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Abtei Marienmünster: Lebendiges Erbe in alten Gemäuern

Marienmünster ist schon lange kein Kloster mehr, die Gesänge der Mönche erklingen hier aber weiterhin. Und auch sonst hat sich der Ort eine spirituelle Qualität behalten.
© Besim Mazhiqi
Unser Glaube
19. Januar 2023
Marienmünster

Abtei Marienmünster: Lebendiges Erbe in alten Gemäuern

Marienmünster ist schon lange kein Kloster mehr, die Gesänge der Mönche erklingen hier aber weiterhin. Und auch sonst hat sich der Ort eine spirituelle Qualität behalten.

„Kloster der Klänge“

Fast majestätisch erheben sich die beiden schlanken Türme der Abtei Marienmünster über die sanft hügelige Landschaft. Mitten im Grünen mit weitem Blick auf das Lipper Bergland weisen zwei Symbole des Glaubens – ganz bewusst dem Welterbe Westwerk Corvey nachempfunden – den Weg in eine weitläufige barocke Klosteranlage, die in der Region zu den schönsten und beeindruckendsten gehört. Einst im Jahre 1128 von den Grafen von Schwalenberg sozusagen als Zweigstelle von Corvey gegründet, hat sich die ehemalige Benediktinerabtei in modernen Zeiten längst von der großen Schwester an der Weser emanzipiert und eine eigene, individuelle Wertschätzung weit über regionale Grenzen erfahren – als beliebtes „Kloster der Klänge“.

Denn die Abtei Marienmünster, als Kloster 1803 aufgelöst, gilt heute als interessanter Veranstaltungsort in Ostwestfalen-Lippe. Ob feierliche Orgelvesper, Tanz- und Musikworkshops für Kinder, Gregorianik-Seminare, Kammerkonzerte, selbst Musikcomedy, Jazzabende oder verschiedene Ausstellungen, kulturelle Angebote verschiedener Couleur mit internationalen Künstlern bringen in der Abteikirche St. Jakobus der Ältere und in den umgebauten Scheunen des Wirtschaftsflügels frischen Wind in alte Gemäuer.

Klösterliches Erbe

Verantwortlich zeichnet dafür die Kulturstiftung Marienmünster, die seit Jahrzehnten gemeinsam mit der Stadt und mit dem Pastoralverbund Steinheim-Marienmünster-Nieheim mit viel Engagement und viel Erfolg neue Nutzungskonzepte für das ehemalige Kloster im Kreis Höxter entwickelt. Doch was ist mit der Spiritualität des altehrwürdigen Ortes, in dem einst Corveyer Mönche in früheren Jahrhunderten für das Seelenheil der Bevölkerung sorgten? Und an dem bis 2014 noch niederländische Passionisten die geistliche Tradition hochhielten?

„Obgleich zurzeit keine Kommunität in Marienmünster wirkt, ist die spirituelle Strahlkraft der Abtei in der Stadt wie in der Region ungebrochen“, sagt Hans Hermann Jansen, einer der Vorsitzenden der Kulturstiftung Marienmünster. Denn auch wenn die ehemalige Benediktinerabtei inzwischen einen überwiegend musikalischen Schwerpunkt pflege, bewahre man auf jeden Fall das klösterliche Erbe. „Wir legen Wert darauf, in Marienmünster kein Eventschuppen zu sein“, sagt Hans Hermann Jansen und betont: „Open-Air-Konzerte beispielsweise mit den Toten Hosen sind nicht möglich“. Denn: „Die Würde des Ortes steht in unserem Kulturprogramm stets im Vordergrund.“

Lebendiger Kultur- und Kirchort

Die Ursprünge der Abteikirche St. Jakobus der Ältere gehen auf die Zeit nach 1128 zurück, ihre heutige Gestalt ist durch die umfassenden Umgestaltungen ab 1661 geprägt. Sie ist aber nicht nur Ort für Orgelkonzerte, sondern – als eine der drei hauptkirchen des Pastoralen Raumes Steinheim-Marienmünster-Nieheim – fester Bestandteil im Leben der katholischen Gläubigen der Region.

Konzerte an der Barockorgel

Konzerte an der herausragenden barocken Johann-Patroclus-Möller-Orgel verzaubern oft auch Nicht-Gemeindemitglieder, die eigens sonntägliche Gottesdienste besuchen. „Dort ist die Kirche wirklich voll, und es ist ein erhabenes Gefühl, die Liturgie zu feiern“. Bei kirchlichen Feiertagen mit entsprechendem Programm kommen in Abteikirche, den neuen Konzerträumen der Ackerscheune und des Schafstalls viele Menschen zusammen, die längst nicht mehr in der Region leben, für die Marienmünster aber immer noch ein Leuchtturm in der Heimat ist. „Wir begrüßen an unserem Klosterort immer wieder eine wahrhaft multiple Gesellschaft, die sehr neugierig auf das monastische Erbe ist“, freut sich Hans Hermann Jansen, der sich als Netzwerker der Klosterlandschaft Ostwestfalen einen Namen gemacht hat.

Einblick in Klosterregion

Apropos Klosterlandschaft: Auf der Anlage in Marienmünster eröffnet sich durch das Besucherzentrum FORUM Abtei ein modernes Entree in die Klosterkultur der Region. Der kubusartige Bau – innen strahlt die Kalligrafie Brody Neuenschwanders – spiegelt mit Hilfe von aufwändigen medialen Inszenierungen wider, was sich hinter 120 weiteren Klostermauern abspielt. Dort lässt sich erfahren, wie die einzelnen Klöster in der Region entstanden sind, welche Bedeutung sie hatten und was sie heute noch ausmacht. „Durch diesen multimedialen Einblick in die monastische Kultur kann sich das virtuelle Leben mit dem realen auf wohltuende Weise verbinden und zu den nächsten Klosterbesuchen anregen“, beschreibt es Hans Hermann Jansen.

„Kloster der Klänge“ – Veranstaltungen in Marienmünster

In der Abteikirche St. Jakobus der Ältere mit ihrer Johann-Patroclus-Möller-Orgel und in den zum Kulturzentrum umgebauten historischen Scheunen finden das ganze Jahr über Veranstaltungen und Konzerte mit überregionaler Strahlkraft statt. Daneben informiert das Informationszentrum FORUM Abtei multimedial über die frühere Benediktinerabtei und die Klosterlandschaft im Kreis Höxter.

Garten gibt Einblicke in klösterlichen Alltag

Weitere spirituelle Spuren lassen sich auf dem „Weg der Stille“ mit Ausblicken auf den romantischen Klostersee nach Brenkhausen und Corvey entdecken. Und auch der Abstecher in den Abteigarten gibt Einblicke in den einstigen Klosteralltag. Inspiriert von der benediktinischen Gartenkunst, haben Ehrenamtliche aus Stadt und Pfarrgemeinde verschiedene Beete angelegt, die zeigen, mit welchen Pflanzen und Kräutern die klösterliche Gemeinschaft ihren Speiseplan bereicherte und wie sie mit Salbei, Sternanis, Lavendel, Zitronenmelisse & Co. Beschwerden linderten. So ist und bleibt Marienmünster ein wahrhaft spiritueller Ort, an dem man atmen, schauen und zuhören kann.

Virtueller Rundgang durch die Abteikirche St. Jakobus der Ältere

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Ein Beitrag von:
Die freie Autorin Martina Schäfer © privat
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Martina Schäfer

 
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