logocontainer-upper
logocontainer-lower
© Sonja Funke/Erzbistum Paderborn
© Sonja Funke/Erzbistum Paderborn

St. Martin spielen eine Herzenssache

"Durch die Straßen auf und nieder" machen sich rund um den Gedenktag des Heiligen Sankt Martin hunderte Martinszüge im Erzbistum Paderborn auf den Weg. Denn: Teilen ist zutiefst menschlich! Denkt auch Joshua Scharrer von der Reitschule Berger in Berlar. Er reitet in Bestwig mit - als Sankt Martin.

Seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten sind Mitarbeitende, Schülerinnen und Schüler sowie Familienmitglieder der Reitschule mit dabei.

Als St. Martin reiten sie im Zug mit, bei der Montekita am Bergkloster in Bestwig, deren Umzug schon stattfand, sowie im Ortsteil Ramsbeck. Mit Blick auf mehr als 100 Islandpferde, die im Gestüt im beschaulichen, kleinen Dorf Berlar zu Hause sind, ist nichts logischer als das.

An die Legenden rund um den heiligen Martin von Tours rein pragmatisch ranzugehen, würde der Sache nicht gerecht. Denn den St. Martins-Tag jährlich zu erleben und den Heiligen  darzustellen, das macht etwas – mit allen! „Ich finde, es ist einfach ein toller Brauch, weil Werte vermittelt werden. Es nehmen immer auch Kinder verschiedenen Glaubens teil und sie erleben diese Geschichte als Schauspiel hautnah mit“, sagt Angela Hütter, Besitzerin und Leiterin des Islandpferdezentrums Sauerland. In diesem Jahr ist es Joshua Scharrer, nebenbei auch Verlobter ihrer Tochter Lotti und damit ihr zukünftiger Schwiegersohn , der den Martin spielt. „Ich frag ihn mal, ob er dazu etwas erzählen möchte“, sagt sie am Telefon. Wenig später zeigt ein Rückruf: Ja, möchte er. Ein Glück!

Wie sind die Kinder sind beim Martinszug? „Anders!“

Der 25-Jährige arbeitet von Berlar aus selbstständig als Softwareentwickler. Gerade aus dieser Position heraus freut es ihn, viele Kinder vom Martinsross aus zu erleben. Wie sind sie denn so? „Anders!“ Er erklärt: „Ich bin ja auch schon mit viel Technik groß geworden und habe sie sogar zu meinem Beruf gemacht. Umso schöner finde ich es, zu sehen, dass die Kinder heute immer noch rausgehen, um zuzugucken. Viele wollen auch mal zum Pferd und es streicheln. Vorsichtig gehen sie ran und das Pferd reagiert sofort. Es verfälscht die Kommunikation nicht, seine Reaktion ist echt!“ Die Kinder sind live dabei, schauen nicht ein schnelles Filmchen, das findet er ganz entscheidend.

Wenn die Kinder sich für den Zug sammeln, wartet Joshua Scharrer schon irgendwo versteckt im Dunkeln. Kurz vorm Einbruch der Dunkelheit schnappt er sich Mantel und Helm, „die haben wir da“, und verlädt Fönix in den Pferdeanhänger. Schon seit mehreren Jahren spielt der Wallach, der in Island geboren ist, wo es keinen Martinszug gibt, sehr souverän das Martinspferd. Sein entspanntes Gemüt prädestiniert  ihn dafür. Ob es für Fönix frá Hemlu, so sein voller Name, auch etwas Besonderes ist, mitzutraben? „Ich glaube, er bleibt da einfach gechillt und ist letztlich wieder froh, hinterher zurück bei den Kumpels auf der Weide zu sein. Isländer sind ja Herdentiere“, sagt Joshua. An der Kirche angekommen, hat Fönix einfach nur auf seinen Reiter zu warten. Denn der muss noch den Martinshelm über den Reiterhelm setzen und das rote Gewand über die dicke Jacke ziehen. Damit aufzusteigen ist nicht ohne. Angela Hütter, die zukünftige Schwiegermutter, hilft.

Und dann? Kommen die Kinder aus der Kirche. „Schön, da ist ja St. Martin!“ Das hat Joshua sie schon öfter rufen gehört. Darum ist dieser Ritt nicht wie jeder andere, irgendwie noch schöner. „Weil man den Kindern was geben kann. Ich komme aus Hessen und habe selbst beim Martinsspiel mitgemacht. Es war bei uns noch lebendiger gespielt, mit mehr Text. Das fand ich immer besonders schön.“ Der junge Mann erinnert sich an weitere  besondere Situationen rund um kirchliche Gedenktage, insbesondere anden Dreikönigstag.  Und an die Jugend-Theatergruppe. „Das mit dem Martinsspiel hat sich bei uns irgendwann auch aufgelöst, was schade ist, weil man gespielt alles noch mal ganz anders erlebt als in Erzählungen.“

Aktion bis 6. Dezember:
Glücklich teilen – wie St. Martin

Sankt Martin hat mit seiner Mantelteilung gezeigt: Teilen macht glücklich – jene, die empfangen, und jene, die geben. Mit unserer Aktion „GlücklichT sein“ laden wir dazu ein, dieses Martinslicht weiterzutragen: kleine Gesten, die Herzen erwärmen und Hoffnung schenken. Entdecken Sie die Aktion „GlücklichT sein“  auf unserem Portal „1000 Gute Gründe – noch ein Grund mehr“.

Wie Glaubenserlebnisse in der Kindheit ein Leben lang prägen

Das alles zu erleben, hat auch seinen Glauben geprägt: „Ich finde die Geschichte vom St. Martin schön wegen der Nächstenliebe, die gezeigt wird. Daran kann man sich auf jeden Fall ein Beispiel nehmen! Ich hoffe, dass das eine oder andere Kind es auch behält.“ So wie er. Lange Zeit machte er sich wenig Gedanken über Gott, sagt er. „Der Glaube war auch mal weg. Aber jetzt ist er wieder da. Glaube fängt bei einem selbst an, in der Denkweise.“  In den letzten Jahren habe es bei ihm irgendwann Klick gemacht.

 

Vieles im Leben kann man auch selbst lenken, aber ich glaube, dass es einen Grund hat, warum mir manches im Leben passiert ist und noch passiert. Erlebnisse, die uns zu den Menschen werden lassen, die wir sind. Dann denke ich an Gott. So definiere ich ein bisschen meinen Glauben, aber ich habe ihn noch nicht fertig definiert.“

Joshua Scharren

 

Und die Kinder heute? „Ich glaube schon, dass sie ein bestimmtes Gefühl haben, wenn sie mitgehen. Auch wenn lange nicht alle singen oder nur den Mund bewegen. Ich sehe es an den Augen. Sie sind – wie schon gesagt – anders! Ganz anders, als wenn sie aufs Handy schauen. Ich sehe Begeisterung. Mich würde wirklich interessieren, was sie so denken!“ Als Softwareentwickler weiß keiner besser als er, wie verführerisch es ist, einfach vorm Handy oder Bildschirm hängen zu bleiben. „Da wird die Geschichte von St. Martin sicher auch erklärt. Aber im Spiel kann man sich ja viel leichter in die Situation hineinversetzen. Als Kind hatte ich einen viel einfacheren Zugang zu Gott. Weihnachten in der Kirche zu erleben, war einfach was Schönes. Und daraus entsteht ja mehr, weil ganz anders Werte vermittelt werden, bis hin zum Thema soziale Gerechtigkeit bei Sankt Martin. Ich erinnere mich, dass wir mal mit einem gläubigen Landwirt aus dem Dorf bei einem Gospelkonzert waren. Ich habe noch nie und nie wieder die Menschen die Musik so fühlen gesehen. Noch auf keinem anderen Konzert. Es war mir persönlich vielleicht fast schon zu viel. Aber es war eindrucksvoll, zu erleben, dass Menschen so eine leidenschaftliche Hingabe haben. Das finde ich toll!“

Und so ist es für ihn einfach eine „coole Sache“, dass die St.-Martins-Geschichte gespielt wird. „Ich hoffe, dass es das noch lange gibt!“ Und er bekommt Unterstützung von den Kleinsten: „Ich liebe Sankt Martin!“, ruft eines der Kinder aus voller Inbrunst, als alle nach dem Zug noch alle mit ihren Brezeln in der Hand draußen stehen. „Aber was genau liebst Du daran?“ „Das Singen, den Martin, das Pferde, einfach alles – und die Brezel zum Schluss!“

Mehr zu St. Martin

Wir haben ein neues Ausmalbild! Pfau und Hase spielen die St.-Martin-Geschichte nach.

Und wie ging es noch mal weiter im Text bei „Martin, Martin…“?
Liedtexte, sowie alles zur Geschichte und zum Brauchtum rund um St. Martin, Bastelanleitungen und vieles mehr, gibt es hier:

https://www.erzbistum-paderborn.de/themen-angebote/themenspecials/themenspecials-zum-kirchenjahr/sankt-martin/

Ein Beitrag von:
Sonja Funke
Redakteurin

Sonja Funke

Weitere Einträge

© cpd

Unser Glaube Licht und Liebe sein: Was Pauline in Minden begann, setzt die Wärmestube fort

Die Wärmestube St. Nikolai in Minden ist Hoffnungsort des Erzbistums Paderborn für den Dezember des Heiligen Jahres 2025 – ein Ort, an dem das segensreiche Wirken der Schwestern der Christlichen Liebe und nicht zuletzt ihrer Gründerin Pauline von Mallinckrodt noch spürbar ist.
© Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn

Unser Glaube Pauline lebt mit Epilepsie

Mit 15 hat Pauline ihren ersten Krampfanfall. Wie beeinflusst die Krankheit ihren Alltag und Glauben?
© Daniela Reineke / Pastoraler Raum Büren.

Unser Glaube So viele Tüten voller Hoffnung: Aktion GLÜCKLICH/T verbindet Menschen

Hagen, Büren, überall... die Mitmach-Aktion „GLÜCKLICH/T SEIN!“ bewegt die Menschen im Erzbistum Paderborn: Sie teilen, schenken Nähe – und bringen Licht zu denen, die es besonders brauchen.
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0