjährigen – sondern baut neue.

„Der Großvater meines verstorbenen Mannes hatte dabei sehr konkrete Vorstellungen“, erzählt die heutige Patronatsherrin Ulrike Gräfin Droste zu Vischering. Dies betraf zunächst den Standort. Die neue Kirche sollte nicht wie St. Peter oben am Berg, sondern mitten im Dorf stehen. Dort mussten allerdings zuvor fünf Häuser weichen. Der Graf ließ deren Bewohnerinnen und Bewohner kostenfrei auf andere, von ihm gegebene Grundstücke umsiedeln.

„Jesus Christus allein lädt ein.“

Auch bei der Frage der Größe und des Baustils hatte Graf Wilhelm eigene Ideen. Groß sollte die neue Kirche werden, mit zwei Türmen, und das alles im Neubarock. Die Bewandtnis dahinter: Die Schmuckstücke der alten Kirche St. Peter waren zwei von der Familie Padberg gestiftete barocke Altäre aus der Werkstatt von Heinrich Papen in Giershagen, der Hochaltar von 1670 und der Marienaltar aus dem Jahr 1736. Die Altäre sollten nach dem Willen des Grafen in die neue Kirche umziehen, die er daher im neubarocken Stil errichten lassen wollte. „Die neue Kirche wurde tatsächlich um die Altäre herum geplant“, berichtet die Gräfin. Der damalige Pastor hätte lieber eine Kirche im seinerzeit angesagten neugotischen Stil gehabt und äußerte sich abfällig über die „wertlosen“ Altäre, die den Bau einer „modernen“ Kirche verhindern sollten. Als er gar mit seinem Taschenmesser eine Kerbe in eine Alabastersäule schnitt, brachte dies das Fass zum Überlaufen. Es kam zum Streit, der Graf und sein Kirchenvorstand setzten sich durch, der Geistliche meldete sich beleidigt aus Padberg fort – der Bau konnte beginnen! Unter der Bauaufsicht des Architekten Franz Mündelein aus Paderborn und gestützt durch viele Spenden und Stiftungen aus der Patronatsfamilie und aus dem Ort, gelang es der Baufirma Tegethoff aus Marsberg (unter Zuhilfenahme von sehr viel Eigenleistung der Padberger Bürgerinnen und Bürger), das stattliche Gotteshaus innerhalb von nur knapp 16 Monaten fertigzustellen!

Wie früher Graf Wilhelm ist heute Gräfin Ulrike eng mit den Padberger Kirchen verbunden. St. Maria Magdalena und St. Peter wurden unter ihrem Patronat komplett restauriert. Auch der barrierefreie Zugang zu St. Maria Magdalena geht auf das Engagement der Patronatsherrin zurück. „Zur Beerdigung einer jungen Frau aus unserem Ort hatten sich viele Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer angekündigt, die dann wegen der zu steilen Treppe am Hauptportal nicht in die Kirche gelangen konnten“, berichtet die Gräfin. „Also habe ich mein Patronatsportal barrierefrei umbauen lassen. Ich brauche keinen eigenen Eingang!“ Zudem unterstützt sie den Erhalt der ehemaligen Synagoge aus dem 18. Jahrhundert in Padberg, und sie sorgt auch dafür, dass in ihrer Schlosskapelle regelmäßig heilige Messen gelesen werden. Die Kapelle befindet sich in einem Privathaus, die Messen dort sind jedoch selbstverständlich öffentlich. „Nicht ich bin die Gastgeberin“, so die Gräfin. „Jesus Christus allein lädt ein.“

St. Maria Magdalena in Padberg

Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem Ort.

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