Sinkende Bedeutung von Gotteshäusern als besuchbare Gebäude
In fünf Vorträgen gaben Expertinnen und Experten den rund 100 Teilnehmenden zunächst wertvolle Impulse. Prof. Dr. Rüdiger Althaus steuerte unter dem Titel „Brauchen wir unsere Kirche(n) noch?“ einführend theologische Hintergründe und praktische Erwägungen bei. Dabei warf er zunächst einen Blick zurück auf die Anfänge des Christentums: „Die frühen Christen trafen sich zum Gebet in Privathäusern und erst mit der Anerkennung des Christentums als Religion im Jahr 313 wurden große Gebäude als Gotteshäuser etabliert“, sagte Althaus. Heute seien ein dauerhafter freier Zugang und die Sicherung des Inventars mitunter schwer vereinbar. Das führe zu temporären Schließungen von Kirchen und damit sinke auch die Bedeutung der Gotteshäuser als besuchbare Gebäude. Eine Profanierung bedeute jedoch immer einen unumkehrbaren Einschnitt in die Geschichte und das Leben einer Gemeinde.
Mag. theol. Theresa Oesselke (ThF) widmete sich in ihrem Vortrag „Zwischen Abschied und Neubeginn: Emotionen bei Kirchenumnutzungen wahrnehmen, verstehen und fördern“ psychologischen Aspekten. Sie plädierte für eine transparente Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit als Teil des Weges und um die betroffenen Menschen mitzunehmen.
„Kirchen sind Möglichkeitsräume“
Regierungspräsident a. D. Hans-Josef Vogel sprach in seinem Beitrag „Die „Kirche im (digitalen) Dorf“ gesellschaftliche Aspekte an. Maß, Mitte und Mitverantwortung seien zentrale Begriffe, die unsere Gesellschaft prägen müssten. Allerdings fehlten uns heute noch Antworten auf drängende Fragen rund um die Digitalisierung und den demografischen Wandel. Bezogen auf die Zukunft von Kirchengebäude machte Vogel Mut: „Kirchen sind heute Möglichkeitsräume für die Öffentlichkeit und städtebaulich notwendige Orte. Wir haben die Chance, sie neu zu denken und die jeweils beste Nutzungsperspektive zu finden.“
Im zweiten Teil der Veranstaltung stellte Dr. Bettina Heine-Hippler (LWL) den Bezug zu Kirchengebäuden und Denkmalpflege her.
„Beispiele gelungener (?) Umnutzung“ lautete der Titel des Vortrags von Dipl.-Ing. Andreas Borgmann, Team Immobilienberatung (Bauen) im Erzbischöflichen Generalvikariat. Er gab Einblicke in die unterschiedlichen Herausforderungen bei der Umnutzung von Gebäuden.
Auf die Vorträge folgte ein intensiver Austausch im Plenum und die Teilnehmenden nutzten die Möglichkeit, sich aktiv in die Diskussion einzubringen.