Erfahrungen, die dankbar machen
Vor allem die Priesterweihe wecke rührselige Gedanken in ihm. Beim Einzug aus dem Westchor sei er damals fast in Tränen ausgebrochen, so sehr habe ihn der Gesang der Menschen berührt: „24 Neupriester waren wir damals. In all den Jahrzehnten sind sechs bereits gestorben, fünf haben den Priesterberuf aufgegeben, zwei sind 1994 in das neuerrichtete Bistum Magdeburg gewechselt. Wir sind schon ein arg gebeutelter Weihekurs – auch das ein Schlaglicht der Wirklichkeit“, offenbart Weihbischof König.
Vor 40 Jahren, an seinem Primiztag, sei Weihbischof König über den Friedhof seiner Heimatgemeinde gegangen und habe am Grab des früh verstorbenen Pfarrers Wilhelm Beule innegehalten. „Er hat mich 1969 zur Erstkommunion geführt“, erzählt König. Heute erinnere er sich an die Gesichter der vielen Gratulanten des damaligen Festtages. Und er sei dankbar für die vielen Priester, Diakone und gutwilligen Menschen, die ihn auf seinem Weg begleitet hätten.
Geprägt hätten ihn auch seine Einsatzorte: „Ich kam in die Diaspora, nach Bünde-Holsen und Kirchlengern. Auf dem Weg zu einem ersten Besuch bei meinem Vorgänger Hubert Berenbrinker, der später ja auch Weihbischof wurde, dachte ich immer wieder: „Wo bist du denn hier hingeraten? Schweichelm-Bernbeck, Südlengern – noch nie gehört!“ Es wurden gute und intensive Jahre. So nahe bei den Menschen, wie dort in der Diaspora, war ich danach kaum wieder“, berichtet König und ergänzt: „Die positiven Erfahrungen aus der Ökumene mit den evangelischen Geschwistern prägen mich bis heute.“
Gottes Spuren in den Menschen
Seine Ernennung zum Weihbischof bezeichnet er als „einer der schrecklichsten Momente meines Lebens“. So habe er gedacht: „Ich ‚kleines Licht‘ sollte in ein solches Amt berufen werden?“ Dass er den Weg zur Weihe gemeinsam mit Weihbischof emeritus Manfred Grothe gehen durfte, habe ihn damals getragen. Heute sei er dankbar, diesen Weg gegangen sein zu dürfen: „Mein bischöflicher Dienst hat meinen Horizont unendlich geweitet. Die Begegnungen im Erzbistum, in der Weltkirche, an so vielen Stellen haben sich ins Herz gegraben und machen mich unendlich dankbar. Ich habe so viel erleben dürfen, dass man zwei Leben daraus machen könnte“, sagt König.
In all diesen Erinnerungen und in den Menschen, die ihn begleitet hätten, seien die Spuren Gottes lesbar: „Und das ist vermutlich meine prägendste Glaubenserfahrung: Gott geht meine Wege mit. Nicht immer merke ich das sofort. Aber im Rückblick auf viele Situationen, Erlebnisse, Begegnungen und Ereignisse ist seine verlässliche Gegenwart überdeutlich greifbar“, fasst Weihbischof König zusammen und erinnert dabei an seine Familie, seine verstorbenen Eltern, seine Mitbrüder und Freunde und auch an seine vor Weihnachten verstorbene langjährige Haushälterin.