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© Dirk Rose / Manifesta 16 Ruhr
© Dirk Rose / Manifesta 16 Ruhr

Start der Manifesta 16 Ruhr: Kirche bleibt nahe, wenn sie im Quartier präsent ist

Weihbischof Josef Holtkotte: Zukunft kirchlicher Räume entscheidet sich im Lebensumfeld der Menschen

Mit der offiziellen Eröffnung der Manifesta 16 Ruhr auf der UNESCO-Welterbestätte Zeche Zollverein startet am 20. Juni 2026 eines der bedeutendsten europäischen Kulturereignisse. Die europäische Wanderbiennale für zeitgenössische Kunst beschäftigt sich mit Fragen gesellschaftlicher Transformation, Stadtentwicklung und der Zukunft gemeinschaftlich genutzter Orte. Dazu gehört auch die Frage, welche Rolle Kirchengebäude und kirchliche Räume künftig für das gesellschaftliche Leben spielen können.

Zur Eröffnung der Manifesta 16 Ruhr betont Weihbischof Josef Holtkotte, Bischofsvikar für gesellschaftliche Fragen im Erzbistum Paderborn, die Bedeutung einer Kirche, die im Lebensumfeld der Menschen präsent ist und Verantwortung für das Zusammenleben vor Ort mitträgt.

„Kirche ist dort lebendig, wo Menschen miteinander in Beziehung treten“, bekräftigt Weihbischof Holtkotte. „Wenn wir über die Zukunft kirchlicher Räume sprechen, sprechen wir immer auch über die Lebensräume der Menschen. Kirche steht nicht neben dem gesellschaftlichen Leben, sondern mitten darin.“

Aus der Sicht des im Erzbistum Paderborn engagierten Weihbischofs eröffnet die Manifesta wichtige Perspektiven auf die Frage, wie Orte des Zusammenkommens auch künftig das Miteinander in Dörfern, Städten und Quartieren stärken können. Kirche verstehe sich dabei nicht als Gegenüber der Gesellschaft, vielmehr als Teil der Lebenswirklichkeit der Menschen vor Ort.

Kirchliche Räume leben von Begegnung und Beziehung

„Entscheidend ist nicht allein, wie Gebäude genutzt werden“, betont Weihbischof Holtkotte. „Entscheidend ist, ob Gebäude und Räume Menschen miteinander verbinden und einen Beitrag zu einem guten Zusammenleben leisten können. Kirchliche Räume entfalten ihre besondere Bedeutung dort, wo sie offen sind für die Menschen und ihre Lebenswirklichkeit.“

Dabei gehe es nicht allein um Gebäude oder einzelne Projekte, sondern um eine grundsätzliche Haltung. Kirche nehme die Fragen, Hoffnungen und Herausforderungen der Menschen wahr und suche gemeinsam mit ihnen nach Wegen, Verantwortung für das Zusammenleben vor Ort zu übernehmen.

St. Martin Dortmund-Gartenstadt als Beispiel für Quartiersentwicklung

Ein Beispiel für einen solchen Ansatz sieht der Weihbischof des Erzbistums Paderborn in der Kirchengemeinde St. Martin in Dortmund-Gartenstadt, die sich im Rahmen des Begleitprogramms Manifesta 16 + an den Diskussionen über die Zukunft gemeinschaftlicher Orte beteiligt. Mit dem Projekt „Nebenan – Quartiersgeschichten – auf dem Weg zur Ehrenamtskirche“ verbindet die Kirchengemeinde die Geschichte des Stadtteils mit der Frage, welche Rolle kirchliche Räume künftig für das Leben im Quartier spielen können.

Zugleich wird gemeinsam mit zahlreichen Partnerinnen und Partnern die Idee einer „Piazetta“ als offenem Begegnungsort im Umfeld der Kirche weiterentwickelt. Aus einem Kirchenvorplatz soll so schrittweise ein Ort entstehen, an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen, Gemeinschaft erfahren und neue Beziehungen knüpfen können.

Die „Piazetta“ als Ort des Miteinanders

„Die Piazetta ist kein allgemeingültiges Modell“, erläutert Weihbischof Holtkotte. „Sie zeigt vielmehr, wie kirchliche Räume aus den jeweiligen Gegebenheiten eines Ortes heraus weiterentwickelt werden können. Entscheidend ist die Bereitschaft, den Menschen zuzuhören und gemeinsam mit anderen Verantwortung für das Quartier zu übernehmen.“

Besonders wichtig seien dabei Kooperationen und Netzwerke. Viele tragfähige Entwicklungen entstünden dort, wo unterschiedliche Akteure ihre Erfahrungen, Kompetenzen und Ideen zusammenbringen.

„Kirche bleibt nahe, wenn sie Teil solcher Prozesse ist“, so der Weihbischof. „Kirche bleibt nahe, wenn sie ihre Räume öffnet, Begegnungen ermöglicht und sich als Partnerin für das Zusammenleben vor Ort versteht.“

Zukunft kirchlicher Räume entscheidet sich im Quartier

Für Weihbischof Holtkotte macht die Manifesta 16 Ruhr sichtbar, dass die Zukunft kirchlicher Räume nicht allein durch Nutzungskonzepte entschieden wird. „Die Zukunft kirchlicher Räume entscheidet sich nicht allein an Gebäuden oder Nutzungskonzepten“, fasst Weihbischof Holtkotte zusammen. „Sie entscheidet sich daran, ob Menschen dort miteinander in Beziehung kommen. Kirche bleibt Beziehung. Wo Beziehung wächst, entstehen Orte, die dem Leben dienen.“

Hintergrund

Die Manifesta ist die europäische Wanderbiennale für zeitgenössische Kunst und findet 2026 erstmals im Ruhrgebiet statt. Mit dem Begleitprogramm Manifesta 16 + beteiligen sich kirchliche und gesellschaftliche Partner an den Diskussionen über die Zukunft von Kirchengebäuden, Quartieren und gemeinschaftlich genutzten Räumen.

Die Kirchengemeinde St. Martin in Dortmund-Gartenstadt bringt sich mit dem Projekt „Nebenan – Quartiersgeschichten – auf dem Weg zur Ehrenamtskirche“ in diesen Prozess ein. Im Mittelpunkt steht die Ausstellung „Ein Nachkriegsquartier und seine Kirche“, die die Geschichte der Gartenstadt mit Fragen nach der zukünftigen Rolle kirchlicher Räume verbindet. Begleitet wird das Projekt von kulturellen, gesellschaftlichen und kirchlichen Veranstaltungen, die Begegnung und Austausch im Quartier fördern. Die Vernissage der Ausstellung findet am 21. Juni 2026 in St. Martin Dortmund-Gartenstadt statt.

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