Angenommen, es gäbe einen Fotoapparat, mit dem sich in jeder Stadt nur ein einziges Bild machen ließe – die Konzentration aufs Wesentliche. „Aus Minden würden die Menschen ein Bild vom Dom mitbringen“, ist sich Propst Roland Falkenhahn sicher. „Es würde den Westriegel zeigen, mit seinen wuchtigen Mauern aus der Zeit der Romanik auch optisch eine Wucht.“
Solche Kameras gibt es aber nur im Gedankenexperiment. In der Realität hat Fotograf Besim Mazhiqi vom Mindener Dom eine Bildserie mitgebracht. Für den Kalender ausgewählt wurde ein Bild von der Rückseite des Doms. Der Aufnahme kann Propst Roland Falkenhahn vieles abgewinnen. Optisch nicht ganz so spektakulär wie das romanische Westwerk, zeigt sie doch einige Besonderheiten des Mindener Doms – sowohl in Bezug auf das Glaubensleben wie auch auf seine Baugeschichte.
Da ist zum Beispiel der Anbau neben dem gotischen Polygonchor, etwas verdeckt von dem blühenden Baum. Der zweigeschossige Erweiterungsbau des Doms ist der Treffpunkt von Gläubigen, die ihre Spiritualität auf besonders intensive Weise erfahren möchten. Eine Gruppe, die sich täglich zum Gebet trifft, nutzt das ebenerdige Geschoss als Anbetungskapelle. Darüber befindet sich ein ebenfalls häufig besuchter Meditationsraum.
Baugeschichtlich und bautechnisch interessant wird es in der Bildmitte, bei dem hoch aufragenden Vierungsturm. Fertiggestellt wurde er erst im Jahr 2011. „Damit waren die letzten Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg behoben“, berichtet Propst Roland Falkenhahn. Entstanden waren die Schäden am 28. März 1945 bei einem Bombenangriff der Alliierten, bei dem mindestens 180 Menschen ums Leben kamen und der Dom bis auf die Außenmauern zerstört wurde. Beim Wiederaufbau wurde aus Kostengründen auf die Wiederherstellung des Vierungsturms verzichtet.