Für dieses Kalenderblatt hat sich Norbert Cruse akribisch vorbereitet und ein dickes Materialpaket zusammengestellt. Neben einem gedruckten Kirchenführer enthält es Farbkopien von Zeitungsausschnitten, die bis in die frühen 1990er-Jahre zurückreichen. Dazu kommt eine Kopie des „Propstei-Boten“ vom 6. September 1959 mit einem Bericht über die seinerzeit aktuelle Generalsanierung und darüber, wie die meterdicken Pfeilervorlagen der Barockkirche aufgestemmt und mit zehn Meter hohen Stahlbetoneinlagen stabilisiert wurden.
Aber eigentlich hat Norbert Cruse diese Gedächtnisstütze gar nicht nötig. Die Propsteikirche St. Pankratius ist seine Glaubensheimat, mit der er seit seiner Zeit als Messdiener verbunden ist. Die Kirchengeschichte kennt der frühere Kirchenvorstand aus dem Effeff – und die besagte Sanierung in den späten 1950er-Jahren hat er selbst als Jugendlicher miterlebt.
Trotz seines historischen Interesses ist Norbert Cruse keinesfalls rückwärtsgewandt, wird sein Blick in die Vergangenheit nicht von Sentimentalitäten getrübt. „Ich habe die Propsteikirche vor der Sanierung als düsteren Ort erlebt“, sagt er energisch. „Erst danach und mit der späteren Umgestaltung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde sie für mich hell und einladend.“ Ebenfalls kritisch blickt Cruse auf das strenge Regiment zurück, das während seiner Zeit als Messdiener herrschte: „Wer die lateinischen Gebete nicht binnen kürzester Zeit auswendig konnte, wurde knallhart aussortiert. Zum Glück ist das heute komplett anders.“