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© tx02
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„Wir bringen die heilige Walburga zum Strahlen“

In der Kirche St. Walburga in Meschede im Sauerland gibt es vom 25. April bis zum 3. Mai eine Kunstinstallation zu Ehren der heiligen Walburga

„Uns war es ein Anliegen, die Reliquien der heiligen Walburga ins Zentrum zu rücken“, sagt Susanne Klinke, Künstlerin aus Meschede im Sauerland. Deshalb werde der Reliquienschrein vor dem Altar aufgebaut und nicht rechts daneben, wie es sonst zur Walburga-Oktav rund um den Jahrestag ihrer Heiligsprechung am ersten Mai der Fall ist. Wenn Klinke von „uns“ spricht, meint sie ihr Künstlerkollektiv „tx02“, das die Kunstinstallation „Inmitten schimmernder Strahlen“ vom 25. April bis zum 3. Mai in der Walburga-Kirche in Meschede verantwortet.

Der kryptische Name der Gruppe lässt sich leicht erklären: „‚Tx‘ ist die Abkürzung für Textil“, erklärt Klinke. „Und ‚02‘ ist ein Hinweis auf unser Gründungsjahr: 2002.“ Kennengelernt haben sich die Künstlerinnen und Künstler am Institut für Textilgestaltung der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Nach der Schließung des Instituts gründete sich die Gruppe, um gemeinsam textilbasierte Ausstellungen zu realisieren. „Dass dieses Material heute für Ausstellungen genutzt wird, war damals noch ganz neu“, sagt Klinke. Die 66-Jährige ist stolz darauf, dass die Gruppe mit ihrer Textilkunst erfolgreich war und ist – sie haben bereits verschiedene Preise gewonnen.

Ein Künstlerkollektiv mit textilem Schwerpunkt

Pfarrer Michael Schmitt, Leiter des Pastoralen Raums Meschede Bestwig, hatte bereits verschiedenen Installationen der Gruppe in anderen Kirchen gesehen und kannte Klinke aus seiner Gemeinde. „Ich dachte, so eine Kunstinstallation sei doch schön, wenn wir die Patronin unserer Pfarrkirche, die heilige Walburga, feiern. Also habe ich Frau Klinke darauf angesprochen“, berichtet Pfarrer Schmitt. Sie hat zugesagt und zusammen mit der Gruppe eine Installation für die Kirche entworfen.

Der ganze Chorraum wird mit Strömen aus goldenen Fäden verziert. „Diese Fäden symbolisieren für uns Lichtstrahlen, die von unten in den Himmel streben“, so Klinke. Die Strahlen entspringen in zwölf großen Bodengefäßen, die Hostienschalen und Kelchen nachempfunden sind. „Eine Schale ist ein Objekt, das gleichzeitig sammelt und wiederausgibt“, sagt Klinke. „Sie markiert einen Platz, ohne etwas zu verschließen.“ Die goldenen Ströme lenken dabei den Blick auf das Zentrum: den Reliquienschrein der heiligen Walburga. „Wir bringen die heilige Walburga zum Strahlen“, sagt Klinke.

Goldene Fäden im Chorraum

Aber was strahlt sie aus? Pfarrer Michael Schmitt muss nicht lange überlegen, um diese Frage zu beantworten: „Sie ist eine Frau des Aufbruchs, eine Frau des Gebets und eine Frau, die bereits im achten Jahrhundert eine kirchliche Leitungsposition innehatte.“ Als Nichte des heiligen Bonifatius folgte die angelsächsische Benediktinerin ihren beiden Brüdern nach Germanien, wo Willibald das Bistum Eichstätt und Wunibald das Kloster Heidenheim gegründet hatte. Nach Wunibalds Tod übernahm Walburga die Klosterleitung und baute es zu einem wichtigen Missionszentrum und Doppelkloster aus. Sie war also gleichzeitig Äbtissin eines Männer- und eines Frauenklosters – und wurde damit zu einer der bedeutendsten Frauen ihrer Zeit.

Bekannt war sie auch für ihre Frömmigkeit. Einer Legende nach betete sie auf der stürmischen Überfahrt von England nach Deutschland, sodass der Sturm abflachte und die Reisenden ihr Ziel sicher erreichten. Was sie tat, tat sie immer aus voller Überzeugung und mit Zuversicht, sagt Pfarrer Schmitt. „Das kann uns heute ein Vorbild sein.“

Heilige sind eine Brücke zwischen Himmel und Erde.

Pfarrer Michael Schmitt

Warum Walburga bis heute verehrt wird

Hinzu kommt, dass die heilige Walburga bereits seit mehr als 1100 Jahren in Meschede verehrt wird. Die Reliquien der Heiligen gelangten bereits wenige Jahrzehnte nach der Erhebung der Gebeine im Jahr 871 vom oberbayerischen Eichstätt in den Hochsauerlandkreis. Pfarrer Schmitt scherzt: „Die heilige Walburga war noch nicht ganz tot und wir haben sie schon verehrt.“ Eine Urkunde aus dem Jahr 959 bezeugt das Patrozinium der heiligen Walburga für die damalige Stiftskirche.

„Heilige sind eine Brücke zwischen Himmel und Erde“, sagt Pfarrer Schmitt. „Sie zeigen, dass es Hoffnung auch über das Diesseits hinaus gibt.“ Die Kunstinstallation könne dazu beitragen, einen Funken dieser Hoffnung für die Menschen erfahrbar zu machen. „Wer sich die Installation anschaut, hat Zeit in sich hineinzuhören und darf einfach nur sein“, sagt Klinke. Die Künstlerin würde sich freuen, wenn die Menschen aus der Kirche rausgehen und sagen: „Das tat mir gut.“

Termine rund um die Installation

Zu den Künstlerinnen und Künstlern, die an dieser Installation mitgewirkt haben, zählen, Birgit Reinken, Ulrike Lindner, Luise Kerstan, Vin Dietsch, Jonas Reinhold und Susanne Klinke. Die Kunstinstallation wird am 25. April aufgebaut und ist ab Mittag zu sehen. Im Anschluss an die Vorabendmesse an diesem Tag und nach dem Sonntagsgottesdienst am 26. April gibt es von Klinke eine thematische Einführung zur Ausstellung. Zum Abschluss der Walburga-Oktav findet am Sonntag, 3. Mai, eine Meditation in St. Walburga statt.

Die goldenen Fäden weisen im Chorraum auf die heilige Walburga – und vielleicht auch darüber hinaus. Denn was ist ein Lichtstrahl anderes als ein Zeichen der Hoffnung? Vielleicht nehmen die Besucherinnen und Besucher am Ende genau das mit hinaus: einen stillen Impuls, der noch ein wenig nachleuchtet.

Ein Beitrag von:
Team Redaktion

Jasmin Lobert

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