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© Dirk lankowski / Erzbistum Paderborn
© Dirk lankowski / Erzbistum Paderborn

Erzbischof spricht beim Katholikentag über die Kirche der Zukunft

Beim Katholikentag in Würzburg sprach Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz über die Zukunft der Kirche im Erzbistum Paderborn und die schwierige Lage der Christen im Nahen Osten.

Kaum ist der Katholikentag in Würzburg gestartet, geht es für Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz von einem Programmpunkt zum nächsten. Unmittelbar nach dem Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt auf dem Residenzplatz besuchte er den Kirchenmeilenstand von Justitia et Pax. Als Vorsitzender der Deutschen Kommission, die sich für Menschenrechte, Entwicklung und Frieden einsetzt, begrüßte er dort den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.

Sie tauschten sich über die Arbeit und Strukturen der Kommission aus und kamen am Ende des Gesprächs auf den Katholikentag 2028 in Paderborn zu sprechen. An dieser Stelle lud Erzbischof Bentz den gebürtigen Detmolder in sein Heimatbistum ein. Dieser nahm die Einladung an und entgegnete: „Ich bin ganz sicher, beim nächsten Katholikentag hat der Wettergott ein Einsehen mit uns, wenn wir dort wieder alle zusammenkommen.“ Damit spielte er auf das wechselhafte Wetter an, das die Gäste des Katholikentages mehrfach mit Regenschauern überraschte.

Erzbischof Bentz sprach über die Zukunft der Pfarreien im Erzbistum Paderborn

Zum Glück fand der nächste Programmpunkt im Trockenen statt. Im Tagungshaus unmittelbar am Würzburger Dom organisierte die Katholischen Landvolkbewegung Deutschlands ein World-Café, also ein interaktives Diskussionsformat, zur Frage: „Wo ist die nächste (Glaubens-)Tankstelle? Wie ist (vielfältige) Pastoral in ländlichen Gebieten möglich?“ Neben Erzbischof Bentz war Daniela Kornek aus dem Team Pastorale Innovation des Bistums Münster zu Gast, um kurze Impulse zu geben und mitzudiskutieren.

Der Erzbischof startete seinen Impulsvortrag mit einem konkreten Beispiel aus der Praxis: „Derzeit leben 75.000 Menschen im Dekanat Hochsauerland-Mitte auf 700 Quadratkilometern mit 151 Orten – das wird in Zukunft eine Pfarrei sein.“ Daraufhin ging ein kollektives Raunen durch die Reihen der etwa 40 Teilnehmenden. Erzbischof Bentz ging beim Bericht über den Transformationsprozess im Erzbistum Paderborn noch weiter ins Detail. „Im Moment hat das Erzbistum noch knapp 600 Pfarreien. Nach der Neustrukturierung werden es 21 sein. Praktisch bedeutet das: Was heute ein Dekanat ist, wird in Zukunft eine Pfarrei sein.“

„Wir müssen die Verlustängste wahr- und ernst nehmen“

Dass diese Umstrukturierung bei vielen Gläubigen Ängste und Sorgen auslöse, sei Erzbischof Bentz bewusst. „Wir müssen diese Verlustängste wahr- und ernst nehmen.“ Gleichzeitig sei es wichtig, nicht in diesem Abschiedsschmerz stehen zu bleiben, sondern die Energie in die neuen Gestaltungsmöglichkeiten zu investieren.

„Ich fahre ein Elektroauto“, so Erzbischof Bentz, „und ich stelle mir die zukünftigen Pfarreien vor wie ein Netz aus Ladesäuen.“ Einige Ladesäulen hätten mehr Power als andere, manche seien vielleicht schon etwas überholt, andere befänden sich gerade im Aufbau – aber das gesamte Netz stelle die Versorgung sicher. Ladesäulen können Bildungshäuser sein, bestimmte Kirchorte, aber auch Gruppen und Initiativen, die sich für ein bestimmtes Thema stark machen, bis hin zu Einzelpersonen, die vor Ort das Gesicht der Kirche sind.

„Die Herausforderung besteht darin, dass es für diese Substruktur in den Pfarreien keine konkrete Visualisierung gibt“, räumt Erzbischof Bentz ein. Das ließe sich auch gar nicht vorgeben, weil die Sozialräume ganz unterschiedlich sind. „Das Ruhrgebiet als Ballungsort tickt ganz anders als das Sauerland“, so der Erzbischof. Die Angebote müssen auf die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort angepasst werden.

Wir müssen weg von diesem Flächendenken. Kirche wird in Zukunft nicht einheitlich, sondern ganz unterschiedlich aussehen.

Erzbischof Bentz

„Aber es wird nicht mehr in jedem Dorf alles geben“

Dafür brauche es Mut – in zwei Richtungen. Es sei wichtig, sich einzugestehen, wenn eine Ladesäule nicht mehr funktioniert. „Wir sind es in der Kirche gewohnt, dass unsere Angebote eine gewisse Kontinuität haben“, so Erzbischof Bentz. „Aber es wird nicht mehr in jedem Dorf alles geben.“ Gleichzeitig biete diese Struktur auch Freiräume für neue Angebote – auch mit Kooperationspartnern abseits von Kirche. So müsse jede Pfarrei für sich herausfinden, wo man Menschen und Angebote „empowert“ und wo man sie „entpowert“.

Im Anschluss an den Impulsvortrag sah sich Erzbischof Bentz in den Diskussionsrunden immer mit verschiedenen Facetten der gleichen Frage konfrontiert: Wie soll das funktionieren? Wie können Ehrenamtliche das fehlende Hauptamt auffangen? „Wir denken Veränderung immer noch in den alten Mustern“, so Erzbischof Bentz. Dabei seien Ehrenamtliche keine Lückenfüller. „Seelsorge braucht Professionalität. Diese Kompetenz ist aber nicht an das Hauptamt gebunden.“ Zum Kulturwandel gehöre auch, dass alle Gläubigen anhand ihrer Interessen und Charismen Kirche vor Ort gestalten.

Erzbischof Bentz diskutiert die Lage der Christen im Nahen Osten

Am Abend nahm Erzbischof Bentz an einem Gespräch zum Thema „Christen im Nahen Osten. Bleiben oder Gehen?“ teil, das von der Deutschen Bischofskonferenz in Kooperation mit dem Deutschen Verein vom Heiligen Lande und dem Erzbistum Köln organisiert wurde. Neben dem Erzbischof, der aus seiner Funktion als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Deutschen Bischofskonferenz sprach, nahmen drei Gäste aus dem Nahen Osten teil, die von ihren Alltagserfahrungen berichteten.

Abt Dr. Nikodemus Schnabel aus Jerusalem beschrieb, dass die Anfeindungen und Übergriffe auf Christen merklich zunehmen. „Was früher Einzelfälle in der Nacht waren, kommt heute fast täglich vor – am helllichten Tag“. Pilgergruppen machen diese Erfahrung kaum, weil sie meistens als Großgruppe unterwegs und dadurch geschützt seien.

Christen im Nahen Osten berichten von Angst, Druck und Perspektivlosigkeit

Die palästinensisch-katholische Christin Reem Akroush vom Deutschen Verein vom Heiligen Lande berichtete, dass sie in Jerusalem tagtäglich kontrolliert werde und für alles eine Erlaubnis brauche – selbst für Medikamente. Wie ihre Tochter, die derzeit in Deutschland studiert, verlassen viele junge palästinensische Christen das Land. In Gaza sei die Lage weiter angespannt, berichtete sie. Viele bekommen keine Übertrittserlaubnis nach Israel, können deshalb keiner Arbeit nachgehen und seien auf Hilfe angewiesen. „Die Kirche steht weiterhin mutig an der Seite der Menschen“, sagt Akroush.

Michel Constantin, Regionaldirektor der Päpstlichen Missionswerke im Libanon, berichtete von christlichen Dörfern, die in der gelben Zone – einer von der israelischen Armee im Frühjahr 2026 eingerichtete militärische Sicherheitszone im Südlibanon – bleiben. Dort befinden sie sich in der Klemme zwischen zwei Seiten. Zum einen mache es ihnen Israel schwer, indem es beispielsweise die Strom- und Wasserversorgung einschränke. Ihr Zuhause aufgeben wollen die Christen aber auch nicht, da ansonsten das ganze Dorf von der Hisbollah ausgelöscht werde.

Ohne die Unterstützung von Papst Leo XIV. und des Apostolischen Nuntius im Libanon Erzbischof Paolo Borgia wären sie nicht so mutig, dort zu bleiben

so Michel Constantin, Regionaldirektor der Päpstlichen Missionswerke im Libanon

„Christen sind Friedensstifter“

Erzbischof Bentz, der zuletzt im Januar im Heiligen Land war, bedankte sich für diese Einblicke in die Lebenswelt der Christen im Nahen Osten. Er nehme eine Zerrissenheit bei den Menschen wahr. „Die Christen im Nahen Osten sehen sich als Teil der orientalischen Region. Sie wollen bleiben“, so Erzbischof Bentz. „Aber die Perspektivlosigkeit führt dazu, dass sich immer mehr Christen dazu entscheiden zu gehen.“ Dabei sei es umso wichtiger, dass sie vor Ort bleiben, „denn Christen sind Friedensstifter“.

In der angespannten Lage im Nahen Osten sei es umso wichtiger, dass Kirchenführer diplomatisch bleiben. Hier nannte Erzbischof Bentz den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, als Beispiel. Als ihm an Palmsonntag der Zutritt zur Grabeskirche untersagt wurde, habe er klare Worte für seinen Ärger gefunden. „Wir müssen die Dinge benennen und gleichzeitig immer klar haben, was für Konsequenzen sich daraus ergeben“, so der Erzbischof.

Die Berichte der Gäste aus Jerusalem, Gaza und dem Libanon machten deutlich, unter welchem Druck viele Christen im Nahen Osten leben und wie groß dennoch ihr Wille ist, zu bleiben und Hoffnung zu bewahren.

Hoffnung heißt nicht, es wird alles gut. Hoffnung heißt, wir überlassen der Gewalt nicht das Feld.

Für Erzbischof Bentz ist dieses Zeugnis Ermutigung für die Weltkirche
Ein Beitrag von:
Team Redaktion

Jasmin Lobert

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