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© Maria Aßhauer / Erzbistum Paderborn
© Maria Aßhauer / Erzbistum Paderborn

Wenn Worte zum Beginn einer neuen Wirklichkeit werden

Gebetstag für Betroffene sexualisierter Gewalt: Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz feiert im Hohen Dom Gottesdienst mit Betroffenen und UAK-Mitgliedern

Der 18. November ist der jährliche Gebetstag für Betroffene sexualisierter Gewalt. Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz feierte am Dienstagabend im Hohen Dom einen Gottesdienst mit Betroffenen und Mitgliedern der Unabhängigen Aufarbeitungskommission (UAK) sowie vielen weiteren Gläubigen. Der Gottesdienst war Teil der gemeinsamen Dunkelfeldinitiative von Erzbistum Paderborn und Betroffenenvertretung. „Jesus hat den Menschen, die Heilung von ihm erhofften, einen geschützten Raum geschaffen und gefragt: ‚Was willst du, dass ich dir tun soll?‘. Das muss auch unser Maßstab sein“, sagte Erzbischof Dr. Bentz in seiner Ansprache.

Texte, inhaltliche Impulse, Musik und Momente der Stille verliehen dem Gottesdienst in der Paderborner Bischofskirche seinen besonderen Charakter. Die Atmosphäre war geprägt von der Gottesdienstgemeinschaft aus Betroffenen, Erzbischof Dr. Bentz, den Teams Prävention und Intervention im Erzbischöflichen Generalvikariat und den Mitgliedern der Unabhängigen Aufarbeitungskommission. Viele weitere Menschen waren zum Gottesdienst gekommen, die mit ihrem Dabeisein ein „Zeichen der Solidarität“ setzten, für das Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz dankte.

Gottes Wort sagt: Ich will, dass du lebst!

Passend zur Dunkelfeldinitiative trug Manuela Koritensky vom Team Intervention im Gottesdienst der Beginn des Johannes-Evangeliums vor: vom Wort Gottes, das am Anfang war und als Licht von der Finsternis nicht ausgelöscht werden kann. In seiner Ansprache machte der Paderborner Erzbischof deutlich, dass bei Menschen ein Wort der „Beginn einer neuen Wirklichkeit“ sein könne – Worte wie „Ich höre dir zu, ich habe Zeit für dich, hier bist du sicher“.

„Gottes Wort ist längst gesprochen, das uns zusagt: ‚Ich will, dass du lebst. Denn ich habe dich ins Dasein gerufen und du bist mir nicht gleichgültig‘“, führte der Paderborner Erzbischof weiter aus. „Ich glaube fest daran, dass es möglich ist, so aus dem Schatten der Vergangenheit herauszutreten, ins Licht zu kommen und vielleicht Heilung zu finden“, ermutigte Erzbischof Dr. Bentz die Betroffenen. „Ich weiß auch: Die Wahrheit ans Licht zu bringen, kostet zunächst unglaublich viel Kraft, aber dann erlebt man auch ihre befreiende Wirkung. Unsere Dunkelfeldinitiative soll einen Raum öffnen, in dem Menschen sich zeigen dürfen und die Erfahrung machen können: Selbst in der dunkelsten Dunkelheit kann Licht aufleuchten.“

„Es ist wichtig, ohne Abstriche aufzudecken, wenn es um Schuldige geht. Und behutsam und sensibel zu helfen, wenn es um Betroffene geht“, fasste Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz zusammen. Zum Abschluss seiner Ansprache blickte der Paderborner Erzbischof auf das Hoffnungskreuz des Heiligen Jahres, vor dem der Gottesdienst gefeiert wurde: „Mir sagt dieses Kreuz: Die Vergangenheit hat nicht das letzte Wort. Es gibt Licht, Heilung und einen Weg aus der Finsternis des Leides.“

Kinder brauchen Schutz

Reinhold Harnisch, Sprecher und Vorsitzender des Vorstandes der Betroffenenvertretung, schlug die Brücke zum Mahnmal, das in den nächsten Wochen im Atrium des Paderborner Domes entsteht: „Das Mahnmal mit dem Titel ‚Memory‘ mit 25 Quadraten zum ‚Aufdecken‘ ruft zur aktiven Auseinandersetzung auf. ‘Vom Denkmal über das Mahnmal zum Mach-mal‘ ist die Idee, die hinter dem Konzept steht“, erklärte Harnisch. Gemeinsam mit seinen beiden Vorstandskollegen Burkhardt Stutenz und Michael Heltner präsentierte Harnisch mögliche Inhalte wie ein persönliches Foto und einen Text für die Kacheln des Mahnmals. „Kinder brauchen Schutz – gestern, heute und morgen. Das ist die Botschaft des Mahnmals bis in die Gesellschaft hinein“, machte Stutenz deutlich. Heltner betonte das Recht von Kindern „geliebt und beschützt“ zu werden und forderte: „Verantwortung statt Vertuschen“.

Anna Meermeyer-Decking vom Team Prävention brachte den Text „licht“ zu Gehör, in dem in einem Dialog mit Gott ein betroffener Mensch „noch im Schatten seiner Erinnerung“ sitzt und den Schritt ins Licht fürchtet. Die Fürbitten, die Karin Schniedermeier vom Team Intervention vortrug, nahmen wieder eine klare Ermutigung in den Blick – unter anderem mit der Bitte, dass Räume des Vertrauens geschaffen werden können. Mit dem Vater unser und dem Abschlusssegen durch Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz endete der gemeinsame Gedenkgottesdienst im Dom.

Solidarität mit Betroffenen sichtbar machen

Schon 2024 gab es im Paderborner Dom am Gedenktag einen Gottesdienst im Rahmen der Dunkelfeldinitiative. „Wir feiern diese Gedenkfeier gemeinsam mit betroffenen Menschen und den Mitgliedern der Aufarbeitungskommission. Der Umgang mit Missbrauch ist eine Gemeinschaftsaufgabe: Der Dialog mit den Betroffenen und eine konsequente Aufarbeitung gehören für uns zusammen“, erklärt Thomas Wendland, Interventionsbeauftragter des Erzbistums Paderborn.

Am Montagabend diskutierten Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, Vorstandsmitglieder der Betroffenenvertretung und weitere Fachleute auf einem Digital-Podium die Frage, wie Betroffene unterstützt werden können. Zudem wurden alle Kirchengemeinden im Erzbistum eingeladen, in den Gottesdiensten am Sonntag vor oder nach dem 18. November eine Kerze zu entzünden – für die Erhellung des Dunkelfeldes und für die Solidarität mit den Betroffenen.

Dunkelfeldinitiative - Aus dem Dunkel ans Licht

Die Dunkelfeldinitiative ist eine gemeinsame Aktion der Betroffenenvertretung und des Erzbistums Paderborn. Sie hat das Ziel, das Schweigen über sexualisierte Gewalt zu brechen und Räume zu schaffen, in denen Betroffene gehört, ernst genommen und unterstützt werden. Der Name „Dunkelfeld“ verweist auf jene Fälle, die bislang nicht bekannt sind oder gemeldet wurden.

Ein Beitrag von:
Redakteurin Team Presse

Maria Aßhauer

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