Laden...

logocontainer-upper
logocontainer-lower
© Besim Mazhiqi / Theologische Fakultät
© Besim Mazhiqi / Theologische Fakultät

„Wir brauchen mehr Theologie“

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz will theologischen Standort Paderborn zukunftsfähig aufstellen.

Mit der akademischen Jahresfeier ist die Theologische Fakultät Paderborn jetzt in ein neues Studienjahr gegangen. Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz ist Magnus Cancellarius der Fakultät und damit ihr oberster kirchlicher Repräsentant. In seiner Ansprache bekannte er sich ausdrücklich zum theologischen Standort Paderborn, betonte den gesellschaftlichen Stellenwert von Theologie und hob die Rolle der Fakultät für die zukünftige Gestaltung von Kirche heraus.

„Wir brauchen mehr Theologie. In unserer Gesellschaft, in unserer Kirche und in den Entscheidungen, mit denen wir ihre Zukunft gestalten“, bekräftigte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz gestern anlässlich des neuen Studienjahres an der Theologischen Fakultät. Seinen Appell richtete der Erzbischof in erster Linie an das anwesende Professorenkollegium, die neuen und bisherigen Studierenden sowie an die weiteren Mitglieder, Freunde und Förderer der Fakultät. So erschließe sich die Bedeutung der Theologie heute vielen Menschen nicht mehr automatisch. „Wer ihren Platz in Wissenschaft und Gesellschaft behauptet, muss erklären können, worin ihr Beitrag liegt. Und wer für ihre Zukunft Verantwortung trägt, muss bereit sein, diesen Beitrag zu ermöglichen und einzufordern“, betonte Erzbischof Dr. Bentz und verwies auf die Empfehlung des Deutschen Wissenschaftsrates für die Theologie, wonach Theologie das Zusammenspiel der Wissenschaften durch ethische Reflexion und durch Fragen nach Sinn, Gelingen und Scheitern menschlicher Existenz bereichere. Gleichzeitig gehe aus dieser Definition hervor, dass Theologie das Bewusstsein dafür wachhalte, dass menschliches Handeln und wissenschaftliche Selbstdeutung Grenzen haben.

Fragen des Menschseins

Der Bedeutungs- und Vertrauensverlust, den Kirche innerhalb der Gesellschaft erfahre, führe gleichermaßen zur gesteigerten Skepsis gegenüber der Theologie. Diese Situation verlange Offenheit und Selbstkritik: „Sie fordert uns heraus, verständlich zu sprechen und uns dem Gespräch auszusetzen. Zugleich aber bin ich überzeugt: Wir sollten selbstbewusst benennen, woran hier gearbeitet wird. Denn die Fragen, denen sich die Theologie widmet, gehören zu den Fragen, die unser Menschsein bestimmen“, ermutigte der Erzbischof die Anwesenden und ergänzte: „Eine theologische Fakultät ist nicht nur ein Ausbildungsort für bestimmte kirchliche Berufe. Eine theologische Fakultät muss auch ihre gesellschaftliche und kirchliche Relevanz unter Beweis stellen. Hier wird wissenschaftlich nach Gott gefragt und danach, was diese Frage für das Verständnis des Menschen und der Welt bedeutet.“

Im Angesicht von KI brauchen wir mehr Theologie, nicht weniger.

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz

Theologie beantworte Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens und der Verantwortung füreinander aus einer Tradition heraus, in der der Mensch als Geschöpf Gottes und als Beziehungswesen, ausgestattet mit bedingungsloser Würde und Freiheit verstanden wird. „Sie berührt unseren Umgang mit Macht, mit wirtschaftlichen Interessen, mit sozialer Ungleichheit und mit den Grenzen menschlichen Lebens“, erinnerte Erzbischof Dr. Bentz und betonte dabei die öffentliche Aufgabe der Theologie, ihre Stimme im wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Gespräch hörbar zu machen – vor allem angesichts der Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI), die einen veränderten Umgang mit Wissen, der Arbeitswelt und der öffentlichen Kommunikation bedinge. Die Fragen, die sich aus der wachsenden Rolle von KI für unsere Freiheit, unsere Wahrnehmung, unsere Offenheit und unseren Umgang miteinander ergeben, verlangten nach einem Gespräch zwischen den Wissenschaften, das vom Menschenbild der Theologie bereichert werde. „Im Angesicht von KI brauchen wir mehr Theologie, nicht weniger. Und wir brauchen eine theologische Bildung, die zur eigenen Urteilsbildung befähigt. Wer Theologie studiert, soll lernen, gründlich zu lesen, Zusammenhänge zu erkennen, Voraussetzungen zu prüfen und begründet Stellung zu beziehen. Dazu gehört die Freiheit, eine eigene Auffassung zu entwickeln, und ebenso die Bereitschaft, sie zu verändern.“ Zur wissenschaftlichen Verantwortung von Fakultäten gehöre es, diese Arbeitsweisen zu schützen und zu fördern.“

„Es muss mehr Theologie ins System“

Theologie bereichere nicht nur Wissenschaft und Gesellschaft, sondern auch den Wandel der Lebensrealität von Kirche. Für die Theologische Fakultät ergebe sich die wichtige Rolle, die Entwicklung des Erzbistums Paderborn – und damit den Bistumstransformationsprozess – wissenschaftlich zu begleiten, bekräftigte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz. Ihre kritische Kraft, Voraussetzungen zu hinterfragen und zu herausfordernden Ergebnissen zu kommen, sei der Beitrag, den eine wissenschaftliche Fakultät für die Kirche leisten könne, ergänzte er.

Die Perspektive des theologischen Standorts Paderborn stimme zuversichtlich, sagte der Erzbischof und bezog sich auf die zahlreichen neuen Studierenden, die im Bachelorstudiengang der Angewandten Theologie, im Fern- und Präsenzstudium, und an der Theologischen Fakultät selbst im Magister– und Promotionsstudium starteten. Zum 1. September 2027 werden der Studiengang der Angewandten Theologie und die verbundene Einrichtung des Instituts für Angewandte Theologie von der katho an die Theologische Fakultät Paderborn umziehen. „Darin liegt die Chance, die Theologie am Standort Paderborn insgesamt zu stärken und ihre wissenschaftliche Qualität weiterzuentwickeln. Diese Chance müssen wir durch eine sorgfältige Gestaltung des Transfers nutzen. Es geht um die Weiterentwicklung von Forschung und Lehre, um klar erkennbare Studienprofile und um die Möglichkeiten, die sich aus ihrer Verbindung ergeben“, betonte der Erzbischof.

Bereits jetzt seien die jeweils eigenen Stärken des Magisterstudiums und des Studiums der Angewandten Theologie deutlich erkennbar: „Das Magisterstudium bietet Raum für eine breite und vertiefte Auseinandersetzung mit den theologischen Disziplinen, ihren Grundlagen und Methoden. Ein stärker anwendungsbezogenes Studium richtet den Blick besonders auf konkrete berufliche Aufgaben und die Frage, wie theologische Erkenntnisse das Handeln prägen können. Beide Zugänge verlangen wissenschaftliche Sorgfalt. Und beide können einander bereichern.“ Sobald beide Zugänge an der Theologischen Fakultät zusammenkämen, biete dies den Vorteil der Durchlässigkeit zwischen den Studiengängen. Wenngleich die jeweiligen Studienziele erkennbar bleiben müssten, seien gemeinsame Studienanteile, dort wo sie fachlich sinnvoll sind, möglich. Auch ein Wechsel zwischen theorie- und praxisbetontem Studiengang aufgrund veränderter beruflicher oder persönlicher Interessen soll künftig durch die gemeinsame Anbindung noch einfacher möglich sein. Dazu ergänzte Erzbischof Dr. Bentz: „Durchlässigkeit eröffnet damit individuelle Bildungswege. Zugleich trägt sie dazu bei, wissenschaftliche Vertiefung und berufliche Qualifizierung enger miteinander zu verbinden. Darin liegt ein wesentlicher Gewinn des Transfers für die Studierenden und für den theologischen Standort insgesamt.“

So entsteht eine Gemeinschaft, in der wissenschaftliche Bildung, persönliche Entwicklung und die Suche nach der eigenen Berufung miteinander verbunden sind.

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz

Gemeinsam lernen, glauben, leben

Wohn- und Lebensmittelpunkt vieler Theologiestudierender und junger Menschen, die das christliche Miteinander und den gemeinsamen Alltag unabhängig ihres Studienganges leben, ist der Leocampus. Hier, wo seit kurzem auch das Pauluskolleg heimisch geworden ist, leben aktuell rund 40 junge Menschen zusammen. Einige von ihnen absolvieren das „come!“, ein christliches Orientierungsjahr, das seit 2025 vom Erzbistum Paderborn angeboten wird. Das „come!“ kann in Zusammenhang mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr oder einem Bundesfreiwilligendienst verbracht werden. Alternativ besteht die Möglichkeit, ein Vorstudium an der Theologischen Fakultät Paderborn zu absolvieren.

Der Leocampus biete die Möglichkeit eines gemeinsamen Alltags. Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Fragen und Vorstellungen, die sich kennenlernen, miteinander diskutieren, ihren Glauben teilen und voneinander lernen: „So entsteht eine Gemeinschaft, in der wissenschaftliche Bildung, persönliche Entwicklung und die Suche nach der eigenen Berufung miteinander verbunden sind“, würdigte der Erzbischof den wichtigen Beitrag des Leocampus für den theologischen Studienstandort Paderborn.

Institutions- und länderübergreifend lernen

Eine weitere wesentliche Säule, auf der der theologische Standort fuße, seien die Kooperationen mit der Universität Paderborn, betonte der Erzbischof weiter. Neben einer Promotionskooperation unterhält die Theologische Fakultät eine langjährige Lehrkooperation mit der Universität Paderborn, die es Studierenden ermöglicht, Lehrveranstaltungen an beiden Standorten zu besuchen. Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz betonte außerdem die vielfältigen Anknüpfungspunkte, die durch die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen wie der Philosophie und den Wirtschaftswissenschaften entstünden.

Zusätzliches Profil gewinne der theologische Standort Paderborn durch das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik und die Neukonzeption der Kommende in Dortmund mit einem wissenschaftlichen Forschungszweig zur christlichen Gesellschaftslehre.

Theologische Verantwortung über das Erzbistum hinaus stelle die Teilnahme der Theologischen Fakultät Paderborn am Albertus-Magnus-Programm der Deutschen Bischofskonferenz dar. Die postgraduale Studienförderung für ausländische Studierende mache auch die weltkirchliche Verbundenheit am theologischen Standort Paderborn konkret.

Am Ende seines Vortrags bekräftigte Erzbischof Dr. Bentz sein Vorhaben, den theologischen Standort Paderborn zu stärken: „Als Magnus Cancellarius stehe ich für die Zukunft dieses theologischen Standorts ein“, betonte er und richtete sich erneut direkt an die Verantwortlichen vor Ort: „Wir brauchen ihre Arbeit. Wir brauchen die Menschen, die hier ausgebildet werden. Und wir brauchen ihre Fragen – gerade dort, wo wir uns zu schnell mit einer Antwort zufriedengeben.“

Ein Beitrag von:
Referentin Team Presse

Isabella Maria Struck

Weitere Einträge

© Erzbistum Paderborn

Pressemeldung Spaltung entgegentreten

Herbstsitzung der Deutschen Kommission Justitia et Pax mit Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz / Internationale (Entwicklungs-)Zusammenarbeit stärken!
© privat

Pressemeldung Sozialethische Fachexpertise für die Kommende Dortmund

Sarah Delere wird neue Direktorin des vom Erzbistum Paderborn getragenen Sozialinstitut Kommende in Dortmund / Dienstbeginn am 1. Dezember 2026
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Pressemeldung Neuer Bundesseelsorger der Malteser

Der Paderborner Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz ist neuer Bundesseelsorger der Malteser. Er übernimmt das Amt von Bischof Heinrich Timmerevers, der seit Anfang September emeritiert ist.
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0