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© Photo Kozyr / Shutterstock.com
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Win-Win-Modell „kokoRU“

Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht: NRW-Schul- und Bildungsministerin Yvonne Gebauer zu Gast in der Gesamtschule Friedenstal in Herford


Erst Lampenfieber, dann Blitzlichtgewitter: Die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Friedenstal mit NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer in ihrer Mitte.pdp/Maria Aßhauer
Paderborn, 14. Februar 2019. „Wenn man Leuten hilft, spielt die Religion doch gar keine Rolle“ – dieser Satz einer muslimischen Schülerin der Gesamtschule Friedenstal in Herford bringt auf den Punkt, was der konfessionell-kooperative Religionsunterricht kann: die religiöse Toleranz in einer multi-religiösen Gesellschaft fördern. Seit dem aktuellen Schuljahr ist diese Form des Religionsunterrichts in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens und auch im Erzbistum Paderborn möglich. An der Gesamtschule Friedenstal wurde konfessionell-kooperativer Religionsunterricht – kurz: kokoRU – schon seit einigen Jahren im Modell getestet. Prominenter Besuch machte sich jetzt ein Bild davon: NRW-Schul- und Bildungsministerin Yvonne Gebauer besuchte heute die Schule und kam mit Lehrern wie Schülern, kirchlichen und politischen Vertretern ins Gespräch.      

Wie ist kokoRU entstanden? Die katholischen Bistümer Aachen, Münster, Essen und Paderborn sowie die evangelischen Landeskirchen Rheinland, Westfalen und Lippe haben im Juli 2017 eine gemeinsame Vereinbarung unterzeichnet, wonach kokoRU an Grundschulen und in der Sekundarstufe I möglich ist. Der Hintergrund: Es gibt immer weniger christlich sozialisierte Schüler, ein konfessionell homogener Unterricht ist immer schwerer durchzuführen. Die Folge war oft ein ungeregelter Religionsunterricht im Klassenverband – oder gleich der Ausfall des Religionsunterrichts. Der konfessionell-kooperative Religionsunterricht überwindet diese „rechtliche Grauzone“. Die Realisierung von kokoRU muss bei der Schulaufsicht beantragt werden, für einen Antrag sind eine Fortbildung der Religionslehrer und ein spezielles fachdidaktisches Konzept obligatorisch. Auf Antrag ist auch der Einbezug von konfessionslosen Schülern oder Schülern anderer Religionen möglich. Unterrichtet wird im Wechsel von einer Lehrkraft für katholische und evangelische Religion, um beide konfessionellen Perspektiven authentisch kennenzulernen. Die jeweils konfessionellen Lehrpläne werden dabei aufeinander bezogen.  


Gang durch die Schule mit dem stellvertretenden Schulleiter Bernd Höner: Die Architektur und Schüler-Kunst an den Wänden beeindruckten Ministerin Yvonne Gebauer sichtlich.pdp/Maria Aßhauer
Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht ermöglicht ein Nachdenken über die eigene Religiosität und eine Auseinandersetzung mit der anderen Konfession. Unter dem inhaltlichen Motto „Gemeinsamkeiten stärken – Unterschieden gerecht werden“ fördert er den Dialog und ist damit ein Beispiel gelebter Ökumene. „Der konfessionell-kooperative Religionsunterricht führt nicht nur zu einer inhaltlichen und strukturellen Stärkung. Er vertieft und erneuert zugleich den Dialog zwischen den Kirchen und den Religionslehrkräften“, erklärt Roland Gottwald, zuständiger Schulrat i.K. im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn.  

Mit ihrem Besuch in der Gesamtschule Friedenstal in Herford überzeugte sich NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer heute davon, wie kokoRU in der Praxis aussieht. In einem Gespräch mit Vertretern der Schule, der Bezirksregierung und Stadt Detmold und Vertretern der katholischen und evangelischen Kirche lernte sie, dass von den rund 800 Schülern ein knappes Viertel eine Zuwanderungsgeschichte habe. „Wir sind hier ganz unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten. Unser Name ‚Friedenstal‘ benennt nicht nur unseren Stadtteil, er ist Programm“, sagte Bernd Höner, stellvertretender Schulleiter. „Unser Religionsunterricht erreicht nicht nur christliche Schüler.“ Landeskirchenrat Fred Sobiech von der Evangelischen Landeskirche Westfalen hat gemeinsam mit Schulreferent Dr. Manfred Karsch vom Evangelischen Kirchenkreis Herford umfangreiche Erfahrungen in der Umsetzung von kokoRU gemacht. Sein Zwischenfazit: „Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht funktioniert nur über Menschen, die dafür begeistert werden. Das ist uns jetzt schon nach kurzer Zeit gelungen.“ Auch Ministerin Gebauer war sich sicher: „Je mehr Schulen sich auf den Weg machen, desto besser.“  


Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 aus unterschiedlichen Religionen und Konfessionen präsentierten ihre Auseinandersetzung mit dem Thema „Caritas/Diakonie“.pdp/Maria Aßhauer
10 Schülerinnen und Schüler des 9. Jahrgangs – evangelische, katholische und orthodoxe Christen ebenso wie Jesiden und Muslime –  erwarteten die Ministerin mit einer Präsentation von Ergebnissen aus dem konfessionell-kooperativen Religionsunterricht. Mit ein wenig Lampenfieber, aber sehr überzeugend präsentierten sie ihre Auseinandersetzung mit den Werken der Barmherzigkeit und den konkreten Formen der Caritas und Diakonie – mit der simplen Erkenntnis: Die Unterschiede zwischen katholischer Caritas und evangelischer Diakonie sind gar nicht so groß.  

Die Religionslehrer der Schule – katholische wie evangelische Kollegen – schilderten der Ministerin ihre Erfahrungen mit kokoRU. Einhelliges Fazit: Alle Lehrkräfte sind froh, dass der konfessionell-kooperative Religionsunterricht jetzt rechtlich „in trockenen Tüchern“ ist und der Unterricht nun konzeptionell systematischer angegangen werden kann. „Ich erlebe immer wieder, dass Schule für die Jugendlichen der Ort ist, an dem sie Christentum wahrnehmen. Durch kokoRU hat sich mein katholischer Fokus dahingehend verschoben, dass ich mit verschiedenen Menschen aus deren Perspektiven auf den gleichen Gegenstand schaue“, sagt Christoph Glins, katholischer Religionslehrer.

Der stellvertretende Schulleiter Bernd Höner, selber evangelischer Religionslehrer, ergänzt: „Für die Schüler werden die Gemeinsamkeiten deutlicher. Für sie ist es auch ein großer Vorteil, dass sie im Klassenverbund weiter unterrichtet werden.“ Stefanie Bonhaus, didaktische Leiterin der Schule, sieht noch einen weiteren großen Vorteil: „Religiöse Bildung als Wert an sich und der offene Umgang mit Vielfalt werden wieder zum Thema gemacht.“ Dompropst Monsignore Joachim Göbel, der die Hauptabteilung Schule und Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn leitet, fasste zusammen: „Mir ist heute deutlich geworden, dass des Ziel der Einführung von kokoRU, die konfessionelle Identität zu stärken, keine reine Theorie ist, sondern an dieser Schule in der Praxis im besten Sinn erfahrbar wird.“  


Auch Dompropst Msgr. Joachim Göbel (l.), Leiter der Hauptabteilung Schule und Erziehung im Erzbischöflichen Generalvikariat, war beim Besuch der Ministerin in Herford dabei.pdp/Maria Aßhauer
Für NRW-Schulministerin zeichnete sich also an der Gesamtschule Friedenstal in Herford ein vielfältiges und buntes Bild. Die Schule ist ein Beispiel für die circa 1.750 Schulen auf dem Gebiet des Erzbistums Paderborn, in denen mehr als 200.000 katholische Schülerinnen und Schüler in 19.000 Stunden Religionsunterricht wöchentlich religiöse Bildung erfahren. Rund 5.300 katholischen Religionslehrerinnen und -lehrern begleiten sie dabei. „Wir stärken mit dem konfessionell-kooperativen Religionsunterricht auch Schule als Ort kirchlicher Präsenz im Sinne des Zukunftsbildes für das Erzbistums Paderborn. Wir machen religiöse Bildung für die Schülerinnen und Schüler in der Schule zukunftsfähiger und unterstützen die Religionslehrkräfte fachlich und strukturell, erleichtern den Schulleitern die Unterrichtsorganisation und stellen Rechtssicherheit her. Die ökumenische Kooperation mit den evangelischen Kirchen in einem wichtigen Zukunftsfeld wird vertieft und die gemeinsame Zuständigkeit von Schulaufsicht und Kirchen für den Religionsunterricht im Sinne der „res mixta“ auf eine handlungsfähigere Basis gestellt. Das ist eine mehrfache Win-Win-Situation“, fasst Roland Gottwald vom Erzbischöflichen Generalvikariat  zusammen.      

kokoRU im Erzbistum Paderborn – eine Erfolgsgeschichte in Zahlen  

Der kokoRU ist im Erzbistum Paderborn eine Erfolgsstory: Als einziges NRW-Bistum hat es über Jahre im Dekanat Lippe und im hessischen und niedersächsischen Bistumsteil breite Erfahrungen mit dem konfessionell-kooperativen Religionsunterricht gemacht. Viele lippische Grundschulen arbeiteten seit 2005 im Modell mit kokoRU – eine langjährig eingespielte, in dieser Form bis dahin einzigartige Kooperation zwischen katholischer und evangelischer Kirche und zwischen Kirchen und Staat in NRW. Auch der kokoRU-Start nach der neuen Rechtslage ist erfolgsversprechend angelaufen: 90 Schulen im Bereich des Erzbistums Paderborn haben kokoRU zum Schuljahr 2018/2019 eingeführt, mit einer Gesamtantragszahl von 105 Schulen lag das Erzbistum Paderborn in seinem Zuständigkeitsbereich bei über 60 Prozent aller in NRW eingegangenen Anträge. Auch für das nächste Schuljahr gibt es schon viele Neuanträge: 57 für die Bezirksregierung  Arnsberg, 45 für die Bezirksregierung Detmold. Inzwischen haben mehr 200 Schulen haben innerhalb von einem Jahr kokoRU im Bereich des Erzbistums beantragt – das sind fast 15 Prozent aller Schulen. 

              

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