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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Fünf Glocken für „neue“ Selige und Heilige

Die letzten Kriegsschäden am Mindener Dom St. Gorgonius und St. Petrus Apostel wurden erst im Jahr 2011 behoben

Angenommen, es gäbe einen Fotoapparat, mit dem sich in jeder Stadt nur ein einziges Bild machen ließe – die Konzentration aufs Wesentliche. „Aus Minden würden die Menschen ein Bild vom Dom mitbringen“, ist sich Propst Roland Falkenhahn sicher. „Es würde den Westriegel zeigen, mit seinen wuchtigen Mauern aus der Zeit der Romanik auch optisch eine Wucht.“

Solche Kameras gibt es aber nur im Gedankenexperiment. In der Realität hat Fotograf Besim Mazhiqi vom Mindener Dom eine Bildserie mitgebracht. Für den Kalender ausgewählt wurde ein Bild von der Rückseite des Doms. Der Aufnahme kann Propst Roland Falkenhahn vieles abgewinnen. Optisch nicht ganz so spektakulär wie das romanische Westwerk, zeigt sie doch einige Besonderheiten des Mindener Doms – sowohl in Bezug auf das Glaubensleben wie auch auf seine Baugeschichte.

Da ist zum Beispiel der Anbau neben dem gotischen Polygonchor, etwas verdeckt von dem blühenden Baum. Der zweigeschossige Erweiterungsbau des Doms ist der Treffpunkt von Gläubigen, die ihre Spiritualität auf besonders intensive Weise erfahren möchten. Eine Gruppe, die sich täglich zum Gebet trifft, nutzt das ebenerdige Geschoss als Anbetungskapelle. Darüber befindet sich ein ebenfalls häufig besuchter Meditationsraum.

Baugeschichtlich und bautechnisch interessant wird es in der Bildmitte, bei dem hoch aufragenden Vierungsturm. Fertiggestellt wurde er erst im Jahr 2011. „Damit waren die letzten Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg behoben“, berichtet Propst Roland Falkenhahn. Entstanden waren die Schäden am 28. März 1945 bei einem Bombenangriff der Alliierten, bei dem mindestens 180 Menschen ums Leben kamen und der Dom bis auf die Außenmauern zerstört wurde. Beim Wiederaufbau wurde aus Kostengründen auf die Wiederherstellung des Vierungsturms verzichtet.

Ein Turm, fünf Glocken, große Namen

Der neue Turm ist eine technische Meisterleistung. So schlank sich der Aufbau präsentiert, so gewaltig sind die Windlasten, denen er ausgesetzt ist. Ebenfalls eine Herausforderung für die Statik sind die fünf frei schwingenden Glocken, die nach historischem Vorbild im neuen Vierungsturm untergebracht wurden. Eine mit Fachleuten aus Braunschweig, Hamburg und Celle besetzte „Arbeitsgemeinschaft Historische Bauten“ fand die Lösung: Nur eines von vier Elementen des Tragwerks ist mit den Vierungspfeilern fest verbunden. Die anderen drei dienen als Brückenlager dem Schwingungsausgleich.

Einer neuen Glocke ihren Namen zu geben, ist ein seltener Moment in einem Priesterleben. Durch den Wiederaufbau des Vierungsturms kam Propst Falkenhahn zu der besonderen Ehre, diese Aufgabe für ein komplettes Geläut begleiten zu dürfen. Die fünf Zimbel-Glocken tragen die Namen vergleichsweise „junger“ Seliger und Heiliger: Rupert Mayer SJ (Jesuitenpater und Mitglied im katholischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus), Maria Faustyna Kowalska (polnische Ordensschwester und Mystikerin), Nikolaus Groß (Führungsmitglied in der Katholischen Arbeiternehmerbewegung, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und NS-Opfer), Adolph Kolping (katholischer Priester und Begründer des Kolpingwerks) und Edith Stein (Philosophin, katholische Ordensfrau jüdischer Herkunft und Märtyrerin im Nationalsozialismus).

Propst Roland Falkenhahn hat zu allen fünf Seligen und Heiligen ein inniges Verhältnis. So war er als junger Mann 1987 bei der Seligsprechung von Pater Rupert Mayer SJ im Münchner Olympiastadion anwesend. Außerdem hat er berufsbegleitend an der Kolping-Akademie Betriebswirtschaftslehre studiert, als er auf seiner ersten Pfarrstelle gleichzeitig Leiter eines Krankenhauses wurde. Aber das ist eine andere Geschichte, die er beim nächsten Treffen bestimmt gern erzählt.

Mindener Dom St. Gorgonius und St. Petrus Apostel in Minden

Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem Ort.

Das Kalenderbild

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