Voller Vorfreude haben die Gästinnen und Gäste nach der fünften Etappe der Zeitreise in Corveys große monastische Geschichte die Welterbestätte am Weserbogen verlassen. Denn dieser Vortragsabend mit Professor Dr. Christoph Stiegemann war Retrospektive und Vorschau zugleich.
Der Blick nach vorn richtete sich auf ein Projekt, das zusammen mit den multimedialen Erlebnisreisen in die Entstehungszeit des karolingischen Westwerks die kulturhistorische Bedeutung und die spirituelle Aura dieses großen Weltdenkmals basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen fesselnd und zugleich würdig erfahrbar macht: die Neukonzipierung der Dauerausstellung „Das Jahrtausend der Mönche – Von der Gründung Corveys bis zum Goldenen Zeitalter“ in den Räumen des Schlosses. Die alte, dort seit 1985 eingerichtete Ausstellung mit bedeutenden Leihgaben aus dem Besitz der Kirchengemeinde war in die Jahre gekommen und erlebt nun unter der Ägide von Professor Dr. Christoph Stiegemann einen fulminanten Relaunch in zeitgemäßer didaktischer Anmutung.
Der renommierte Kunsthistoriker und ehemalige Direktor des Erzbischöflichen Diözesanmuseums in Paderborn hat an seiner alten Wirkungsstätte gleich neben dem Dom seit 1999 großartige Ausstellungen mit internationaler Ausstrahlung kuratiert. In seinem (Un-)Ruhestand leitet er nun bei der Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus das wissenschaftliche Kompetenzteam zur didaktischen Erschließung des Westwerks und ist auch Spiritus Rector der Neukonzipierung der Dauerausstellung. Unterstützt von der Kunsthistorikerin Dr. Anne Veltrup aus Münster lässt der Museumsmann im Kapitelsaal und im „Stillen Winkel“ im Erdgeschoss sowie in den vier Museumsräumen am Äbtegang im ersten Obergeschoss mit kostbaren Leihgaben der Kirchengemeinde und mithilfe moderner Medien das Jahrtausend der Benediktiner im Weserbogen aufleuchten. Der Rundgang ist eine Zeitreise von den Anfängen der ersten Kirchengründung in Corvey bis zur neuen Blüte nach dem Dreißigjährigen Krieg: dem goldenen Zeitalter der Fürstäbte, das mit der Säkularisation endete.