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© Heiko Appelbaum / Erzbistum Paderborn
© Heiko Appelbaum / Erzbistum Paderborn

30 Jahre „go4peace“: Junge Menschen durchs Leben navigieren

Europaweites Netzwerk des Friedens und der Freundschaft, das im Erzbistum Paderborn "geboren" wurde, eint junge Menschen und lebt täglich das Evangelium.

Ausgerechnet ein unzähliges Leid bringender Krieg hat den Weg für ein europaweites Netzwerk geebnet, das junge Menschen zusammenbringt. Im Liborianum, dem Tagungshaus des Erzbistums Paderborn, würdigten die Initiatoren und Wegbegleiter nun das 30-jährige Bestehen von go4peace, dem Netzwerk, das seinerzeit im Erzbistum Paderborn geboren wurde. Aus der Taufe gehoben von Pastor Meinolf Wacker hat es eine beeindruckende Entwicklung genommen.

In Rahmen der Jubiläumsveranstaltung wurde zunächst die Historie von go4peace beleuchtet. Der Blick reichte in die Zeit des Bosnienkrieges zurück, der zwischen 1992 und 1995 nach dem Zerfall Jugoslawiens tobte und in dem drei Volksgruppen – Bosniaken (Muslime), Serben und Kroaten –um die Vorherrschaft kämpften. Der Konflikt forderte über 100.000 Menschenleben und war von Vertreibungen geprägt.

Hilfe beim Wiederaufbau

Unter dem Eindruck dieser schrecklichen Ereignisse reifte bei Meinolf Wacker, der seinerzeit als Jugendpfarrer im Erzbistum wirkte, ein Gedanke, der als Auslöser für go4peace gilt. „Am Anfang unseres Friedensweges stand eine Frage: „Könnten nicht deutsche Jugendliche beim Wiederaufbau in Bosnien helfen?““, erinnert sich Meinolf Wacker. „Diese Frage stellte Kardinal Dr. Karl Lehmann in seiner Weihnachtspredigt am Heiligen Abend 1995 im Mainzer Dom nach dem Ende des Krieges in Bosnien. So begann das Abenteuer des Bosnischen Friedensweges „Hände für den Frieden – dem Frieden Hände geben“. Seit 1996 haben sich – ausgehend vom Jugendhaus Hardehausen – über 2000 junge Menschen aus 19 europäischen Ländern bei vielfältigen Friedensinitiativen in Bosnien, Albanien, dem Kosovo, Polen, Tschechien und Deutschland engagiert und sich darüber hinaus für soziale Projekte in Syrien, der Ukraine und dem Libanon stark gemacht.“

Aus diesem brückenbildenden Engagement ist mit go4peace ein europaweites Netzwerk des Friedens und der Freundschaft erwachsen – gespeist aus den täglich gelebten Worten des Evangeliums.

Pastor Meinolf Wacker

Neues Projekt "navi4life" hilft Jugendlichen, ihr Leben bewusst zu gestalten

Die Ansprüche und Mitwirkungsinteressen der Jugendlichen haben sich in den vergangenen Jahren europaweit verändert. Diesem Wandel hat go4peace Rechnung getragen und sich mit großem Rückenwind aus dem Erzbistum Paderborn kontinuierlich weiterentwickelt. Neuestes Projekt des Netzwerkes ist „navi4life“.

Junge Menschen fragen sich: Wofür möchte ich mein Leben einsetzen? Was will ich später einmal machen? Werde ich einen Beruf finden, der wirklich zu mir passt? Und was brauche ich, um glücklich zu sein? Auf diese Fragen müssen junge Menschen ihre ganz persönliche Antwort finden – in einer Zeit geprägt von zerbrechenden familiären Strukturen, Klimawandel, gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen, Künstlicher Intelligenz und Krieg in Europa. Das jüngste Projekt navi4life unterstützt Jugendliche ab 14 Jahren dabei, sich mit den wichtigen Fragen ihres Lebens auseinanderzusetzen und ihren eigenen Lebensweg bewusst zu gestalten.

Der Start war und ist äußerst erfolgreich. Mittlerweile wurden knapp 4000 junge Menschen an Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien und Gesamtschulen, sowie in Firm- und Konfirmations-Gruppen erreicht – und das sogar über Deutschland hinaus.

Drei Logbücher - ermutigend und inspirierend

Dem Projekt navi4life liegen drei Logbücher zu Grunde, die Jugendliche stark machen wollen, ihren Lebensweg zu entdecken und zu gehen. Im Logbuch 1 geht es allein um das Leben von jungen Menschen, egal welcher Weltanschauung oder Glaubensüberzeugung sie folgen. Im Logbuch 2 geht es unter christlichem Horizont darum, als Jugendlicher der eigenen Art und Weise zu glauben, auf die Spur zu kommen. Zehn junge Erwachsene, die in ihrem Leben angekommen sind, erzählen in Logbuch 3 sehr persönlich von ihrem Weg.

Alle Logbücher – sie haben mittlerweile eine Auflagenhöhe von 8500 erreicht – können selbstständig erworben und dann individuell bearbeitet werden. In Polen, Bosnien-Herzegowina und der Schweiz wird ebenfalls mit dem Logbuch 1 „Mein Leben – windschief und glänzend“ gearbeitet. Es ergeben sich lebendige Kooperationen vor allem mit außerkirchlichen Schulen. Das Team arbeitet etwa sehr engagiert mit der Anne-Frank-Gesamtschule im Dortmunder Norden und wird dort im nächsten Schuljahr ein großes Friedensprojekt lancieren.

Zum Projekt navi4life gehören auch school4life, ein erfahrungsorientierter Kurs in drei Etappen für Begleiterinnen und Begleiter junger Menschen an Schulen, und firm4life, ein erfahrungsorientierter Kurs in vier Etappen für Begleiterinnen und Begleiter der Firm- und Konfirmations-Vorbereitung. Die Zahlen zum Projekt navi4life können sich sehen lassen. Bisher wurden neben den oben genannten 4000 Jugendlichen knapp 500 Multiplikatoren erreicht. Über 150 durchgeführte Veranstaltungen und rund 100 besuchte Schulen und Einrichtungen sprechen ebenso eine deutliche Sprache.

Dem eigenen Leben und dem eigenen Glauben auf die Spur kommen

Jungen Gläubigen im Erzbistum Paderborn bieten sich durch das Netzwerk go4peace viele Möglichkeiten. Jugendliche sowie junge Erwachsene haben die Chance, mit Hilfe der Logbücher dem eigenen Leben und dem eigenen Glauben auf die Spur zu kommen. Sie sind eingeladen, mit der App go4peace mit dem täglichen Evangelium leben zu lernen. In vielfältigen Projekten sind sie aufgefordert mitzutun und sich selber zu erleben: Beim Audio-Parcours auf dem Katholikentag, Evangelischen Kirchentag oder während der Libori-Tage – bei navi4life-Schuleinsätzen an allen weiterführenden Schulformen – bei Jugendtreffen in Steyl – in der Begleitung von Firm-Vorbereitung – bei Pilgerwegen im Erzbistum und darüber hinaus – bei besonderen Gottesdiensten – bei Sozial-Aktivitäten. go4peace ist ebenfalls verortet im Netzwerk der Geistlichen jugendspirituellen Gemeinschaften und Netzwerke.

Mehr dazu, wie go4peace junge Menschen geprägt hat, erzählen Marie und Sophia Vornholt sowie Artemida Golemi in der nachfolgenden Diashow mit Text zum Durchscrollen. Ihre Schilderungen belegen: go4peace schreibt viele, ganz individuelle Erfolgsgeschichten.

© Heiko Appelbaum / Erzbistum Paderborn
© Heiko Appelbaum / Erzbistum Paderborn

„Das Camp in Sarajevo hat mich nachhaltig beeindruckt“

Marie Vornholt aus Kamen hat als Schülerin in der Kommunionvorbereitung erstmals von go4peace gehört. „Sofort war mir klar, dass dieses Netzwerk genau das Richtige für mich ist“, blickt die heute 16-Jährige zurück. „Nach der Corona-Pandemie konnte ich so Kontakte zu Gleichgesinnten knüpfen und ein Höhepunkt war der Aufenthalt in Sarajevo im vergangenen Jahr. Der Glaube verbindet uns und über go4peace habe ich meinen Glauben neu erfahren. Das Motto go4peace baut Brücken  gilt auch für mich persönlich.“

© Heiko Appelbaum / Erzbistum Paderborn
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„Eine Pilger-Wanderung nach Paderborn war eine schöne Erfahrung“

Ihre Schwester Sophia Vornholt, 14 Jahre alt, ist ebenfalls über die Kommunionvorbereitung auf go4peace aufmerksam geworden: „Marie hat mir zuvor schon viel erzählt, aber so richtig Interesse hat Meinolf Wacker bei mir geweckt. Seine Begeisterung für das Projekt steckt an und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich über go4peace schon viele nette Menschen kennengelernt habe. Im Mai 2025 bin ich mit Schwester Edith von Salzkotten nach Paderborn gepilgert – auch das war eine schöne Glaubenserfahrung, die mein Interesse am gemeinsamen Wirken weiter gesteigert hat.“

© Heiko Appelbaum / Erzbistum Paderborn
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„Der Glaube hat mir große Motivation gegeben“

Artemida Golemi stammt ursprünglich aus Albanien. In einer muslimischen Familie geboren hat sie in der Schule den christlichen Glauben kennen und schätzen gelernt. „Der Glaube hat mir große Motivation gegeben und mein Selbstbewusstsein gestärkt“, sagt die 32-Jährige. Ihren ersten Kontakt zu go4peace knüpfte sie 2015 in einem Camp-Projekt in Kamen. Zwei Jahre später hat sie das Camp in Albanien mit auf den Weg gebracht und 2018 folgte eine wichtige Weichenstellung. Artemida Golemi ließ sich an einem Tag taufen, empfing Kommunion und Firmung. Ein Jahr später der nächste große Schritt: Sie emigrierte nach Deutschland – in Kamen fand sie eine neue Heimat. Längst ist sie integriert und unterrichtet als Lehrerin in Bönen Biologie und Chemie.

Vier-Fragen an Meinolf Wacker

Redaktion

Das Netzwerk go4peace entstand seinerzeit als Reaktion auf den Balkankrieg. Warum ist es aktuell wichtiger denn je?

Meinolf Wacker

Die Kriegsszenarien sind seit dem Krieg auf dem Balkan nicht weniger, sondern mehr geworden. Durch das Netzwerk go4peace regen wir junge Menschen europaweit an, sich vor Ort für Frieden zu engagieren, denn von jedem Herzen kann „Weltfrieden“ ausgehen. So haben wir – ausgelöst durch die Corona-Pandemie gelernt, Gruppen vor Ort in den Ländern Europas zu animieren, sich für Frieden in konkreten Projekten einzusetzen und diese Erfahrungen dann via zoom zu vernetzen.

Redaktion

Auf welche Länder fokussiert sich der Verein derzeit besonders?

Meinolf Wacker

Aktuell sind wir in der Ukraine, in Syrien, in Albanien und im Libanon in Friedensprojekten engagiert. Im Flüchtlingscamp Dbayeh – 12 Kilometer nördlich von Beirut – leben in vierter Generation palästinensische Flüchtlinge staatenlos und ohne Pass. Die Kinder, schon im Camp geboren, haben kaum Möglichkeiten auf Bildung. Hier unterstützen wir 5 Teenies, damit sie eine Schulausbildung erhalten können.

Meinolf Wacker moderiert die Jubiläumsveranstaltung zum 30-jährigen Bestehen von go4peace. © Heiko Appelbaum / Erzbistum Paderborn
Pastor Meinolf Wacker, Gründer von go4peace, bei der Jubiläumsveranstaltung zum 30-jährigen Bestehen des Netzwerks.
Redaktion

Der kirchliche Verein „go4peace“ hat seine Heimat in Kamen. Gibt es dafür einen besonderen Grund?

Meinolf Wacker

Bernhard Nake und ich leben seit 34 Jahren in priesterlicher vita communis. Wir geben damit ein Zeichen priesterlicher Mitbrüderlichkeit. Nach der Zeit als Jugendpfarrer fiel die Entscheidung, den Weg der vita communis weiterzugehen und das Netzwerk go4peace in einem säkularen Umfeld zu verorten. Das wurde in Kamen möglich. Bernhard Nake arbeitet als Pfarrer der Pfarrei Heilig Kreuz Kamen und ich bin als Leiter des NGZ go4peace tätig. Dadurch ergeben sich vielfältige Synergie-Effekte. Zusammen mit Pastor Heinrich Oest aus Dortmund bringen wir die vielfältigen Projekte des Netzwerkes in enger Zusammenarbeit voran.

Redaktion

Und was ist das Geheimnis von go4peace, das in den Jahren so viele neue Layouts hervorgebracht hat?

Meinolf Wacker

Mir kommt ein Zitat von Bischof Klaus Hemmerle: „Lass mich dich lernen, dein Denken und Sprechen, dein Fragen und Dasein, damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich dir zu überliefern habe.“ Es geht darum, in unseren Herzen und in unserem Denken und Tun einen Raum für Jugendliche zu schaffen, in dem sie wachsen und zu sich selber finden können. Oft sind wir als Kirche auf „Meta-Ebenen“ unterwegs, aber durch Jesus habe ich gelernt, dort zu sein, wo – entschuldigen Sie die etwas banale Sprache – „die Hütte brennt“. Hilfreich ist dann (nur) angebotene und ehrlich gelebte Nähe und in ihr ereignet sich in aller Verborgenheit der, der uns in den 30 Jahren „go4peace“ immer wieder hat fragen lassen: „Brannte uns nicht das Herz, als er unterwegs mit uns redete?“ Und so haben wir mein Lieblingslied von Gen Rosso „Bleibe hier bei uns“ unzählige Male gesungen. Darin heißt es – an Jesus gerichtet:

Bleibe hier bei uns, die Sonne sinkt hinab, wenn du unter uns bist, gibt es keine Nacht.

Ein Beitrag von:
Freier Autor

Heiko Appelbaum

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