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© Frederik Köhler
© Frederik Köhler

„Gott hat gewollt, dass ich zurück ins Leben finde“

Nach einer schweren Hirntumor-Operation muss Dr. Uwe Slabke vieles neu lernen – gehen, duschen, einkaufen. Die Krankheit verändert sein Leben und seinen Glauben. Nun stiftet er ein Kreuz, um anderen Menschen Hoffnung zu schenken.

Als Dr. Uwe Slabke im Frühjahr 2024 nachts einen epileptischen Anfall erlitt, veränderte sich sein Leben schlagartig. Er kam ins Krankenhaus und die Ärzte stellten einen walnussgroßen Hirntumor fest. „Das war natürlich ein Schock“, sagt Slabke, „weil es vor diesem Anfall keine Anzeichen dafür gab. Da ist für mich eine Welt zusammengebrochen.“ Der 58-Jährige ist promovierter Elektrotechniker, war lange Zeit ein erfolgreicher Unternehmer und seit vielen Jahren Triathlet.

Als der Tumor entdeckt wurde, war klar: Slabke muss operiert werden – und eine solche OP bleibt selten folgenlos. Der leitende Arzt habe ihm sehr positiv zugesprochen. „Er hat immer gesagt: ‚Sie bekommen das schon hin‘. Das hat mir sehr viel Zuversicht gegeben“, berichtet Slabke. „Ich wollte gar nicht wissen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich während oder kurz nach der Operation sterbe. Ich hatte das starke Gefühl, dass ich die Operation überlebe.“

Kleine Fortschritte geben neue Hoffnung

Damit sollte er recht behalten. Doch nach den ersten drei kritischen Tagen nach der OP zeigte sich: Slabke konnte bis auf den kleinen Finger seine linke Körperhälfte nicht bewegen. „Ich dachte das Leben geht zu Ende“, sagt Slabke. Doch seine Zuversicht habe er nicht verloren. „Meine Einstellung war und ist: Es ist jetzt so und ich arbeite daran, jeden Tag etwas mehr zu können als am Tag zuvor“, so Slabke. „Ich bin in ein sehr dunkles Loch gefallen und arbeite an meinem kontinuierlichen Aufstieg.“

Während fünf Wochen Krankenhaus und neun Wochen Reha hielt er selbst kleinste Fortschritte in einem Tagebuch fest. „Selbst wenn ich mein linkes Bein nur um zwei Zentimeter höher heben konnte, war das für mich ein Erfolg“, sagt er. „Jedes Training bringt mir mehr Lebensqualität.“ Die Funktionen in seinem linken Arm und in der linken Hand konnte er sich relativ schnell zurückerarbeiten. Die Reha, die er im Rollstuhl begann, konnte er ohne verlassen. „Als ich das erste Mal allein Duschen gehen konnte, habe ich geweint“, gesteht er.

„Vergangenem hinterherzutrauern, ändert nichts an der Situation“

Auch kognitiv stand er vor großen Herausforderungen. „Mit den Ergotherapeuten habe ich sogar einkaufen geübt“, berichtet Slabke. Dabei sei es ihm wichtig, sich selbst nicht zu bewerten. „Natürlich kann ich nicht mehr meine früheren Leistungen im Job, beim Sport oder im Alltag erwarten, aber das heißt nicht, dass mein Leben nicht lebenswert ist.“ Entscheidend sei für ihn, auf die nächsten kleinen Ziele hinzuarbeiten.

Sein Unternehmen musste er aufgeben, berichtet Slabke. „Das war sehr schmerzhaft. Schließlich war das mein Lebenswerk.“ Aber durch die Unterstützung und Liebe seiner Frau, seiner Familie, seiner Freunde und Therapeuten konnte er auch diese Hürde überwinden. „Da muss man dann irgendwann einfach loslassen“, sagt er. „Vergangenem hinterherzutrauern, ändert nichts an der Situation und bringen einen nicht weiter.“ Zwar sei er auch heute noch körperlich und kognitiv eingeschränkt, trotzdem habe er mittlerweile einen Status erreicht, mit dem er gut leben kann.

Warum Slabke heute an Gott glaubt

Den ganzen Genesungsprozess über war Slabke erstaunt von seinen Fortschritten. „Warum ist das so? Warum kann ich diese ganzen Bewegungen wieder machen? Bekomme ich Unterstützung von einer höheren Macht?“, rätselte er. Er glaubte, dass für seine Genesung nicht allein die Ärzte, Physio- und Ergotherapeuten verantwortlich sind, sondern auch Gott. Er sagt: „Gott hat gewollt, dass ich zurück ins Leben finde.“

Dabei haben Glaube und Kirche bisher kaum eine Rolle in seinem Leben gespielt. Slabke ist christlich aufgewachsen, hat den Glauben mit der Zeit aber aus den Augen verloren. Gerade als rationaler Mensch und Naturwissenschaftler sei das Übernatürliche für ihn wenig greifbar gewesen, sagt er.

Ich bin davon überzeugt, dass Gott mir diese zweite Chance geschenkt hat und mich bei der Entwicklung trägt.

Uwe Slabke

„Gott trägt meine Entwicklung“

Durch die Krankheit fand er zu Gott zurück. „Ich bin davon überzeugt, dass Gott mir diese zweite Chance geschenkt hat und mich bei der Entwicklung trägt“, sagt Slabke. Anders kann er sich nicht erklären, warum er diesen schweren Eingriff überlebt hat, wieso nichts seine Zuversicht ausbremsen konnte und wieso er bis heute weitere Erfolge feiern darf. „Ich kann wieder joggen“, sagt er überglücklich. „Letztes Jahr habe ich für einen 1500-Meter-Lauf knapp 16 Minuten gebraucht, in diesem Jahr nur knapp elf Minuten.“

Deshalb konnte es seiner Meinung nach kein Zufall sein, dass genau in der Zeit, in der er mit dem Schicksalsschlag zu kämpfen hatte, das Familienkreuz in der früheren Heimat seiner Mutter umgestürzt war. „Ich habe es als meine Aufgabe gesehen, dieses Kreuz wieder neu zu errichten“, erzählt Slabke, „um meine tiefe Dankbarkeit auszudrücken, aber auch um anderen Menschen Hoffnung und Mut zu machen.“

Neues Wegekreuz als Zeichen der Dankbarkeit

Seit 1938 stand das Kreuz am Rande von Bellersen in der Region Brakel. Gewidmet wurde es von der Familie Bannenberg zum Gedenken an den im Ersten Weltkrieg gefallenen Sohn Meinolf Bannenberg. Uwe Slabke, der mütterlicherseits Wurzeln in der Familie Bannenberg hat, verbrachte als Kind viel Zeit bei seinen Großeltern in Bellersen. Obwohl er heute außerhalb des Erzbistums Paderborn wohnt, fühlt es sich diesem Ort weiterhin stark verbunden.

„Auf meinem Genesungsweg haben mich fünf Werte getragen und den Weg bereitet“, sagt Slabke. „Liebe, Dankbarkeit, Zuversicht, Gottvertrauen und Fleiß.“ Diese sind auf einer Seite des neuen Kreuzes eingraviert. Die andere Seite trägt weiterhin die Originalinschrift von 1938. „Ich habe in der Reha Menschen gesehen, denen es ähnlich und schlechter ging als mir“, sagt Slabke. „Ich kann verstehen, dass einige von ihnen ihren Lebensmut verlieren.“ Er habe auch Momente völliger Verzweiflung erlebt. „Aber mit Liebe, Dankbarkeit, Zuversicht, Gottvertrauen und Fleiß kann man sich daraus arbeiten, Schritt für Schritt. Und ich hoffe, ich kann mit meiner Geschichte und mit dem Kreuz, Menschen Mut machen nicht aufzugeben, denn es gibt immer noch sehr viel schöne Dinge, die man tun kann.“

Weihbischof Holtkotte weiht das neue Kreuz in Bellersen

Weihbischof Josef Holtkotte, der das Kreuz am kommenden Wochenende weihen wird, zeigt sich von Slabkes Lebens- und Glaubensgeschichte tief beeindruckt. „Den Glauben mit den Herausforderungen des eigenen Lebens zu verbinden kann auch anderen Menschen Mut machen und Hoffnung schenken“, sagt der Weihbischof. Ihm liegt es am Herzen, solche Wegekreuze zu erhalten: „Jedes Kreuz ist ein sichtbares Zeichen für die Kraft des Glaubens, dass aus dem Tod das Leben wächst und dass Gott uns eine ewige Zukunft schenkt.“

Slabke ist dankbar, dass Weihbischof Holtkotte die Weihe übernimmt. „Mich hat der Wahlspruch des Weihbischofs berührt: ‚Da wurden ihre Augen aufgetan‘ (Lk 24,31a)“, sagt er. „Mir ging es genauso. Meine Krankheit hat mir die Augen geöffnet. Es gibt mehr, als wir sehen und wahrnehmen können.“ Das Kreuz in Bellersen ist für Slabke nicht nur ein Ort der Ruhe, der eine Verbindung zwischen Himmel und Erde schafft, sondern auch ein Symbol der Hoffnung, dass selbst nach tiefen Brüchen ein neuer Anfang möglich ist.

Kreuzweihe in Bellersen

Die Kreuzweihe findet am Sonntag, 31. Mai, um 18 Uhr am Bannenberg-Kreuz in Bellersen statt. Weihbischof Josef Holtkotte wird die Weihe übernehmen. Im Anschluss lädt Uwe Slabke zu Getränken und zum Austausch ein.

Ein Beitrag von:
Team Redaktion

Jasmin Lobert

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