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© Maria Aßhauer / Erzbistum Paderborn
© Maria Aßhauer / Erzbistum Paderborn

Per Pedale durch eine junge und besondere Geschichte

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz zu Gast bei Promi-Sommerradtour der Stadtführer Espelkamp / Pontifikalamt in St. Marien-Kirche

In Espelkamp planen die Stadtführer jährlich eine Sommer-Promiradtour und die katholische Kirche St. Marien feiert ihr 70-jähriges Bestehen – ein doppelter Anlass, um den Paderborner Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz in eine Stadt mit außergewöhnlicher Entstehungsgeschichte an der nördlichen Peripherie des Erzbistums Paderborn einzuladen. Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz radelte am Samstagnachmittag, 30. August 2025, mit rund 40 weiteren Teilnehmenden zu verschiedenen Stationen, die für Entstehung, Aufbau und Entwicklung Espelkamps wichtig waren und sind. Begegnung und Gottesdienst in der katholischen Kirchengemeinde St. Marien rundeten den Nachmittag ab.

Ausgangspunkt der Tour war der Rathaussaal in Espelkamp: Hier begrüßten Bürgermeister Dr. Henning Vieker und die Stadtführer den Ehrengast aus Paderborn. Durch seinen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt schuf Erzbischof Dr. Bentz eine offizielle und bleibende Erinnerung an seinen Besuch in Espelkamp.

Von Lagerhallen zur Aufbaugemeinschaft

Auf den offiziellen Teil mit einer ersten Einführung folgte der sportliche Part: Auf knapp 10 Kilometern ging es über mehrere Stationen für Erzbischof Dr. Bentz und das weitere Teilnehmerfeld, unter anderem auch für Bürgermeister Dr. Vieker, den katholischen Pfarrer Karl-Heinz Graute und den evangelischen Pfarrer Friedrich Stork, durch Espelkamp. Erste Station war der Tannenbergplatz, wo einst ein Barackenlager stand – eigentlich errichtet für Arbeiter der früheren Heeresmunitionsanstalt Muna, während des Krieges aber unter anderem als Kriegsgefangenenlager genutzt. Seit Juni 1945 war es Unterkunft für Flüchtlinge und Vertriebene aus ehemals von Deutschen besiedelten Ostgebieten.

„Schon früh entstand der Wunsch, Gottesdienste vor Ort zu feiern. So wurde ein Raum einer Baracke notdürftig als Kirchraum hergerichtet und sowohl von evangelischen als auch katholischen Gläubigen genutzt. An den Wochentagen diente der Raum für Schulunterricht“, erklärte Stadtführer Gerhard Kleinehollenhorst, der auch Mitglied im Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat der katholischen St. Marien-Gemeinde ist. Über die Ostlandstraße, dem modernsten Viertel Espelkamps, ging es weiter zum Boraspark, benannt nach der Wirkungsstätte von Pfarrer Birger Forell, und dem zur Kirche umgestalteten Speise- und Feiersaal der Muna.

Am Kunstwerk „Traum vom besseren Leben“, geschaffen vom Künstler Rainer Ern und erstellt aus dem Bad der ersten Mieterin der 1949 neu errichteten Wohnung der Aufbaugemeinschaft, war ein weiterer Halt. Die Aufbaugemeinschaft wurde als zuständige Instanz für den Gesamtaufbau Espelkamps am 4. Oktober 1949 mit einem Gesellschaftsvertrag zwischen der Evangelischen Kirche und dem Land NRW ins Leben gerufen – das Datum gilt als Geburtsstunde der Stadt Espelkamp. Kurz vor dem Ende der Tour am katholischen Gemeindehaus stand noch ein Besuch an der benachbarten evangelischen Thomaskirche an.

© Maria Aßhauer / Erzbistum Paderborn

Begegnung und Gottesdienst zum Abschluss

Die Promi-Sommerradtour endete bei gedeckter Kaffeetafel, bevor in der Kirche St. Marien ein Pontifikalamt zum siebzigjährigen Bestehen der Kirche und zu Ehren der Patronin Maria gefeiert wurde. „Unsere Kirche lädt auch nach über 70 Jahren alle Menschen ein, die Gottes Nähe suchen“, sagte Pfarrer Karl-Heinz Graute in seiner Begrüßung. „Gott hat viel investiert hier in Espelkamp, aber immer haben Menschen daran mitgewirkt.“

Glaube sei immer dort lebendig, wo er sich mitteile, stimmte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz in seiner Predigt zu. Die Diaspora, wie sie das kirchliche Leben in Espelkamp präge, mache „den Glauben ehrlicher und persönlicher“, so der Paderborner Erzbischof: „Wir dürfen uns nicht mit uns selbst zufriedengeben. Wer an das Reich Gottes glaubt, der ist der Überzeugung: Dieser Glaube hilft, gut zu leben. Dieser Glaube gibt dem Leben Tiefgang und Sinn. Dieser Glaube schafft Gemeinschaft“. In einer Gesellschaft, in der viele den Glauben nicht mehr kennen, werde die Kirche nicht einfach überflüssig, zeigte sich der Paderborner Erzbischof überzeugt: „In einer bunten Gesellschaft kann unser Zeugnis umso strahlender sein. Ihre Patronin – Maria – ist dafür eine gute Fürsprecherin. Was sie mit Gott erlebt und wie Gott ihr Leben verändert hat, das behält sie nicht für sich.“

Diaspora macht Glauben persönlicher

Die Kirche dürfe sich nicht über statistische Zahlen definieren, sondern über ihre missionarische Lebendigkeit. „Wo Menschen beten und Gott in der Liturgie feiern, wo Menschen gemeinsam und miteinander und füreinander den Glauben bezeugen, Gemeinschaft gestalten und füreinander da sind im Dienst am Nächsten, im Vertrauen darauf, dass Gott uns trägt, da wird auch künftig Kirche leben. Haben Sie Mut, Formen zu suchen und auszuprobieren, wie das gehen kann“, lud Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz die Gläubigen in Espelkamp ein.

Der Paderborner Erzbischof durfte am Ende des Gottesdienstes ein besonderes Geschenk mit in die Bischofsstadt an der Pader nehmen: Eine Darstellung des Paderborner Doms, hergestellt aus gefärbtem Sand – sicher werde Erzbischof Dr. Bentz dafür einen Platz im Bischofshaus finden, sagte Pfarrer Karl-Heinz Graute zum Abschluss.

Espelkamp: außergewöhnlich Stadtgeschichte

Die Stadt entstand aus einer Heeresmunitionsanstalt, genannt Muna, des Zweiten Weltkriegs. Der Komplex sollte nach der Räumung durch die britische Besatzungsmacht vollständig dem Erdboden gleichgemacht werden. Dies konnte unter anderem durch den Einsatz des schwedischen Pfarrers Birger Forell verhindert werden. Die in die Muna integrierte Kampfstoffabfüllanlage und einiger Munitionsbunker wurden durch die britische Besatzung gesprengt. Ein Teil der erhaltenen Gebäude wurde bereits 1947 dem Evangelischen Hilfswerk für caritative Zwecke zur Verfügung gestellt. Ab dem 3. Oktober 1948 wurden auch die übrigen Gebäude zur Nutzung durch Flüchtlinge, Vertriebene, Gewerbe- und Industrieansiedlung freigegeben.

Ein Beitrag von:
Redakteurin Team Presse

Maria Aßhauer

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