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© Maria Aßhauer / Erzbistum Paderborn
© Maria Aßhauer / Erzbistum Paderborn

„Prävention beginnt dort, wo Menschen gehört werden“

15 Jahre Präventionsordnung und Präventionsarbeit im Erzbistum Paderborn mit Festakt gewürdigt

Seit 15 Jahren besteht die „Rahmenordnung – Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen“. Seitdem wurde im Erzbistum Paderborn eine systematische Präventionsarbeit auf- und immer weiter ausgebaut. Das feierte das Erzbistum Paderborn am Mittwoch, 24. Juni 2026, mit einem Festakt im Deelenhaus in Paderborn.

Kultur der Achtsamkeit ist Auftrag

„Das Evangelium gibt uns eine Kultur der Achtsamkeit als Auftrag“, betonte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz in seinem Grußwort. 2011 hat die Deutsche Bischofskonferenz die Präventionsordnung erlassen, die seitdem immer wieder fortgeschrieben und im Erzbistum Paderborn engagiert mit Leben gefüllt wurde.

„Prävention ist kein Projekt mit einem Anfang und einem Ende, sondern eine dauerhafte Haltung“, sagte die Präventionsbeauftragte des Erzbistums, Vanessa Meier-Henrich, in ihrer Begrüßung. Diese Haltung entstehe aus der Erkenntnis, „dass Kirche nur dort glaubwürdig sein kann, wo Menschen geschützt, ihre Würde geachtet und ihre Grenzen respektiert werden“.

Meilensteine und Herausforderungen

Die Präventionsbeauftragte beleuchtete Meilensteine der bisherigen Präventionsarbeit: die großflächige Sensibilisierung von Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen, die Entwicklung von Schutzkonzepten, die Förderung einer Kultur der Achtsamkeit und die Stärkung von Betroffenenperspektiven. Aber auch Herausforderungen nahm Meier-Henrich in den Blick: Prävention dauerhaft lebendig zu halten, sie als Führungshaltung zu verankern, eine offene Meldekultur zu fördern und den digitalen Risiken für Kinder, Jugendliche und Schutzbefohlene zu begegnen, seien künftig besondere Aufgaben. Die wichtigste Herausforderung bleibe das Zuhören, unterstrich die Präventionsbeauftragte: „Prävention beginnt dort, wo Menschen gehört werden.“

Mehr als ein Konzept auf Papier

„Jedes der vergangenen 15 Jahre ist kostbar und steht für den Weg, auf dem wir Schritt für Schritt mehr Verantwortung übernommen haben“, betonte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz in seinem Grußwort. Um den Auftrag der Prävention zu erfüllen, brauche es glaubwürdige Zeugen und eine glaubwürdige Organisation. „Das geschehene Unrecht muss uns sensibilisieren auf Zukunft hin. Im Blick auf das, was es dafür braucht, sind die Betroffenen unsere Lehrer.“

Aus einer Kultur des Wegsehens sei eine Kultur der Achtsamkeit geworden, die die Organisation Kirche immer weiter durchdringe, so der Paderborner Erzbischof weiter. Die erreichte Enttabuisierung mache sprachfähig: „Sprache schafft Wirklichkeit“, erklärte Erzbischof Dr. Bentz. „Auch Schweigen schafft eine Wirklichkeit, aber keine lebensfähige.“

Erzbischof Dr. Bentz dankte allen, „die in den vergangenen Jahren mit Überzeugung, Fachkompetenz und großem Engagement daran gearbeitet haben, Schutzräume zu schaffen“. Alle Beteiligten hätten dazu beigetragen, dass Prävention im Erzbistum Paderborn mehr sei als ein Konzept auf Papier. „Kirche wird in der Gesellschaft allmählich als Vorreiter im Umgang mit sexualisierter Gewalt wahrgenommen. Wir wollen als Kirche eine lernende Organisation bleiben“, charakterisierte auch Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz die Präventions-, aber auch die Interventionsarbeit als kontinuierliche Lernprozesse.

Aufbrechen und Lernen

Einen (Rück-)Blick aus dem Ruhestand warf der langjährige Präventionsbeauftragte des Erzbistums, Karl-Heinz Stahl, der die Präventionsarbeit im Erzbistum Paderborn seit 2013 maßgeblich aufgebaut hat. „Aufbrechen und Lernen“ sei dabei die immerwährende Prämisse gewesen, erklärte Stahl. Viele Menschen seien bereit gewesen, in diesem Prozess vorhandenes Wissen zu teilen, zum Beispiel die Kolleginnen und Kollegen in den NRW-Bistümern. „Wichtig war zudem immer, Unterschiede in den Zielgruppen wahrzunehmen und Wissen aus möglichst vielen Bereichen zu berücksichtigen“, beschreibt Karl-Heinz Stahl die Entwicklung der Präventionsarbeit im Erzbistum Paderborn.

Beispielhaft nannte Stahl die Qualifizierung der Präventionsfachkräfte in der Fläche seit 2015. „Präventionsfachkräfte sind ein flächendeckender Schatz. Sie leisten eine unverzichtbare Arbeit.“ Wie lässt sich Prävention in den künftigen großen Seelsorgeräumen implementieren? Wie können angesichts der digitalen Mediennutzung neue medienpädagogische Präventionsstrategien entwickelt werden, schloss sich Stahl dem Blick seiner Nachfolgerin Vanessa Meier-Henrich auf künftige Herausforderungen an. Neben vielen anderen, mit denen er als Präventionsbeauftragter zusammengearbeitet habe, dankte Karl-Heinz Stahl vor allem betroffenen Menschen: „Ich habe durch die Begegnung mit ihnen viel gelernt und sie haben uns die Perspektiven gezeigt, um die es geht.“

Kabarettistische Kommentierung

Präventionsarbeit ist ein sensibles Thema – das aber bei einem Jubiläum auch eine ernsthaft-kabarettistische Kommentierung verdient hat: Hettwich vom Himmelsberg war dazu ins Deelenhaus gekommen. Im wahren Leben ist sie als Anja Geuecke selbst Referentin bei Präventionsschulungen. Ihr Alter Ego Hettwich machte sehr deutlich, dass man Tätern das Täter-Sein nicht ansehen könne. Und auch bei ihr fehlte ein Blick auf die Risiken der digitalen Welt nicht. Weniger Lacher als sonst, aber sehr viel Nachdenklichkeit schien die Kabarettistin dafür zu ernten – dem Thema Prävention angemessen.

Für die musikalische Gestaltung des Festakts sorgten Leo Decking an der Flöte und Florian Albert am Klavier.

Ein Beitrag von:
Redakteurin Team Presse

Maria Aßhauer

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