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© Black Salmon / Shutterstock.com
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Ein Glaube, der Fragen aushält

Warum Simon Ole Weber aus Paderborn seinen Glauben als offenen Weg versteht und was das für seine Firmung bedeutet

Simon Ole Weber (16) glaubt an Gott. Und er stellt Fragen an die Kirche. Für ihn gehört beides zusammen. Auf seinem Weg zur Firmung, die er am 14. Juni in Paderborn, in seiner Heimatgemeinde St. Julian, empfangen wird, sucht er keinen fertigen Rahmen, sondern einen Glauben, der sich entwickeln darf.

Der junge Mann ist neugierig, offen und jemand, der selten bei der ersten Antwort stehen bleibt. „Lass uns mal schauen“, ist eher sein Ansatz als ein vorschnelles Urteil. Er probiert aus, beobachtet, denkt nach und ist gerne unter Menschen. Gleichzeitig braucht er aber auch Momente, in denen er zur Ruhe kommt. Dann zieht er sich zurück, schreibt in sein Notizbuch oder geht nach draußen.

Sein Glaube bewegt sich für Simon Ole zwischen diesen beiden Polen: Stille und Gemeinschaft. Die Gemeinschaft erlebt er besonders stark während des Friedensgrußes im Gottesdienst, wenn Menschen einander die Hand reichen. Dort wird für ihn etwas spürbar, das über das Sichtbare hinausgeht:

„Dann habe ich so eine innere Freude, dass man gemeinsam glaubt.“

Zwischen Stille und Gemeinschaft

Diese innere Freude möchte er mit der Firmung bekräftigen, die für den Gymnasiasten mehr ist als ein Ritual. Sie ist ein Schritt hinein in eine bewusstere Auseinandersetzung mit seinem Glauben und eine Gelegenheit, Menschen wiederzutreffen, die er schon lange nicht mehr gesehen hat. „Ich freue mich auf die Gemeinschaft mit den anderen Firmbewerbern“, sagt er.

Mit der Firmung verbindet Simon auch Verantwortung, nicht als Druck, sondern als Bewusstsein: für das eigene Handeln, für Entscheidungen, für das Leben im Glauben. Gleichzeitig ist da das Vertrauen, dass er nicht alleine geht:

„Ich kann auf Gott bauen und darauf, dass Fehler verziehen werden.“

Diese Mischung aus Gemeinschaft und persönlicher Reflexion ist ihm wichtig. „Man wächst da einfach rein“, sagt er. Sein Glaube ist für Simon Ole kein starres System, sondern etwas, was sich entwickelt. Manchmal blickt er auch kritisch auf die Kirche. Bedenken am Glauben selbst hat er kaum, sehr wohl aber an kirchlichen Strukturen und Entscheidungen. „Ich habe eher Zweifel an der Kirche, wenn sie die falschen Entscheidungen trifft“, sagt er offen.

Fragen an die Kirche

Gleichzeitig wünscht er sich eine Kirche, die näher an den Lebenswirklichkeiten junger Menschen ist. Eine Kirche, die weniger vorgibt und mehr zuhört, die eine Sprache findet, die verständlich ist, ohne die Botschaft zu verlieren. „Es muss mehr gemeinschaftlich sein, nicht so hierarchisch“, sagt er. Kirche solle fragen: Was braucht ihr eigentlich?  Getragen wird er von dem Gedanken, dass Gott da ist, auch dann, wenn man ihn nicht unmittelbar spürt. Dieses Vertrauen gibt ihm Halt, ebenso wie die Gemeinschaft in seinem Alltag: in der Familie, bei den Pfadfindern, im Chor und in seinem Freundeskreis. Eine zentrale Rolle spielt für Simon Ole seine Familie. Als jüngstes von vier Geschwistern wächst er in einem Umfeld auf, in dem Glaube nicht nur Thema, sondern Alltag ist – durch Musik, Pfadfinderarbeit, Gottesdienste und Gespräche am Küchentisch.

Begleitung durch die Schwester

Besonders eng ist seine Beziehung zu seiner neun Jahre älteren Schwester Finja Miriam Weber, die auch seine Firmpatin ist. „Ich habe mich so gefreut, als mich Simon Ole gefragt hat, seine Firmpatin zu werden“, erinnert sie sich freudestrahlend. Finja Miriam beschreibt ihren Bruder als jemanden mit großer Neugier und Offenheit: „Er sagt nicht direkt nein, sondern probiert es einfach aus.“

Diese Haltung beeindruckt sie. Sie sieht in ihm jemanden, der auch andere mitziehen und inspirieren könne. Auch Simon beschreibt das Verhältnis zu seiner Schwester als eng und vertrauensvoll. Er schätzt an ihr die Ruhe und Struktur: “Ich habe oft gesehen, wie sie Dinge angeht und mir davon etwas abgeschaut.“  Sie sprechen viel miteinander, auch über den Glauben, den Alltag und über Entscheidungen, die man trifft – manchmal ernst, manchmal beiläufig, aber immer auf Augenhöhe. „Wir diskutieren schon öfters”, sagt Finja Miriam und lacht. Und Simon ergänzt: “Man kommt am Ende meistens irgendwie weiter.”

„Einheit in Vielfalt“ sei der zentrale Gedanke für Finja Miriam, die sich beim Synodalen Weg engagiert hat. Die Botschaft der Kirche sei stark: Nächstenliebe, Solidarität und Freundschaft. Entscheidend sei aber, dass sie von vielen verschiedenen Menschen gelebt werden könne, unabhängig von Rollenbildern oder Strukturen.

Diese Haltung prägt auch ihre Beziehung zu ihrem Bruder. Die 25-jährige Lehramtsstudentin der Theologie und Geografie begleitet Simon Ole nicht nur als Firmpatin, sondern als Gesprächspartnerin. Sie versteht ihre Rolle als unterstützende Kraft, aber auch als Resonanzraum für seine Fragen.

„Ich bin einfach da, wenn er mich braucht.“

Finja Miriam Weber - Schwester und Firmpatin von Simon Ole Weber
Ein Beitrag von:
Bonifatiuswerk

Theresa Meier

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