Die Begleitung des vergoldeten Libori-Schreins durch einen Pfauenschweif anlässlich des Patronatsfests des Erzbistums Paderborn ist erstmals für das Jahr 1483 belegt – die Tradition reicht jedoch wahrscheinlich bis zur Überführung der Libori-Reliquien in das Jahr 836 zurück. Ursprünglich weit verbreitet, ist der Hohe Dom zu Paderborn heute die einzige Kirche des Abendlandes, in der das Tragen eines liturgischen Fächers zum Einsatz kommt. Domvikar Hans Jürgen Rade ist von der Singularität und dem Alter der Tradition fasziniert, die bis heute Fragen aufwerfen. Diesen möchte er im Rahmen einer Veröffentlichung über den Libori-Schrein nachgehen.
Die Idee hatte Hans Jürgen Rade, Domvikar und Leiter des Erzbischöflichen Offizialats, vor drei Jahren. „Jahr für Jahr stehen der Libori-Schrein und der Pfauenschweif im Blickpunkt des Interesses. Und trotzdem gibt es keine Literatur über den Libori-Schrein, der Teil einer Tradition ist, die sich in unserem Erzbistum über ein ganzes Jahrtausend gehalten hat, während sie anderswo verschwunden ist“, berichtet der Domvikar über seine Motivation, sich der Forschung über den Pfauenfächer zu widmen. In dem entstehenden Werk thematisiert Rade eine fortführende Analyse und Deutung des Reliquienschreins sowie die Geschichte des Libori-Fächers.
Der Pfauenschweif in Paderborn
Erstmals bezeugen Statute der städtischen Verwaltung aus dem Jahre 1483 den Einsatz eines Pfauenschweifträgers während einer Prozession in Paderborn. Die erste bildliche Darstellung des Pfauenschweifs, der dem Libori-Schrein vorausgetragen wird, ist an der Ostseite der Libori-Kapelle zu finden. Der Paderborner Bildhauer Johann Philipp Pütt fertigte den Bildstock im Jahre 1741 an. „Vermutlich lernte aber schon die Delegation, die 836 für die Überführung der Libori-Reliquien von Le Mans nach Paderborn verantwortlich war, den Brauch des Pfauenwedels kennen“, erläutert Hans Jürgen Rade. „Obwohl die Nutzung liturgischer Fächer in Le Mans erst seit dem frühen zwölften Jahrhundert nachgewiesen ist, ist auch dieser Brauch schon Jahrhunderte älter.“