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© www.julian.pictures / Shutterstock.com
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Zwei Fahrradkirchen eine Mission

„Es tut gut, am Ziel und bei Gott anzukommen“

Rund 50 Kilometer trennen sie, ihre Motivation ist die gleiche: Werner Thamm und Frank Neidert kümmern sich mit vielen anderen um die Fahrrad- und Lichterkirchen in Meschede-Wehrstapel und Fröndenberg-Westick. Verbunden sind diese nicht nur durch den Ruhrtalradweg, sondern durch die Mission, Menschen den nötigen Raum für ihr Bedürfnis nach Spiritualität zu geben.

Und auch das verbindet die beiden Ehrenamtlichen im Ruhrtal: Beide möchten nach vielen schönen und bereichernden Erfahrungen nun selbst etwas zurück- und gleichzeitig weitergeben, vielleicht sogar andere anstecken mit ihrem Lebensweg. Er führte beide vom Messdiener-Sein über Jugendfahrten und den Pfarrgemeinderat beziehungsweise Kirchenvorstand bis ins Jetzt. Sind zwischen ihnen auch 20 Jahre Lebensalter, so leben beide ihren Glauben als festen und sinnstiftenden Teil des Alltags. „Er gibt uns Halt“, sagen sie beide.

Bänke und Toiletten, Spielecke und Ladestation

Werner Thamm leitet die Wortgottesfeiern und gestaltet sie über das Mediaki-System der Lichter- und Klangkirche moderner. Draußen vorm Gotteshaus sind nun auch erste Bänke aufgestellt, drinnen gibt es Gebetszettel für Radler und weitere Angebote sollen folgen. Sowieso hat die Kirche schon eine eigene Spielecke für kleine Kinder. „Wir haben überlegt, ob man noch einen Getränkeautomaten irgendwo hinstellen kann. Aber das sind noch Zukunftsideen. Auch wegen der Toilette und einer Flick- und Tankstation sind wir noch nicht ganz entschlossen, unter anderem wegen möglichem Vandalismus.“

Sind die Wehrstapeler noch am Anfang, was die erweiterte Ausrüstung einer speziellen Radkirche angeht, haben die Fröndenberger über die Jahre ihr Konzept immer mehr verfeinert und schon viele gute Erfahrungen gesammelt. Zum Beispiel damit, dass die Toilette ruhig geöffnet sein darf und dass weder die Ladestationen für E-Bikes noch die Pump- und Flicksäule nennenswert beschädigt wurden. Allerdings haben sogar schon mal Radler spontan auf der Wiese vor der Kirche, mitten an der Straße und im Wohngebiet, gezeltet. „Das fanden wir außergewöhnlich und toll! Jeder hat nach ihnen geschaut!“, sagt Frank Neidert. Er engagiert sich seit ein paar Jahren für die offene Fahrradkirche und ihre Nutzung.

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Die Fahrradkirche in Fröndenberg
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Die Fahrradkirche in Wehrstapel
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Ehren- und Hauptamtliche, Spiritualität und Kultur-Angebote

Gemeinsam ist beiden Kirchen, dass ihr Konzept von Anfang an riesig nachgefragt wurde und wird. Projektleiterin ist in Fröndenberg die Gemeindereferentinnen Mona Schomers. Im noch jüngeren Wehrstapeler Projekt war Gemeindereferntin Ana Jezildic bis zur Eröffnung für die Koordination der Gruppe von Aktiven zuständig, nun wird das es von Ehrenamtlichen aus Wehrstapel getragen. „Wir hatten auch schon Anfragen aus anderen Gemeinden“, sagt Werner Thamm. Der Radius geht weit über den pastoralen Raum hinaus.

Strahlpunkte sind die Lichterkirchen und als Fahrradkirchen sprechen sie noch mal ein viel größeres Umfeld an. Gleichzeitig könnten sie ohne ein immenses Engagement von Ehrenamtlichen vor Ort nicht existieren. Sei es die Pflege der Kerzenstationen, sei es das Bestücken und Betreuen des Audio-Systems Mediaki, sei es das Auslegen von Gebetszetteln und anderen Infos. Seien es Veranstaltungen und Spendentöpfe, die dazu gehören, weil Rad- und Lichterkirchen auch auf finanzielle Einnahmen angewiesen sind.

Erfolg gibt Initiatoren Recht

„Wir kommen so auf eine andere Art an die Menschen heran, auf eine sehr offene Weise.  Sie suchen ja irgendwie auch danach!  Und sei es nur ein Ort, wohin sie sich zurückziehen können. Die Werte, die wir als Christen bieten, sind ja nicht die verkehrtesten: Mitmenschlichkeit, Gemeinsamkeit – das versuchen wir hier ein bisschen umzusetzen in dieser Form und bisher geben uns die Frequenz und der Erfolg der Kirche wirklich Recht. Wir veranstalten zum Beispiel auch Filmabende zu bestimmten Themen. Da werden keine Blockbuster gezeigt, aber schöne Filme, die der Seele guttun. Das wird immer gut besucht“ sagt Frank Neidert.  Nicht von ungefähr ist die Nähe zur Kultur insgesamt, die ja ureigenste menschliche Eigenschaft und ausgeübte Gemeinschaft ist. Kirche ist Teil der Kultur.

Wohl nicht zufällig erleben Menschen unterschiedlichste Veranstaltungen sehr gern und bereitwillig im Kirchenraum. „Events wie zum Beispiel Konzerte ziehen immer am meisten“, weiß auch Werner Thamm. Beide Kirchen werden auch gern dafür genutzt. In beiden Gotteshäusern schauen aber auch benachbarte Kindergarten- und Schulkinder gern zwischendurch nach dem Rechten. Die Lichterkirche auch mal zum Unterricht nutzen, warum nicht? „Hier kann man richtig schöne biblische Geschichten hören“, sagt Werner Thamm. Er lädt insbesondere Jugendliche zum Nutzen und Bestücken des Audio-Systems ein. „Unser Team will Schulen und Kindergärten nach einem ersten Brief unbedingt ein zweites Mal kontaktieren, um noch mehr Aufmerksamkeit zu erzielen.“

Touristen und Einheimische, Nutzen für andere und für sich selbst

Auch für die Gäste von außerhalb gilt: Gott soll nicht außen vor bleiben, im Gegenteil: Vielleicht findet der ein oder andere über dieses neue Angebot sogar einen neuen Zugang zum Glauben. Auf jeden Fall aber Zuflucht. „Hier ist richtig was los! Wir spüren, dass die Leute eine Sehnsucht nach solchen Orten und nach dem Innehalten haben. Das sehen wir an den vielen Teelichtern, die angezündet werden, wir füllen permanent auf! Und auch die Gebetszettel und guten Wünsche, die wir anbieten, werden gerne mitgenommen. Maria Schmidt aus unserem Team lässt sich immer was Neues einfallen, je nachdem, ob es auf Ostern zugeht oder Advent ist. Wie beliebt die Kirche ist, zeigen auch die Einträge ins Gästebuch“, sagt Frank Neidert.

Glauben ist wie Fahrradfahren

Die Kirche ist und bleibt ein Gotteshaus und wer sich drauf einlässt, kann dies deutlich spüren und sogar einfordern. Auch ihre Geschichte enthält ganz viel Seele. Kirchen erzählen von Menschen, die gespart haben, noch vor 50 Jahren, um einen Ort für ihren Glauben zu schaffen. Von Architekten, die hier ganz viel Spiritualität und Lebenssinn mit verbaut haben. Dies ist über das Mediaki-System in Fröndenberg ebenso zu hören, wie eine Fahrradandacht. Frank Neidert selbst hat sie eingelesen mit Sätzen wie: „Die Stabilität des Glaubens kommt wie die Stabilität beim Fahrradfahren, beim Üben.  Was im Stehen nicht geht, wird beim Fahren möglich. Dass der Glaube trägt, merkt man erst, wenn man losfährt, er ist erst in der Umsetzung stabil. Auch Gegenwind und Steigungen gibt es hier. Glaube ist nichts, bei dem man fest im Sattel sitzen könnte.“ Egal, von wem sie stammen, ob nun gläubig oder Atheist: Notierte Fürbitten und Sorgen von den Radfahrern werden in Fröndenberg-Westick mit in die Wortgottesfeier aufgenommen. „So bekommen wir auch von unseren Gästen noch etwas mit und erleben Gemeinschaft mit ihnen, obwohl sie schon längst weitergeradelt sind!“, betont Frank Neider.

Die Andacht, die das Radeln und den Glaubensweg vergleicht, schließt wie folgt: „Beide Wege lohnen sich immer. Es tut gut, am Ziel und bei Gott anzukommen.“ Das können Frank Neidert und Werner Thamm nur unterstreichen. Gerne halten sie auch selbst mal inne in dieser Kirche. Das sei für ihn persönlich der ideale Weg, sie zu nutzen, sagt Werner Thamm: „Man nimmt sich allein oder zu zweit eine halbe Stunde Zeit, hört ein paar Texte oder ein paar Lieder. So kann man sie am besten genießen.“ Ehrenamt in der Kirche ist immer auch gleichzeitig und ganz bewusst eigene Lebensgestaltung.

Infos

Wehrstapel: pfarramt@pr-mb.de, Telefon 0291 9022880

Fröndenberg: info@katholische-kirche-froendenberg.de, Telefon 02373 72183

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Ein Beitrag von:
Sonja Funke
Redakteurin

Sonja Funke

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