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Paartherapeut: Wie der Heilige Valentin ein wenig Struktur in die Liebe bringen kann

„Freut Euch, dass Ihr hier gelandet seid! Der liebe Gott hat Euch hierhin geführt“, sagt Rudolf Sanders zu Paaren, wenn sie – meist geknickt - vor ihm sitzen. Warum ein christliches Fundament hilft und wieso der Valentinstag wichtig ist? Dies und mehr im Interview.

Unabhängig vom kirchlichen Gedenken an den Heiligen Valentin wird der 14. Februar fast weltweit als „Tag der Liebenden“ begangen. Auch viele katholische Kirchengemeinden stellen mit Andachten, Segnungen oder Aktionen am Valentinstag Liebe und Partnerschaft in den Fokus.

Für Dipl.-Päd. Dr. Rudolf Sanders hat der Valentinstag allein deshalb eine große Bedeutung, weil er den Fokus darauf legt, dass Menschen in Ehe und Partnerschaft gefordert sind, stetig an ihrer Beziehung zu arbeiten.

Der 75-jährige Ehe-, Familien- und Lebensberater, Paartherapeut und Buchautor, war 25 Jahre lang Leiter der EFL- Beratungsstelle in Hagen. Er ist Gründer und Motor der „Partnerschule“. Hier arbeitet er wissenschaftlich fundiert mit Ehepaaren in Ehekrisen. In einem Interview zum Valentinstag spricht er über Ursache von Ehekrisen und Möglichkeiten der Bewältigung.

Und dabei misst er auch dem christlichen Fundament eine nicht geringe Bedeutung zum Gelingen einer Partnerschaft bei. In seinem bereit 1998 erschienenen Buch „Zwei sind ihres Glückes Schmied – Ein Selbsthilfe-Programm für Paare“ zitiert er ganz am Anfang aus Kohelet 4, 9-12: „Zwei sind auf jeden Fall besser dran als einer allein. Wenn zwei zusammenarbeiten, bringen sie es eher zu etwas. Wenn zwei unterwegs sind und einer hinfällt, dann hilft der andere ihm wieder auf die Beine; (…).“

 

Redaktion

Herr Sanders, warum nennen Sie Ihre Paarberatung „Partnerschule“ bzw. muss man für eine zufriedene Partnerschaft etwas lernen?

 

Dr. Rudolf Sanders

Ich habe sie Partnerschule genannt, um den Betroffenen den Weg in die Beratung zu erleichtern. Denn vielen ist es peinlich, es nicht selbst zu schaffen. Mir sagte eine Frau: Wenn das nicht Partnerschule geheißen hätte, wäre ich da nie hingegangen.

Das Interessante ist, dass sich die Teilnehmer am Ende so wohl fühlten, dass sie im Jahre 2000 das „Netzwerk Partnerschule e.V.“ gegründet haben. Deren wichtigstes Ziel ist es, allen Familien eine Teilnahme an den Seminaren, die in Hardehausen stattfinden, unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten zu ermöglichen. Ferner wird von den Beiträgen und Spenden die Kinderbetreuung während der Gruppen übernommen.

Ja klar müssen die Partner lernen. Deshalb nenne ich es Schule. Man geht in die Hundeschule, in eine Tanzschule – warum denn nicht auch in eine Partnerschule? Die meisten, die Probleme in ihrer Partnerschaft haben, wissen nur nicht, wie es geht. Und als Erwachsenen-Bildner habe ich mir gesagt, das vermittle ich auf wissenschaftlichem Niveau.

Redaktion

Wo liegen aus Ihrer Sicht die Ursachen für Krisen?

Dr. Rudolf Sanders

Ich gehe immer davon aus, jeder hat zu jedem Zeitpunkt sein Bestes getan, auch wenn es nicht immer zielführend war. Paare, die zu uns kommen, wollen ja nichts anderes als ihre Ehe retten. Oft ist der Anlass, dass einer „fremdgegangen“ ist, dann sitzen beide vor mir. Soll ich mit einem schimpfen? Ich sage: „Quatsch. Was soll das? Freut euch doch, dass ihr hier gelandet seid. Der liebe Gott hat euch hierhin geführt.“ Mein Ziel ist es herauszufinden: Wo sind die Ursachen?

Bei 90 Prozent der Menschen, die eine Eheberatung aufsuchen, sind die Probleme in den frühen Erfahrungen aus Kindertagen zu suchen. Wenn ich bei meinen Gruppen von 12 Leuten eine bzw. einen oder zwei dabeihabe, die eine hinreichend gute Kindheit hatten, bin ich froh. Ich führe sie mit einer Imagination zurück in die Kindheit. Dann malen sie, ganz konkret oder abstrakt. Dadurch bekommen sie Zugang zu ihrem Geworden Sein. Vielfach sind ihre heutigen Probleme ausgelöst durch die Loyalitätskonflikte, in die sie durch Trennung und Scheidung der Eltern gebracht wurden. Oft meinten diese: Die Kinder schaffen das doch! Nein, die schaffen das nicht!

Die Scheidung gehört neben chronischen destruktiven Partnerschaftskonflikten zu einem der bedeutendsten Risikofaktoren für die Entwicklung psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen und stellt eine lebenslange Vulnerabilisierung dar. Wir müssen dringend was tun gegen den Trend zur Trennung und Scheidung!

Redaktion

Hilft das gemeinsame christliche Fundament?

Dr. Rudolf Sander

Es ist viel einfacher, mit Menschen zu arbeiten, die ein solches haben. Wenn ich weiß, ich bin nicht der Größte, Schönste, Beste, sondern da gibt es Gott und ich bin sein Geschöpf. Das macht bescheiden und demütig. Das ist auch zum Thema Treue ganz wichtig.

Ich frage: Was ist denn Untreue? „Fremdgehen“ sagt man mir. Dann frage ich: „Wenn du 20 Jahre neben deiner Frau oder Mann jeden Abend auf dem Sofa sitzt und Fernsehen guckst, aber eigentlich lieber an die frische Luft willst oder deine Freunde treffen, dann bist Du untreu. Denn Du bist dir selber untreu.“ Man kann nur seinem Partner treu sein, wenn man sich selbst auch treu ist. Also nicht auf dem Sofakissen sitzen bleiben.

Dann gibt es die Wir-Treue. Eine Ehe braucht als sichere Basis das Getragen-Sein in der Gemeinschaft der Gläubigen. Deshalb feiern wir eine Hochzeit mit vielen Gästen. Diese werden zu Zeugen, und sagen damit auch „Ja“ zu dem Paar. „Wir sich für Euch da, wenn ihr uns einmal braucht!“

Und dann gibt es noch die Treue von Gott zu uns.

„Zusammengefasst gibt es die Ich-Treue zu mir, die Du-Treue zum Partner, die Wir-Treue der Gemeinde und die Treue durch die Gotteskindschaft der Taufe.“
Redaktion

Welche Bedeutung messen Sie dem Sakrament der Ehe bei?

Dr. Rudolf Sanders

Es ist ein wichtiges, tragendes Sakrament. In dem Wort Sakrament steckt übersetzt Heilen und Heil. Viele, die zu mir in die Beratung kommen, sind verletzt. Und es passiert tatsächlich so, dass ganz viel Heilung passiert, Heilung von alten Verletzungen. Manche kommen mit der Idee, dass Verbundenheit und Freiheit einander widersprechen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall! Wir brauchen die Sicherheit der Exklusivität in der Verbundenheit, damit der Einzelne sich zu dem Menschen entwickeln kann, wie Gott ihn gemeint hat: der Heil erfährt als Fülle des Lebens.

Wenn ich das erklärt habe, fühlen sich die Paare zutiefst verstanden. Genau das wollen sie nämlich. Und ich erkläre auch sehr konkret, wie ich mit ihnen dieses Ziel erreichen kann und dass ich das seit 35 Jahren recht erfolgreich tue. So induziere ich bereits im ersten Gespräch Hoffnung auf Verbesserung. Und das ist das Wichtigste, um Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

Redaktion

Wie sieht bei der Beratung die Ausgangslage aus?

Dr. Rudolf Sanders

Wenn ich ein Paar vor mir habe, sage ich ihnen: Ich lass euch nicht allein und bin an eurer Seite. Ich habe zwei Berufe: erstens Dompteur und zweitens Hebamme. Das heißt, ich übernehme Führung. Mein Ziel ist es, dass beide die Kontrolle über ihre Konflikte gewinnen, damit sie Kraft haben, sich in der Verbundenheit zu entwickeln. Und dass sie Kraft haben, für ihre Kinder da zu sein. Dann bin ich Hebamme, um die Schätze, die in jedem von beiden stecken, zu heben. Denn die brauchen sie für sich und ihre Kinder.

Und ich mache schon am Anfang klar: Weder halte ich zu Dir noch zu Dir. Aber ich verbünde mich mit euren Kindern, denn die wollen, dass es Papa und Mama gut geht und sie zusammenbleiben. Dafür tue ich alles. Damit hole ich die Paare ins Boot, sich auf diesen Prozess einzulassen. Denn sie wollen alles dafür tun, dass es ihren Kindern gut geht und diese nicht unter ihren Problemen leiden.

Redaktion

Wie wichtig sind Rituale in der Partnerschaft?

Dr. Rudolf Sanders

Sehr wichtig! Wir brauchen Strukturen und der Valentinstag ist eine Erinnerung daran, dass die Liebe halten soll, bis dass der Tod uns scheidet. Und so etwas Wichtiges will gepflegt sein. Das ist mir ein wichtiges Ziel, den Paaren zu vermitteln. Seit kurzem gibt es die Partnerschule auch als Online-Programm. Es könnte zu einem Ritual werden: Alle 14 Tage nimmt man sich als Paar 90 Minuten Zeit und arbeitet die einzelnen Schritte durch. Ich selbst führe durch das Programm und biete auch einmal im Monat online eine Sprechstunde an. Und wenn man nicht weiterweiß, kann man mir gerne eine E-Mail schreiben. Ich antworte bestimmt!

Angesichts der großen Wartelisten an Beratungsstellen wäre das auch eine gute Möglichkeit für Paare in Not. Nach meiner Einschätzung wären dann manche Beratungen gar nicht mehr nötig. Andernfalls kann man es auch begleitend zu einer Paarberatung sehr gut nutzen.

Redaktion

Welche Kompetenzen sind in dem Prozess wichtig?

Dr. Rudolf Sanders

Natürlich ist die Kommunikation ganz wichtig. Das heißt, zu lernen, dass das, was ich sage, wirklich bei Dir ankommt. Und das geht erst, wenn wir an der Kindheitsgeschichte gearbeitet haben. Aber ich setze auch Element der Budo-Kampfkunst ein. Es geht darum: Ich stelle Dir alle meine Stärke zur Verfügung und tue alles, Dich nicht zu verletzen. Die Paare, die sich auf den Prozess einlassen, haben eine hohe Erfolgsrate.

Redaktion

Welche Rolle spielt die Liebe?

Dr. Rudolf Sanders

Wichtig ist, was der Apostel Paulus an die Korinther geschrieben hat: Das Größte ist die Liebe. Aber was ist Liebe? Wir haben die Osterzeit vor uns. Wir Christen haben das Glaubensbekenntnis. Christus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes und am dritten Tag auferstanden von den Toten. Das ist Liebe. Jesus am Kreuz. Für uns!

Was ist meine Aufgabe als Paarberater? Der Karsamstag! Im Reich des Todes an ihrer Seite zu sein, weil ich an die Auferstehung glaube!  So werde ich immer wieder Zeuge der Auferstehung. So wie es in dem Kirchenlied heißt: Manchmal feiern wir mitten am Tag ein Fest der Auferstehung: Sperren werden übersprungen und ein Geist ist da, Waffen werden umgeschmiedet und ein Friede ist da.

Redaktion

Und wenn es doch nicht klappt mit der Ehe?

Dr. Rudolf Sanders

Es geht für mich nicht anders, als dass ich ganz klar sage: Mir ist die Ehe heilig, ein Sakrament. Leider war für mich die Scheidung nach 36 Ehejahren die einzige Möglichkeit, Kontrolle über die Konflikte zu bekommen. Mir ist es zusammen mit meiner Frau nicht gelungen, die „Gespenster aus der Kinderstube“ zu bändigen. So ist die Motivation, Eheberater zu werden, sicherlich gespeist aus den Erfahrungen der eigenen Ehe und den Bemühungen, diese zu retten. Das Gute an diesen Erfahrungen ist, dass ich heute wirklich vielen Paaren helfen kann, ihre Zufriedenheit mit der Ehe und mit den Kindern in der Familie deutlich zu verbessern. Für diejenigen, die an einer ähnlichen Stelle stehen wie ich einmal, bin ich als Gutachter beim Erzbischöflichen Offizialat tätig. Damit ist das Verfahren zur Feststellung der Nichtigkeit einer Ehe für mich neben Ehevorbereitung, Begleitung und Beratung das vierte Standbein der Ehe- und Familienpastoral. Denn die Menschen, die diesen Weg suchen, wollen einfach Ordnung und Frieden in ihrem Leben bekommen.

Redaktion

Tut eine Segnung einer Partnerschaft gut?

Dr. Rudolf Sanders

Sich ganz bewusst unter den Segen Gottes zu stellen, ist immer gut und sollte unser Leben begleiten. Ich selbst kann gar nicht ohne den Segen Gottes, ohne das Wirken des Heiligen Geistes meine oft herausfordernde Arbeit mit Paaren tun. Bei meiner Verabschiedung in den Ruhestand 2016 habe ich dann gesagt: „Ich bin nur Werkzeug, das muss aber scharf geschliffen sein! Der Baumeister ist Gott.”

Weiterführende Informationen und Kontakte:

Online-Seminar

Buch

Partnerschule

Heiliger Valentin

  • Die Ursprünge des Valentinstags gehen auf den Heiligen Valentin zurück, auch wenn sein Gedenktag nach der Liturgiereform 1969 aus dem liturgischen Kalender verschwand.
  • Der Grund: Es gibt über Valentin kaum historische Daten. Stattdessen ranken sich mehrere Geschichten um ihn, wobei sich vermutlich mehrere Lebensgeschichten vermischen.
  • War es nun – wie oft erzählt – Bischof Valentin von Terni, der um 268 n.Chr. als Märtyrer starb? Oder war es der römische Priester Valentin, der am 14. Februar 209 das Martyrium erlitt, weil er Liebende trotz eines Verbots des Kaisers traute? Oder sind beide eine Person?
  • Dies lässt sich nicht hinreichend verifizieren. Auch wenn er nicht mehr im liturgischen Kalender steht: Der Valentinstag am 14. Februar blieb erhalten.

Auch wenn er nicht mehr im liturgischen Kalender steht: Als Namenstag des Heiligen bleibt der 14. Februar erhalten.

Ein Beitrag von:

Reinhold Großelohmann

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