Höxter. Wenn wir immer über das sprechen, was es nicht mehr gibt in unserer Kirche, dann dürfen wir uns nicht wundern, dass kaum jemand mitmachen will. Weil jegliche Einladung so klingt, als sage man: „Komm doch mit auf unser untergehendes Schiff.“ Das (Kirchen-)Schiff sinkt aber nicht, ist Domvikar Markus Stadermann, Offizial des Erzbischofs von Paderborn, zutiefst überzeugt. Deshalb rief er in seiner Festpredigt anlässlich der Vitusfeierlichkeiten im Welterbe Corvey mit Verve zum Aufbruch auf.
Das Fest zu Ehren des Schutzpatrons des Corveyer Landes geht auf eine 1190-jährige Tradition zurück. Diese sei kostbar und strahle bis heute über das Welterbe am Weserbogen hinaus, rief der Ehrengast aus der Domstadt den Menschen zu. Versammelt hatten sie sich wegen Regens nicht im Schlosspark, sondern in der ehemaligen Abteikirche. Zur großen Prozession konnte Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek am Ende des Festhochamts dann aber doch kurzentschlossen einladen. Denn die dunklen Wolken hatten inzwischen der Sonne Platz gemacht. Sie verlieh dem Gang zum Dreizehnlindenkreuz und zurück zur Kirche ein glanzvolles Gepräge – primär natürlich ausgehend vom Vitus-Schrein mit den Reliquien des jugendlichen Märtyrers und dem Allerheiligsten in einer vom Festprediger und Hauptzelebranten unter einem Himmel getragenen Monstranz.
Die eucharistische Prozession knüpft an ein Ereignis an, das Corveys Ruhm als Wallfahrtsort und Wirtschaftszentrum begründete: die Übertragung der Reliquien des jugendlichen Märtyrers Vitus vom Kloster St. Denis bei Paris in die junge Weserabtei Corvey im Jahr 836. Diese von einem Augenzeugen überlieferte triumphale „Translatio Sancti Viti Martyris“ ordnete Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek zu Beginn der liturgischen Feierlichkeiten als Eckpfeiler der Gründungsgeschichte Corveys ein.