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© FamVeld / Shutterstock.com
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Landesregierung kürzt Kita-Finanzierung

Ein Schlag ins Gesicht für Familien und Träger: Während Kosten steigen und steigen, senkt das Land die KiBiz-Pauschalen für die Kitas. Trägerverbund warnt vor spürbaren Einschränkungen.

Die WIR-KITAs gem. GmbH, Träger von mehr als 175 katholischen Kindertageseinrichtungen im Erzbistum Paderborn und ebenso die Katholischen Kitas Ruhr mit weiteren über 150 Kitas, reagieren mit Unverständnis und scharfer Kritik auf den aktuellen Erlass der Landesregierung zur Kita-Finanzierung. Das Land Nordrhein-Westfalen hat die sogenannte Fortschreibungsrate gemäß KiBiz für das Kindergartenjahr 2026/2027 auf ein historisches Minus von 0,14 Prozent festgesetzt. Dadurch sinkt im kommenden Kita-Jahr die KiBiz-Pauschale, während die Kosten steigen. Für die Familien in den Regionen Hamm, Soest, Hochsauerland, Olpe und Siegen sowie in der Region in und um Dortmund und Hagen ist die Botschaft aus dem Erlass der Landesregierung ambivalent, für die Mitarbeitenden jedoch ein verheerendes Signal. Die WIR-KITAs stellen klar: „Wir werden unseren gesetzlichen Versorgungsauftrag erfüllen und den Rahmen wahren – darauf können sich die Eltern verlassen. Matthias Faßmann, Geschäftsführer der KATHOLISCHEN KITAS RUHR ergänzt aber an die Adresse der Landesregierung: „Die angekündigte Überbrückungshilfe von 90 Millionen Euro wird als Rettungsschirm bezeichnet, reicht in der Praxis jedoch bei weitem nicht aus, um die realen Mehrkosten auszugleichen. Sie ist kein nachhaltiger Schutz für Kitas, Familien und Mitarbeitende.“

Die Finanzierungslücke wirkt sich direkt als Belastung auf die Beschäftigten in den Kitas aus

Doch die Politik verschließt komplett die Augen vor der Realität: Es klafft ein eklatanter Unterschied zwischen der ‚gesetzlichen Theorie‘ im Ministerium und der ‚täglichen Praxis‘ in den Kitas. Die Finanzierungslücke wirkt sich direkt als Belastung auf die Beschäftigten in den Kitas aus. Dies zerstört langfristig genau das Vertrauen, das Eltern brauchen, wenn sie uns ihre Kinder anvertrauen“, so die Verantwortlichen der WIR-KITAs gem. GmbH mit Sitz in Meschede in einer jetzt veröffentlichten Medieninformation. Ähnlich lautet auch die am 6. Februar veröffentlichte Stellungnahme der Katholischen Kitas Ruhr.

Für die Trägerverbünde grenzt die Entscheidung aus dem Düsseldorfer Familienministerium also an Realitätsverweigerung. Die Landesregierung verweist zwar auf eine freiwillige Überbrückungshilfe von 90 Millionen Euro, doch eine interne Analyse der WIR-KITAs entlarvt dies als „reinen Tropfen auf den heißen Stein“.

Wir sind nicht nur enttäuscht, wir sind schockiert!

Michael Stratmann

„Wir sind nicht nur enttäuscht, wir sind schockiert“, erklärt Michael Stratmann, Geschäftsführer der WIR-KITAs. „Das Land vermittelt der Öffentlichkeit das Bild, man würde ‚zig Millionen‘ zusätzlich in das System pumpen. Die Wahrheit sieht anders aus: Wenn man die 90 Millionen Euro auf die rund 10.700 Kitas in NRW herunterbricht, bleiben pro Einrichtung keine 8.500 Euro übrig. Gleichzeitig steigen allein die Personalkosten durch Tarifabschlüsse und die Inflation bei den Sachkosten im Schnitt pro Kita um mehr als 22.000 Euro. Das ist kein ‚Rettungsschirm‘, das ist ein Minusgeschäft, das die Träger in die Knie zwingt. Hier wird Sparen als Wohltat verkauft – das ist reiner Zynismus und gleicht politischen Taschenspielertricks.“

Dass WIR-KITAs und die Katholischen Kitas Ruhr mit dieser Warnung nicht alleinstehen, zeigt der Blick auf die gesamte Freie Wohlfahrtspflege in NRW, bei der lichterloh die „Hütte brennt“. Auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) warnt landesweit vor einem Kollaps der sozialen Infrastruktur und sah sich in Teilen von NRW – wie etwa in Ostwestfalen – bereits gezwungen, über die Rückgabe von Trägerschaften an die Kommunen zu diskutieren, weil die Defizite nicht mehr tragbar sind. Der Paritätische Wohlfahrtsverband NRW schlägt ebenfalls Alarm: Er sieht insbesondere für hunderte Elterninitiativen und kleine Träger akute Insolvenzgefahr, da diesen die Rücklagen fehlen, um die staatliche Unterfinanzierung auch nur ansatzweise zu puffern. Auch im benachbarten Bistum Münster warnte Generalvikar Klaus Winterkamp kürzlich davor, dass in mancher Kita „die Lichter ausgehen“, wenn das Land nicht nachbessert – dort wird für 2026 mit einem Defizit im zweistelligen Millionenbereich gerechnet.

„Wir sehen in ganz NRW, dass selbst große, professionelle Trägerstrukturen – ob kirchlich, AWO oder Paritätisch – dieses Staatsversagen nicht mehr kompensieren können“, so Stratmann.

Die Absenkung der Pauschalen basiert auf einer starren Berechnungsmethodik, die den tatsächlichen Kostenentwicklungen hinterherhinkt. Während die Gehälter der pädagogischen Fachkräfte 2025 um 3 Prozent gestiegen sind und ab Mai 2026 um weitere 2,8 Prozent steigen – Geld, das den Mitarbeitenden für ihre harte Arbeit zusteht –, zieht sich das Land faktisch aus der Refinanzierung zurück und senkt die Mittel ab, anstatt sie zu erhöhen.

Was wir hier erleben, ist ein staatlich verordneter Qualitätsabbau.

Sebastian Schrage

Sebastian Schrage, ebenfalls Geschäftsführer der WIR-KITAs, warnt eindringlich vor den Folgen für die Familien in der Region: „Wir wollen verlässliche Partner für Eltern und Kinder sein. Aber wenn die Landesregierung uns systematisch die finanzielle Basis entzieht, können wir keine Wunder vollbringen. Auch die Rücklagen der WIR-KITAs sind nach Jahren der Unterfinanzierung restlos aufgebraucht. Wir können nicht Geld ausgeben, das wir nicht haben. Was wir hier erleben, ist ein staatlich verordneter Qualitätsabbau.“ Auch Thorsten Böger, zweiter Geschäftsführer des Trägerverbundes Katholische Kitas Ruhr, warnt vor den Folgen für Familien: „Eltern stehen heute unter großem Druck und sind auf verlässliche Betreuungsangebote angewiesen. Sie vertrauen uns täglich ihr Wertvollstes an – ihre Kinder. Umso schmerzhafter ist es, dass politische Rahmenbedingungen dazu führen, dass Einschränkungen wahrscheinlicher werden. Wir stehen fest an der Seite der Familien und setzen uns für die Verlässlichkeit ein, die sie brauchen.“

Die Trägerverbünde fordern die Landesregierung auf, die „KiBiz-Systematik“, die zu solch absurden Ergebnissen wie einer negativen Finanzierungsrate in Zeiten der Inflation führt, endlich grundlegend zu reformieren und nicht erst mit der vorgelegten KiBiz-Revision für Mitte 2027.

„Das Land NRW muss sich entscheiden: Will es eine hochwertige frühkindliche Bildung, oder will es eine billige Aufbewahrung? Aktuell bestellt die Politik einen Porsche, will aber nur für einen Kleinwagen bezahlen. Die Rechnung wird nun den Trägern präsentiert – und wir sind nicht länger bereit, diese stillschweigend zu begleiten“, so Stratmann und Schrage abschließend.

Was Eltern jetzt wissen sollten: 5 Folgen der aktuellen Kita-Sparpolitik

1. System ohne Puffer

Wir garantieren als Träger selbstverständlich die Erfüllung unseres gesetzlichen Versorgungsauftrags. Doch da das Land keine Mittel für notwendige Personalreserven („Springerpools“) bereitstellt, fehlt dem System jede „Knautschzone“. Das bedeutet: Wir erfüllen die Quote, aber schon bei normalen Krankheitswellen gerät die Verlässlichkeit der Öffnungszeiten in Gefahr, weil keine Vertretungsreserven finanziert werden.

2. Zu den Lasten des Personals

Um die gesetzlichen Vorgaben trotz der Finanzierungslücke einzuhalten, müssen unsere Teams in den Kitas permanent an ihre Belastungsgrenzen gehen. Die Weigerung der Politik, reale Kosten zu decken, wird auf dem Rücken der Gesundheit unserer Mitarbeitenden ausgetragen.

3. Investitionsstau

Dringend nötige Anschaffungen (neue Spielgeräte, Möbel) oder Renovierungen müssen verschoben werden, da die Sachkostenpauschalen von der Inflation aufgefressen wurden und jeder Euro in den Erhalt des laufenden Betriebs fließt.

4. Gefahr für die Trägervielfalt

Während große Verbünde wie die WIR-KITAs noch versuchen, Lasten zu verteilen, droht kleinen Elterninitiativen oder einzelnen Kitas ohne massive kommunale Zuschüsse schlichtweg die Insolvenz.

5. Vertrauensverlust durch Realitätsverweigerung

Eltern brauchen Verlässlichkeit, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Indem die Politik die finanzielle Realität ignoriert und sich auf theoretische Modelle zurückzieht, destabilisiert sie das System. Wir kämpfen jeden Tag für Qualität, aber die Rahmenbedingungen des Landes erschweren es massiv, das notwendige Vertrauen in eine dauerhaft stabile Bildungslandschaft zu rechtfertigen.

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