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© Besim Mazhiqi
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Ein Steinaltar für tausend Taler

Mit dem Erzengel Michael hat St. Michael in Brakel einen mächtigen Schutzpatron

Mit dem Hochaltar aus dem Jahr 1748 besitzt St. Michael in Brakel einen beeindruckenden Blickfang. Ganz oben thront Maria mit dem Jesuskind vor einem Himmelszelt auf einer Wolkenbank. Rechts davon kniet die heilige Katharina von Siena, die Figur links ist der heilige Dominikus, zu erkennen an seinem Attribut, einem Hund mit brennender Fackel in der Schnauze. Umrahmt wird die Figurengruppe von den Schutzpatronen des Erzbistums Paderborn, St. Liborius und St. Kilian. Darunter befinden sich an den Seiten Figuren der Apostel Petrus und Paulus. Im Zentrum aber steht der heilige Michael. Weit holt er mit dem Flammenschwert aus, um Satan in Gestalt eines Drachen niederzustrecken. In der linken Hand hält er das Wappen der Stadt Brakel. Somit ist er der Schutzpatron der gesamten Stadt.

Der heilige Michael fasziniert Kinder wie Erwachsene seit dem Jahr 1748. „Zu der Zeit hatte ein Hofrat namens Johann von Pein von der Stadt Brakel für 36.000 Taler einen stattlichen Gutshof erworben“, berichtet Alfons Jochmaring, ehrenamtlicher Stadt- und Kirchenführer in Brakel. Die letzte Rate von 1.000 Talern blieb der Hofrat der Stadt jedoch schuldig. Stattdessen stiftete er gemeinsam mit seiner Ehefrau der Kirche St. Michael einen neuen Hochaltar. Ihr Stifterwappen ließen die nicht nur mit Geld, sondern auch mit Standesbewusstsein ausgestatteten Adligen in der Mitte des Hochaltars platzieren, direkt über dem Flammenschwert des heiligen Michael.

„Vielleicht gab es wegen der 1.000 Taler Nebenabreden mit der Stadt Brakel, vielleicht hat der Hofrat auch einfach Tatsachen geschaffen“, erklärt Alfons Jochmaring. „Aber allem Anschein nach hat die Stadt Brakel das Vorgehen gebilligt.“ Jedenfalls findet sich in den Archiven buchstäblich nichts über einen Zwist.

St. Michael als Wahrzeichen der Stadt

1.000 Taler waren Mitte des 18. Jahrhunderts eine stolze Summe. Dafür aber besteht der Altar aus echtem Stein, was im westfälischen Barock selten vorkommt. „Die meisten Altäre aus dieser Zeit tun nur so, als wären sie aus Stein, und sind in Wahrheit aus Stuckmarmor“, sagt Alfons Jochmaring. Um Marmor zu imitieren, gibt es mehrere Techniken. Beim Stuccolustro wird ein Putz aus Marmorsand und Marmormehl auf das darunter liegende Holz aufgetragen und die Marmorierung einfach aufgemalt. Beim Gipsmarmor wird Gips partiell eingefärbt und so lange geknetet, bis die Marmorierung erscheint. Dann wird das Ergebnis geglättet und poliert, bis optisch kein Unterschied zu echtem Marmor besteht. Sofortige Klarheit verschafft die Klopfprobe. So etwas würde Jochmaring aber nie tun: „Ich bin ein Kind der Zeit vor dem Zweiten Vatikanum, für mich ist der Altarraum ein sakrosankter Raum, und gegen Altäre und Heiligenfiguren klopft man nicht!“

Auch wenn der barocke Hochaltar etwas üppig geraten ist und die dahinter liegenden Chorfenster verdeckt – für Alfons Jochmaring stellt der Altar eine Bereicherung der Michaelskirche dar, die um das Jahr 1160 als romanische Pfeilerbasilika auf einem Vorläuferbau errichtet wurde. Auch der hochgotische Chor, der 180 Jahre nach der Erbauung an die Stelle der romanischen Apsis trat, ist nach Meinung des Stadt- und Kirchenführers gelungen: „Das brachte Licht in die Kirche, ein Vorgriff auf das himmlische Jerusalem.“ Über den Umbau von 1517, bei dem der südliche Nebenchor zusammen mit dem Südseitenschiff zur Hallenkirche umgestaltet wurde, ist Jochmaring weniger glücklich: „Das hat die Raumwirkung stark verändert. Aber so hat eben jede Zeit ihre Spuren hinterlassen – und unsere Kirche hat alles ausgehalten und überdauert.“

St. Michael in Brakel

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