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© Besim Mazhiqi
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„Die Walburga-Woche ist für uns eine Tankstelle“

Vom 3. bis zum 10. Mai ist Wormbach im Sauerland im Ausnahmezustand: Rund 2500 Wallfahrerinnen und Wallfahrer besuchen dann die Walburga-Woche. Neben Gemeinschaft und Gebet gehört auch der weltweit einzigartige Augensegen zur Wallfahrtstradition.

Einmal im Jahr wird Wormbach, ein Ortsteil von Schmallenberg im Sauerland mit knapp 400 Einwohnerinnen und Einwohnern, ordentlich aufgemischt. Denn rund um den ersten Mai findet seit mehr als 250 Jahren eine Wallfahrtswoche zu Ehren der heiligen Walburga statt. Laut Monika Winzenick, Gemeindereferentin im Pastoralen Raum Schmallenberg-Eslohe und Wallfahrtsleiterin in Wormbach, kommen zur Walburga-Woche etwa 2500 Menschen zu Besuch. Weil die Kirche für viele Veranstaltungen zu klein ist, müssen die Gäste mittlerweile in die örtliche Schützenhalle ausweichen.

In diesem Jahr findet die Walburga-Woche vom 3. bis zum 10. Mai statt. „An jedem Tag nehmen wir eine andere Zielgruppe in den Blick“, sagt Winzenick. So ist der Dienstag (5. Mai) beispielsweise den älteren Generationen gewidmet, der Mittwoch (6. Mai) den Frauen, der Donnerstag (7. Mai) den Kleinkindern und der Freitag (7. Mai) den Kommunionkindern. „Für mich ist die Lichterprozession von der Schützenhalle zur Kirche am Tag der Frauen der Höhepunkt,“ sagt Winzenick. Dass die Nachbarschaft ihre Vorgärten für diese Prozession ordentlich macht und eigenständig die Lichter aufstellt, zeige, dass die Walburga-Woche von der Gemeinschaft getragen wird, so die Wallfahrtsleiterin.

Wer ist die Heilige Walburga?

Die heilige Walburga war eine angelsächsische Benediktinerin des 8. Jahrhunderts. Als Nichte des heiligen Bonifatius folgte die Missionarin ihren beiden Brüdern nach Germanien, wo Willibald das Bistum Eichstätt und Wunibald das Kloster Heidenheim gegründet hatte. Nach Wunibalds Tod übernahm Walburga die Klosterleitung und baute es zu einem wichtigen Missionszentrum und Doppelkloster aus. Sie war also gleichzeitig Äbtissin eines Männer- und eines Frauenklosters. Verehrt wird sie als kluge Äbtissin, glaubensstarke Frau und Helferin in Nöten. Sie starb am 25. Februar um das Jahr 790 und wurde in der Heidenheimer Klosterkirche beigesetzt. Am 1. Mai 871 wurden die Gebeine nach Eichstätt überführt. Deshalb gilt der 1. Mai als Tag ihrer Heiligsprechung.

Seit Jahrhunderten verehrt: Die Tradition in Wormbach

In dieser Form gibt es die Walburga-Woche schon seit 1989. Doch die Wallfahrtswoche hat eine viel längere Tradition. Eine Urkunde aus dem Jahr 1771 des Kölner Generalvikars – damals gehörte das Gebiet noch zum Erzbistum Köln – hält fest, dass die Feier einer Walburga-Woche „nach Art eines Patronatsfestes als Hochfest mit Oktav“ begangen werden darf. Das ist auch deshalb besonders, weil die Wormbacher Kirche eigentlich dem heiligen Petrus und Paulus gewidmet ist.

Doch schon damals war die Verehrung der heiligen Walburga in Wormbach Jahrhunderte alt. Das hielt ein Franziskanerpater schriftlich fest, nachdem er Reliquien der Heiligen von Eichstätt ins Sauerland brachte. Er beschrieb beispielsweise eine alte Glocke, die der heiligen Walburga geweiht war und schon vor 1500 den alljährlichen Walburga-Festtag in Wormbach eingeläutet haben soll.

Wie die Walburga-Verehrung ins Sauerland kam

Warum eine Heilige aus Süddeutschland im Sauerland verehrt wird? „Das lässt sich nicht genau sagen“, erklärt Winzenick. Vermutlich hat es mit dem Kölner Erzbischof Anno II. (um 1010-1075) zu tun. Er war einer der größten Walburgaverehrer seiner Zeit. Nachdem er 1072 das Kloster Grafschaft im Sauerland gegründet hatte, blieb möglicherweise etwas von seiner Faszination für die Heilige in der Region hängen.

„Als ich 2011 nach Schmallenberg kam, kannte ich die heilige Walburga nicht“, gibt Winzenick zu. „Hier lernte ich sie mit der Zeit kennen und schätzen.“ Obwohl die Gemeindereferentin 2018 eher zufällig Wallfahrtsleiterin wurde, ist sie mittlerweile mit ganzem Herzen dabei. „Mich fasziniert die heilige Walburga“, sagt sie. Sie sei eine glaubensstarke Frau gewesen, immer auf die Menschen zugegangen und für die damaligen Verhältnisse sehr fortschrittlich gewesen. „Schließlich war sie Äbtissin eines Männer- und eines Frauenklosters“, sagt Winzenick. „Das ist heute kaum vorstellbar.“

Enger Kontakt zu den Benediktinerinnen in Eichstätt

Um sich kurz vor der Walburga-Woche ganz konkret auf die Heilige auszurichten, fährt die Wallfahrtsleiterin zusammen mit dem Walburga-Prediger Pastor Roland Schmitz nach Eichstätt zum Grab der Heiligen. Pastor Schmitz, der auch Diözesanpräses der kfd im Erzbistum Paderborn ist, übernahm diese Aufgabe vor zehn Jahren und bereitet die Predigten jedes Jahr zusammen mit Winzenick vor. In der Woche in der Benediktinerinnenabtei St. Walburg in Eichstätt beten die beiden mit den Schwestern und frischen ihr Wissen über die Heilige auf.

„Das ist für uns immer eine sehr intensive Woche“, sagt Winzenick, „fast wie Exerzitien.“ Unbekannte sind die beiden in Eichstätt schon lange nicht mehr. „Ich stehe seit vielen Jahren mit den Schwestern in Kontakt“, so Winzenick. Ihre Verbindung sei noch enger geworden, seitdem sie zusammen mit dem Walburga-Prediger persönlich vorbeikommt, um einige Tage dort zu verbringen und das Walburgaöl abzuholen.

 

Was ist das Walburgaöl?

Unter dem Schrein mit den Gebeinen der Heiligen tritt seit 1042 jedes Jahr zwischen Oktober und Ende Februar eine Flüssigkeit aus – das sogenannte Walburgaöl. Die Menschen waren damals davon überzeugt, dass das Öl eine heilende Wirkung hat. Bis heute füllen es die Benediktinerinnen von St. Walburg in kleine Fläschchen ab. Vor einigen Jahren ist die klare, geruchlose Flüssigkeit wissenschaftlich untersucht worden: Es handelt sich um reines Wasser, vermutlich Kondenswasser.

Warum der Augensegen in Wormbach einzigartig ist

Das Walburgaöl spielt in der Wallfahrtswoche in Wormbach eine wichtige Rolle. Nach jedem Gottesdienst wird der sogenannte Augensegen gespendet. „Den gibt es nicht in Eichstätt oder sonst irgendwo, nur bei uns“, sagt Winzenick. Denn Walburga ist auch als Fürsprecherin bei Augenleiden bekannt. Beim Augensegen wird den Menschen ein paar Tropfen Walburgaöl mit einer Vogelfeder auf die geschlossenen Augen aufgetragen.

„Ich verstehe diesen Segen so, dass den Menschen etwas Gutes für ihr Leben zugesprochen wird“, sagt Winzenick. Dass das Öl Augenkrankheiten heilen kann, hält Winzenick für magisches Denken. Sie selbst sei der Gegenbeweis: „Ich bin damals ohne Brille gekommen und trage jetzt eine, obwohl ich jedes Jahr den Augensegen empfange“, sagt sie und lacht.

„Gerade in unserer zerbrechlichen Welt suchen Menschen danach, etwas Heilsames zu erleben.“

Monika Winzenick, Wallfahrtsleiterin in Wormbach

Wie die Walburga-Woche Menschen verbindet

Als Wallfahrtsleiterin ist Winzenick in der Walburga-Woche durchgehend vor Ort und für alle ansprechbar. „Während der Walburga-Woche führe ich so viele seelsorgliche Gespräche wie sonst nie“, sagt Winzenick. Zwischen Tür und Angel ergeben sich Gespräche über Freud und Leid des Lebens. „Die Walburga-Woche ist für uns alle eine Tankstelle.“

Auch die Eichstätter Benediktinerinnen sind mit den sauerländischen Wallfahrerinnen und Wallfahrern geistlich verbunden. „Die betagte Schwester, die das Walburgaöl auffängt, begleitet jede unserer Veranstaltungen im Gebet“, erzählt Winzenick. Deshalb frage sie jedes Jahr nach dem Flyer der Walburga-Woche. „Diese Verbundenheit ist für mich Bestärkung und Ermutigung.“ Vielleicht ist es genau das, was die heilige Walburga bis heute ausmacht: Sie bringt Menschen zusammen – über Entfernungen hinweg und mitten hinein in ihren Alltag.

© PeopleImages.com - Yuri A / Shutterstock.com
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Ein Beitrag von:
Team Redaktion

Jasmin Lobert

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