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© Besim Mazhiqi
© Besim Mazhiqi

„Wie wir herausfinden, ob etwas Neues ankommt? Einfach ausprobieren!“

In der Christkönig-Kirche Bestwig gestalten Ehrenamtliche seit über zehn Jahren besondere Gottesdienste und kreative Veranstaltungen. Die umgestaltete Kirche bietet Raum für neue Formen der Liturgie und Gemeinschaft.

Von der Projektkirche, die besondere Gottesdienst und Veranstaltungen betitelt, bis hin zum kreativen Themenabend: Barbara Gockel, Katja Streich und Ursula Klauke organisieren seit mehr als zehn Jahren außergewöhnliche Angebote in der Christkönig-Kirche Bestwig mit. „Wir erfahren dabei unglaublich viel Gemeinschaft“, sagen sie.

Damit verraten die drei engagierten Christinnen schon, dass ein Teil ihres Erfolgsrezeptes auch darin liegt, dass sie ihre Angebote unbedingt auch für sich selbst machen. Für Anregungen aus der Gemeinde sind sie darüber hinaus immer offen.

Begonnen hat dieser neue Weg von Gottesdienst- und Gebetsformen über die traditionelle Gemeindeliturgie hinaus damit, dass der Kirchenraum umgestaltet wurde. Dies probierte die Gemeinde erstmals vor rund 15 Jahren über zwei Jugendkirchen-Projekte aus, vor wenigen Jahren wurde die Kirche umgestaltet. Ein riesiger Vorhang deckt den Bereich des Tabernakels ab. Die alten Bänke sind Stühlen gewichen, Gottesdienste werden häufig einander zugewandt im Kreis gefeiert. Doch Raumgestaltung ist das eine, engagierte Ehrenamtliche füllen ihn mit Leben. Und nicht nur das: Außergewöhnliche Angebote bieten sie auch draußen oder im Pfarrheim in Bestwig-Velmede an.

Wie will ich Mensch sein? Angebote bedienen eine große Sehnsucht nach Sinn

Zur Projektkirche: „Farbig – sinn-voll – anders“, sind alle Veranstaltungen überschrieben, die unter diesem Titel in Bestwig laufen. „Das heißt aber nicht, dass wir in den Gottesdiensten der Liturgie nicht folgen“, betonen die drei Frauen. „Hoffnung“ sind die Gottesdienste zum Beispiel in der Fastenzeit 2025 überschrieben. Zumeist sonntagabends um 18.00 Uhr finden sie statt, viele Gedanken und Treffen gingen ihnen voraus.

Die Erfahrung soll tief sein und das ist deutlich zu spüren. Damit wären wir bei der Motivation der drei Christinnen und ihrer Mitstreiter. „Ich bin katholisch sozialisiert, über meine Mama und Oma, die Mädchengruppe, meine Jugend in der Gemeinde. Über viele weitere Angebote, die ich wahrgenommen habe, habe ich mit der Zeit eine andere Sicht auf Glauben und Kirche bekommen. Heute weiß ich: Ich entscheide mich für Jesus und Gott, weil sie barmherzig sind. Gott ist ein Gott der Liebe. Diese Liebe umfängt mich und sie will gelebt werden. Ich glaube, es gibt eine ganz große Sehnsucht bei allen Menschen über den Alltag hinaus nach Sinn, danach, wie bin ich Mensch, wie will ich Mensch sein“, sagt Barbara Gockel. Und hier setzen auch die Angebote an: „Die Lesungen und Gebete sind in unserer Sprache und sie sind in unsere Form gebracht, damit wollen wir den Blick auf die Inhalte auf unsere Weise lenken und Glauben transportieren.“

„Wir unterhalten uns vor dem Gottesdienst, dann wird es ruhig, alle sind achtsam und aufmerksam dabei und anschließend treffen sich alle wieder auf einen Tee danach am Stehtisch. Das ist sehr angenehm und wertschätzend!“

Ursula Klauke

„Wir feiern den Gottesdienst und begegnen uns danach am Stehtisch“

Die Gottesdienste ob in der Fastenzeit, als Sommerkirche draußen oder an Allerseelen und im Advent organisiert ein vierköpfiges Team, zu dem neben Barbara Gockel auch Ursula Klauke, Ruth Leibold und Liesel Henke gehören. Sie finden fast ausschließlich als Wort-Gottes-Feiern statt. „Dies auch, weil wir Laien Inhalte auf unsere Art transportieren möchten. Wir sind ein großer Teil der Glaubensgemeinschaft und haben etwas zu verkünden!“

Darüber hinaus hat sich „Kirche + Kino“ etabliert und immer wieder gibt es weitere spannende Veranstaltungen aus dieser Kooperation mit dem Verein Kultur Pur Bestwig heraus: Am Freitag, 28. März 2025, etwa gibt es ein außergewöhnliches Angebot „Konzert und Lesung“. Es spielt um 18.00 Uhr der palästinensisch-syrische Pianist Aeham Ahmad gemeinsam mit dem Gitarristen Roland Ruh.

Die Atmosphäre in der Kirche spielt eine Rolle, betont Ursula Klauke. „Ästhetik und Symbole zu finden, die sprechen, dann miteinander zu feiern, gegenübersitzend im Kreis, in der Gemeinschaft, das macht viel aus.“ Das Gotteshaus von Christkönig ist damit immer Gemeindekirche und zu bestimmten Zeiten Projektkirche. „Ja, es gibt einige Leute, die feiern lieber traditionelle Gottesdienste. Aber viele kommen andererseits regelmäßig in die Projektkirche und freuen sich, andere Inhalte und Formen zu erleben. Das wird durch Rückmeldungen aus der Gemeinde deutlich.“ Der Austausch ist ebenfalls ganz besonders: „Wir unterhalten uns vor dem Gottesdienst, dann wird es ruhig, alle sind achtsam und aufmerksam dabei und anschließend treffen sich alle wieder auf einen Tee danach am Stehtisch. Das ist sehr angenehm und wertschätzend!“

„Meine Gemeinde ist mir wichtig!“: Kreative Köpfe laden zur Mahl-Zeit, zur Auszeit und zum Gottesdienst unterwegs

Ein zweites etabliertes Angebot haben Ursula Klauke und Katja Streich gemeinsam mit Ruth Metten und Manfred Heidbreder initiiert: die „Kreativen Köpfe“, die drei bis viermal im Jahr zu besonderen Veranstaltungen einladen. Dies kann ein ruhiger Abend mit einem Bibeltext und einer einfachen Bastelaktion sein, wie jetzt in der Fastenzeit, aber auch ein „Gottesdienst unterwegs“ als Wanderangebot oder eine „Mahl-Zeit“, bei der gekocht wird.

Katja Streich erklärt: „Auch ich bin in der Gemeinde aufgewachsen, irgendwann in den Pfarrgemeinderat gerutscht und habe dadurch immer schon Veränderungsprozesse mitbegleitet, unter anderem das erste Konzept für unseren damaligen Pastoralverbund mitentwickelt. Jetzt genieße ich es, weg von der Gremienarbeit, kreativ mitzuwirken. Und dann kam uns die Idee für die Kreative Pause. Ich hatte das Gefühl, ich muss mich auf den Weg machen und herausfinden, was brauchen die Menschen heute. Mir ist mein Glaube wichtig, natürlich, und mir ist auch meine Gemeinde wichtig! Jetzt biete ich das an, was mir selbst Spaß macht und wozu ich auch Zeit habe. Beides muss passen.“  Ursula Klauke ergänzt: „Wir wollten bewusst Anknüpfungspunkte gestalten, die auch uns gefallen, anstatt ein Programm abzuarbeiten.“

Projektkirche Christkönig in Bestwig, im Vordergrund drei der Gestalterinnen © Sonja Funke
"Die Gemeinde ist wirklich offen, was zu machen, das merken wir besonders in Sommerkirche oder jetzt zu Ostern. Die Einladung hinterher noch dazubleiben und zusammenzustehen, wird gut angenommen“, so Katja Streich.

„Ich bin froh, dass es diesen Ort gibt!“

Ihr Erfolgsgeheimnis beschreiben die Drei so: „Dinge aufgreifen, der Ideenentwicklung den nötigen Raum geben und gemeinsam gestalten. Welche Botschaft haben wir in diesem Advent, diesem Sommer, wie soll der Kirchenraum aussehen?“ Gemeindereferentin Ursula Klauke ergänzt: „Wer kann denn heutzutage noch sagen, er weiß, wie es geht? Wir überlegen zusammen, was ist uns wichtig, und dann heißt es ausprobieren!“ Herausragend war für sie, als 2022 und 2023 eine Königsfigur des Bonner Diakons Ralf Knoblauch zu Gast in der Gemeinde war. „Dem König und seiner besonderen Botschaft von der Würde jedes Menschen zu begegnen, ihn weiterzugeben, miteinander ins Gespräch zu kommen, das war ganz besonders.“

„Wir schauen auf das Erlebte, nicht auf die Besucherzahlen.“

Und was ist eher nicht so gut besucht? „Wir haben erfahren, dass sich viele schwertun, sich zu inhaltlichen z. B. biblischen Angeboten anzumelden, für solche Angebote sind die Anmeldungen eher gering. Aber wir messen Erfolg nicht an Teilnehmerzahlen, sondern schauen auf das Erlebte. Dann kann ein Abend mit sechs Teilnehmenden genauso erfüllend sein wie mit sechzig! Die Gemeinde ist wirklich offen, was zu machen, das merken wir besonders in Sommerkirche oder jetzt zu Ostern. Die Einladung hinterher noch dazubleiben und zusammenzustehen, wird gut angenommen.“ Die Besucher packen mit an, beteiligen sich aktuell am Erstellen der Osterkerze, bringen selbst Dips mit. „Es ist so einfach, Gemeinschaft zu leben, weil man sich hier so zu Hause fühlt. Der Kirchenraum ist nicht mehr fremd und die Gemeinde hat so die Hemmschwelle vor den Leiterinnen und dem Kirchenraum abbauen können. Man ist nett miteinander“, sagt Katja Streich und strahlt.

Ohne ihre engagierte und immer aufgeschlossene Gemeindereferentin würden sie das alles aber gar nicht machen können, betonen Barbara Gockel und Katja Streich noch einmal ganz bewusst. Und Ursula Klauke ihrerseits erwidert: „Ich bin froh, dass es diesen Ort gibt!“

Ein Beitrag von:
Sonja Funke
Redakteurin

Sonja Funke

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