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© Ralf Litera / Erzbistum Paderborn
© Ralf Litera / Erzbistum Paderborn

„Für einen Segen haben wir immer Zeit!“

Der erste Mai markiert für viele den Beginn einer besonderen Zeit: Pilgern, Wallfahrten, Aufbruch. Ein Besuch bei der Fahrradwallfahrt in Werl zeigt: Hier sind Wege viel mehr als reine Strecken.

Glauben mit „Füßen und Herz“ leben: Das ist Pilgern, das ist Wallfahrt. Unterwegs eröffnen sich vielen Menschen Zugänge zu Sinn, Hoffnung, Gemeinschaft – und zu Gott. Auf der einen Seite gibt es viele spirituelle Kraftorte im Erzbistum Paderborn, teils mit jahrhundertealter Tradition. Und auf der anderen Seite finden sich sehr moderne Formen von Pilgerwegen. Allesamt liegen sie direkt vor der Haustür, ermöglichen jederzeit kurze seelische Auszeiten genauso wie lange Touren.

Pilgern ist eine religiös motivierte Reise, bei der Menschen auf der Suche nach tieferem Sinn und nach sich selbst sind – nicht nur „reisen“. Es ist ein geistlicher Prozess, bei dem „der Weg das Ziel“ ist. Viele Informationen dazu haben wir auf unserer Themenseite zusammengetragen.

Wallfahren und Pilgern gehören schon immer fest zum Glauben. Werl mit dem Marienbild der „Trösterin der Betrübten“ ist der größte Marienwallfahrtsort im Erzbistum Paderborn und zählt zu den Pilgerstätten Europas mit überregionaler Bekanntheit.

Doch wie erleben die Menschen vor Ort das Wallfahren und Pilgern?

Am vergangenen Wochenende erstreckte sich die Fahrradsegnung VELO Maria in Werl bewusst über den gesamten Tag. „Es war sehr schön“, sagt Wallfahrtseelsorger Stephan Mockenhaupt.  „Wir machen den Erfolg nie an Zahlen fest. Wer da ist, ist da. Wir sprechen erstmal Zielgruppen an und jede beziehungsweisejeder ordnet sich zu, wo sie jeweils Segen benötigen.“ Der Pastor spürt eine Segensbedürftigkeit der Menschen, auch Nichtgläubige sind empfänglich. „Ich glaube, im Innersten des Menschen gibt es häufig doch deutlich mehr Verbindung zu Gott als sich jeder eingesteht.“ Eine Sehnsucht nach Begleitung und Schutz sei in uns Menschen grundangelegt. Der lateinische Begriff für das Segnen „benedicere“ drücke dies gut aus, denn dies bedeute wörtlich übersetzt „Gutes sagen, Gutes wünschen“. „Hierin liegt ja schon die Zusage Gottes zu seinem geliebten Menschen.“ Mit dem Segen, so stellt Pastor Mockenhaupt fest, erreiche er gerade in der heutigen Zeit auch Menschen, die Gott eher fernstehen. „Sie spüren, alleine geht es doch nicht immer, ich bin auch auf Schutz angewiesen, gerade im Straßenverkehr. Deswegen kommen sie auch gern mit ihren Fahrzeugen.“

Im Hochamt wurden die Segensplaketten der Pilger gesegnet, auf dem Kreuzwegplatz neben der Wallfahrtsbasilika dann erhielt, wer gern wollte, die Plakette und einen Segen für sich selbst. Alle Plaketten tragen in der Regel das jeweilige Wallfahrtsleitwort. „Das nehmen die Menschen gut an!“, sagt Pastor Mockenhaupt. Die Pilgerinnen und Pilger radeln aus Fröndenberg, Menden, Unna, aus Soest nach Werl. Und immer kommen einige auch zufällig vorbei, nehmen den Segen mit.

Wir sind gläubige Christen und glauben auch daran, dass eine Segnung der Räder uns beschützt, bei allen Gefahren, die uns Pedalritter ereilen können.

Elisabeth und Axel Fuchs aus Dortmund

Die Schöpfung zu jeder Jahreszeit erleben

Aber wie erleben die Gläubigen dies? Warum ist ihnen Gottes Schutz so wichtig? Wie finden sie ihn im Unterwegssein? Elisabeth und Axel Fuchs aus Dortmund finden: „Die Fahrradwallfahrt und die anschließende Segnung ist eine herausragende Aktion der Kirche, die wir gerne annehmen und in unserer Gemeinde nicht kennen.  Wenn wir unterwegs sind, locken uns immer wieder Kirchen  zum Besuch und wir empfinden diese Atmosphäre beruhigend und beschützend.“

Vieles mehr noch entdecken die beiden, wenn sie auf ihren Drahteseln unterwegs sind: „Die Natur, durch die wir fahren, erinnert uns zu jeder Jahreszeit an die Schöpfungsgeschichte. Beim Start sehen wir automatisch auf die Plaketten und wissen, dass wir schon Stürze gut überstanden haben und auch weiterhin in Gottes Obhut sind.“

Pilgerwege und Wallfahrtsorte im Erzbistum Paderborn

Wege und Orte haben ortskundige Gläubige im Erzbistum für ihre Mitmenschen erkundet und mittlerweile über 120 Tipps für Strecken erstellt und auf der Seite „Orte verbinden“ zusammengetragen.

Laut Diözesanmuseum finden sich im Gebiet des Erzbistums rund 50 Pilger- und Wallfahrtsorte, oft seit dem Mittelalter. Hier zeigt sich auch, dass alles mindestens europaweit Teil eines großen Netzes ist.

Inspiriert von der MOTO Maria

Seit einigen Jahren schon bietet das Werler Wallfahrtsteam die Fahrradwallfahrt an. „Wir haben uns mit VELO Maria von der etablierten Motorradwallfahrt MOTO Maria inspirieren lassen“, sagt Stephan Mockenhaupt. Besonderheit bei der Fahrradwallfahrt: Viele Radfahrer sind eher allein oder zu zweit unterwegs. Und es gibt sehr unterschiedliche Zielgruppen. Den Rennradfahrer, den E-Biker, die Familie, das Paar und viele mehr. Nicht zu unterschätzen: die Senioren wegen der so wichtigen Mobilität und Unabhängigkeit!“ Gemeinsam ist allen: Sie haben das Bedürfnis, unter Gottes Schutz und mit einem eigenen Segen, gern auch mit der Plakette am Rad dokumentiert, zu starten. Und sie kommen gern über den Tag verteilt, darum das andere Angebot.

Markus Ende, Wallfahrtsseelsorger der Marienwallfahrt in Werl, ist selbst Radfahrer und sagt: „Ich verbinde über die VELO Maria meinen Glauben mit meiner Leidenschaft fürs Radfahren – gerade auf dem Gravelbike, dass mich sportlich fordert und hinaus in die Natur führt.“ Warum er dafür sein Rad gerne segnen lässt und mit einer Plakette versieht? „Um mit einem guten Gefühl unterwegs zu sein, aufmerksam und rücksichtsvoll zu fahren und die Wege, die ich auch als Pilgerbegleiter zurücklege, bewusst unter Gottes Schutz zu stellen.“

Wir führen immer gute Gespräche. Die Begegnung mit den Menschen ist sehr wichtig. Sie erleben Kirche präsent und wir haben Zeit.

Pastor Mockenhaupt

Mit gutem Gefühl weiterradeln

Pastor Mockenhaupt erlebt die Menschen, die kommen, als sehr offen. So entstehen auf dem Kirchplatz echte Begegnungen, echte Seelsorge. „Die Radfahrer erzählen uns ihre Geschichten, zum Beispiel, dass sie schon mal einen Sturz gehabt haben und nun froh sind, wieder auf dem Fahrrad sitzen zu können.“ Die Herausforderungen im Straßenverkehr mit SUVs, brenzlige Situationen oder auch ganz andere Dinge aus dem Alltag kommen zur Sprache. „Ein Segen wirkt Mut machend. Er ist kein Zauber, aber ich steige danach mit einem anderen Vertrauen auf mein Rad, auch bewusster. Deswegen sind solche Tage auch so wichtig“, sagt Stephan Mockenhaupt.

Insgesamt gilt in Werl wie an allen Wallfahrtsorten: „Wenn es dir guttut, dann komm!“ Letzteres ist das diesjährige Wallfahrtleitwort der Werler Marienwallfahrt, das auf den Hl. Franziskus zurückgeht. „Der Mensch entscheidet, wir laden ein“, unterstreicht Stephan Mockenhaupt. „Für einen Segen haben wir immer Zeit!“

Weitere Angebote und Einzelsegnung

  • Auch die Allerjüngsten sollen miteinbezogen werden: Mitte Mai ist die erste „Mini-Kiddie-Car-Wallfahrt“ mit Segnungen für die kleinsten Fahrzeuge wie Bobby-Car, Trampeltrecker, Dreirad, Roller…
  • Segnungen finden offiziell an jedem Sonntag um 12 Uhr zum Angelus in der Basilika statt
  • Außerdem ist immer ein Seelsorger vor Ort im Dienst, den Besucher einfach um einen persönlichen Segen bitten können
Ein Beitrag von:
Sonja Funke
Redakteurin

Sonja Funke

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