„Wir brauchen mehr Theologie. In unserer Gesellschaft, in unserer Kirche und in den Entscheidungen, mit denen wir ihre Zukunft gestalten“, bekräftigte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz gestern anlässlich des neuen Studienjahres an der Theologischen Fakultät. Seinen Appell richtete der Erzbischof in erster Linie an das anwesende Professorenkollegium, die neuen und bisherigen Studierenden sowie an die weiteren Mitglieder, Freunde und Förderer der Fakultät. So erschließe sich die Bedeutung der Theologie heute vielen Menschen nicht mehr automatisch. „Wer ihren Platz in Wissenschaft und Gesellschaft behauptet, muss erklären können, worin ihr Beitrag liegt. Und wer für ihre Zukunft Verantwortung trägt, muss bereit sein, diesen Beitrag zu ermöglichen und einzufordern“, betonte Erzbischof Dr. Bentz und verwies auf die Empfehlung des Deutschen Wissenschaftsrates für die Theologie, wonach Theologie das Zusammenspiel der Wissenschaften durch ethische Reflexion und durch Fragen nach Sinn, Gelingen und Scheitern menschlicher Existenz bereichere. Gleichzeitig gehe aus dieser Definition hervor, dass Theologie das Bewusstsein dafür wachhalte, dass menschliches Handeln und wissenschaftliche Selbstdeutung Grenzen haben.
Fragen des Menschseins
Der Bedeutungs- und Vertrauensverlust, den Kirche innerhalb der Gesellschaft erfahre, führe gleichermaßen zur gesteigerten Skepsis gegenüber der Theologie. Diese Situation verlange Offenheit und Selbstkritik: „Sie fordert uns heraus, verständlich zu sprechen und uns dem Gespräch auszusetzen. Zugleich aber bin ich überzeugt: Wir sollten selbstbewusst benennen, woran hier gearbeitet wird. Denn die Fragen, denen sich die Theologie widmet, gehören zu den Fragen, die unser Menschsein bestimmen“, ermutigte der Erzbischof die Anwesenden und ergänzte: „Eine theologische Fakultät ist nicht nur ein Ausbildungsort für bestimmte kirchliche Berufe. Eine theologische Fakultät muss auch ihre gesellschaftliche und kirchliche Relevanz unter Beweis stellen. Hier wird wissenschaftlich nach Gott gefragt und danach, was diese Frage für das Verständnis des Menschen und der Welt bedeutet.“