„Es ist gut, in diesen Tagen hier in Werl bei der ‚Trösterin der Betrübten‘ zu sein.“ Das sagte Erzbischof Hans-Josef Becker am Sonntag, 10. Mai 2020, im feierlichen Gottesdienst in der Wallfahrtsbasilika in Werl. In der Heiligen Messe erneuerte der Paderborner Oberhirte die Weihe des Erzbistums Paderborn und der darin lebenden Menschen an die Gottesmutter. Er entzündete die diesjährige Wallfahrtskerze, die unmittelbar neben dem in Werl verehrten Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ steht. Unter strenger Einhaltung der wegen der Corona-Pandemie geltenden Abstands- und Hygieneregelungen feierten rund 100 Gläubige den Gottesdienst in der Wallfahrtsbasilika mit, weitere konnten ihn via Live-Stream am Bildschirm zu Hause mitverfolgen.
Weite des Glaubens öffnet Enge der Herzen
Zu Beginn der Heiligen Messe sprach Erzbischof Hans-Josef Becker einen besonderen Dank an alle Menschen aus, die sich in der Corona-Pandemie für andere Menschen engagieren: „Mein Dank gilt allen Menschen, die sich für andere einsetzen in dieser Zeit, die sich einsetzen im Dienst an den Nächsten, die sich sogar so einsetzen, dass sie teilweise ihre Gesundheit und ihr Leben riskieren.“ Er lud dazu ein, Lob und Dank, aber auch Sorgen und Bitten vor die Gottesmutter zu tragen.
In seiner Predigt bezeichnete der Paderborner Erzbischof die aktuelle Corona-Pandemie als „Desaster“. Das Corona-Virus habe in wenigen Wochen viel Leid über die Welt gebracht: viele seien gestorben, das öffentliche Leben sei wie gelähmt, eine Katastrophe nicht nur für die Wirtschaft. Die Corona-Krise habe aber auch tiefer begreifen lassen, „dass wir uns nicht selbst genügen, nicht immer die strahlenden Sieger und Alleskönner sind, dass wir die anderen Menschen brauchen“, hielt Erzbischof Becker fest. Eine Lehre aus der derzeitigen Situation könne deshalb sein: „Reich ist, wer sein Glück teilt!“
Aktionismus und Dankbarkeit
Im Hinblick auf den Wunsch vieler, einen schnellen Weg zurück in die Normalität zu gehen, erklärte Erzbischof Becker, es sei möglicherweise gar nicht wünschenswert, in allem so schnell wieder „normal“ zu werden und zum „Alltagsgeschäft“ zurückzukehren. Er sehe in der Zeit der Corona-Pandemie auch „eine Zeit, in der das Interesse am anderen neu erwachen konnte und wir uns mit Respekt und Wohlwollen begegnet sind“. In der Schule, in der Kirche und in der Gesellschaft komme es darauf an, nicht schnell wieder in den alten Aktionismus zurückzufallen und so zu tun, als wäre nichts gewesen, forderte der Paderborner Erzbischof: „Das Unterbrechen der Hektik, die neue Hilfsbereitschaft und Solidarität – war das alles umsonst? Wir haben wieder gelernt, dankbar zu sein, dankbar für unsere Gesundheit, für die Gemeinschaft, die Menschen um uns herum, die unscheinbaren und einfachen Momente.“ Erzbischof Becker betonte: „Wer dankbar auf sein Leben schaut, der wird die Welt nicht mehr so leichtfertig verwüsten“.
„Ich bin da, wo du bist.“
Die Gottesmutter, die in Werl im Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ von jährlich rund 100.000 Wallfahrern verehrt wird, habe vorgelebt, dass „die Weite des Glaubens die Enge der Herzen“ öffne, hob Erzbischof Becker hervor. „Wer aus dieser Haltung heraus lebt, der weiß, wem er das Leben verdankt und der weiß, dass das ‚Normale‘ nicht einfach schon das Richtige und Wahre ist.“ Im Hinblick auf das Leitwort der Wallfahrtssaison 2020 „Ich bin da, wo du bist.“ bekräftigte der Paderborner Erzbischof: „Das ist der Name unseres Gottes. Er sagt uns: Habt keine Angst, ich werde alles zum Guten wenden, alle Betrübnis ist vergänglich. Die Macht meiner Liebe wird sich als stärker erweisen, meine Liebe bleibt! Bleiben wir in der Gewissheit, dass der Herr mit uns ist und uns segnet. ‚Ich bin da, wo du bist‘, das ist und bleibt der Name unseres Gottes.“
Erneuerung der Marienweihe
Alle drei Jahre erneuert Erzbischof Hans-Josef Becker in der Werler Wallfahrtsbasilika die Marienweihe des Erzbistums Paderborn. Nach 2011, 2014 und 2017 vertraute er auch 2020 das in Westfalen gelegene Erzbistum und die darin lebenden Menschen der Fürsprache der Gottesmutter an.
Beim Weihegebet zur Erneuerung der Marienweihe nach der Heiligen Messe stand Erzbischof Becker vor dem Werler Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ und betete: „In schwerer und herausfordernder Zeit bitten wir um deine Fürsprache und empfehlen dir unser Erzbistum Paderborn und alle Menschen, die hier leben, vertrauensvoll an.“ Die versammelten Gläubigen antworteten gemeinsam: „Du hast der Botschaft des Engels vertraut und dich trotz aller Fragen und Zweifel für die Verheißungen Gottes geöffnet.“ Der Paderborner Erzbischof betete schließlich: „Der Heilige Geist, der dich erfüllt hat, belebe auch unsere Kirche und führe sie zur Einheit! Er stärke unsere Gemeinden, damit sie in Wort und Tat den Lebenswillen Gottes für alle Menschen bezeugen!“
Marienweihe setzt besonderen Akzent
Vor dem Hochamt begrüßte Wallfahrtsleiter Dr. Gerhard Best den Paderborner Erzbischof und die rund 100 Gottesdienstteilnehmer in der Werler Wallfahrtsbasilika sowie die Zuschauer, die durch den Live-Stream im Internet den Gottesdienst mitfeierten. Es sei ein wertvolles Zeichen der Wertschätzung der Wallfahrt in Werl, dass Erzbischof Hans-Josef Becker seinen ersten öffentlichen Gottesdienst seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in der Wallfahrtsbasilika beim Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ feiere. Er sei sehr dankbar für diese Verbundenheit, sagte Wallfahrtsleiter Dr. Best. Durch die Erneuerung der Marienweihe der Erzdiözese erhalte die Marienverehrung im Hauptwallfahrtsort des Erzbistums Paderborn auch überregional einen besonderen Akzent.
Entzünden der Wallfahrtskerze
Mit dem Entzünden der Wallfahrtskerze wird die Wallfahrtssaison in Werl jährlich eröffnet – eigentlich jeweils am 1. Mai. Aber wegen der Marienweihe des Erzbistums durch den Paderborner Oberhirten wurde das Entflammen der Kerze noch ein paar Tage verschoben. Vor dem Entzünden der Kerze betete Erzbischof Becker zu Jesus Christus: „Schenke allen, die auch in diesem Jahr in ungewohnter Weise nach Werl pilgern und vor dem Bild Mariens beten, ihr Vertrauen und ihre Treue. Lass uns alle durch deine Mutter, die ‚Trösterin der Betrübten‘, Zuversicht und Trost in den vielfachen Bedrängnissen des Lebens gerade in dieser Zeit erfahren. Gestärkt durch ihre Fürsprache, lass uns dort, wo die Finsternis regiert, Zeugen deines Lichtes sein, damit die Menschen Hoffnung finden und Dir Lob und Dank sagen – heute und in Ewigkeit.“
Im Anschluss entzündete Erzbischof Becker die Wallfahrtskerze, die traditionell unmittelbar beim Gnadenbild in der Werler Wallfahrtsbasilika brennt. Damit ist die Wallfahrtssaison 2020 in Werl jetzt auch offiziell eröffnet.
Die Heilige Messe in der Wallfahrtsbasilika wurde durch den Sologesang von Nadja Dust und von Werner Rickert an der Orgel musikalisch gestaltet. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden von der Gottesdienstgemeinde keine Lieder gesungen, dennoch war es ein „festlich westfälischer Gottesdienst“, wie Wallfahrtsleiter Dr. Gerhard Best ankündigte.
Vollständiges Weihegebet – Erzbischof und Gemeinde im Wechsel
Erzbischof: „Wir grüßen dich, Maria, Mutter unseres Herrn und Bruders Jesus Christus. In schwerer und herausfordernder Zeit bitten wir um deine Fürsprache und empfehlen dir unser Erzbistum Paderborn und alle Menschen, die hier leben, vertrauensvoll an, wie es in der Feier der Marienweihe schon seit Generationen guter Brauch ist.“
Gemeinde: „Du hast der Botschaft des Engels vertraut und dich trotz aller Fragen und Zweifel für die Verheißungen Gottes geöffnet. Sein Wort ist in dir auf fruchtbaren Boden gefallen. Du hast Jesus geboren, der uns das gütige Angesicht Gottes gezeigt hat. Den Mut und die Treue deines Glaubens hat der himmlische Vater anerkannt und dich in seine ewige Gemeinschaft aufgenommen. Mit deiner Verwandten Elisabeth sprechen wir: ‚Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.‘“
Erzbischof: „Heilige Maria, du bist uns Vorbild im Glauben. Wir reihen uns ein in die große Schar derer, die seit Jahrhunderten zu deinem Bild nach Werl pilgern. Hier verehren wir dich als „Trösterin der Betrübten“ und empfehlen dir alle Menschen, die deines Trostes bedürfen. Wir vertrauen auf deine Fürsprache beim Vater und bitten dich für alle, um die wir in Sorge sind.“
Gemeinde: „Wende dich den Menschen zu, die wir lieben und die zu uns gehören! Tritt bei Gott, unserem Vater, ein für unsere Kinder und Jugendlichen, damit sie einen guten Weg ins Leben finden! Frieden und Gerechtigkeit erbitte allen, die unter Gewalt und Unrecht leiden und denen die Teilhabe an einem menschenwürdigen Leben verwehrt wird! Wir empfehlen dir alle an Leib und Seele kranken Menschen und all jene, die schwer an der Last ihres Lebens tragen.“
Erzbischof: „Der Heilige Geist, der dich erfüllt hat, belebe auch unsere Kirche und führe sie zur Einheit! Er stärke unsere Gemeinden, damit sie in Wort und Tat den Lebenswillen Gottes für alle Menschen bezeugen!“
Gemeinde: „Wir grüßen dich, Maria, und danken Gott, der dich uns als Schwester im Glauben und als lebendiges Zeichen seiner Nähe geschenkt hat. IHM sei Lob und Ehre heute und in Ewigkeit! Amen.“
Marienwallfahrt Werl
Vor über 350 Jahren, im Jahr 1661, gelangte durch die Vermittlung des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Maximilian Heinrich das Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ nach Werl. Zuvor war es in der seit der Reformation evangelischen Kirche St. Maria zur Wiese in Soest verehrt worden. Damit begann in Werl die bis heute lebendige Marienwallfahrt. Werl ist einer der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte der Bundesrepublik. Die Werler Madonna zählt zu den schönsten Mariendarstellungen Europas. Unter Papst Pius X. wurde das Gnadenbild 1911 gekrönt. Die Krone ist ein kostbares Schmuckstück, das die Madonna lediglich zu hohen Feiertagen trägt.
Traditionell wird jährlich am 1. Mai die Wallfahrtszeit zum Werler Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“, das in der Wallfahrtsbasilika verehrt wird, eröffnet. Bis zum Abschluss der Wallfahrtssaison am Hochfest Allerheiligen (1. November) kommen rund 100.000 Menschen als Pilger in den bekannten Marienwallfahrtsort des Erzbistums Paderborn. Im Jahr 2011, als das 350-jährige Jubiläum der Wallfahrt zum Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ begangen wurde, besuchten rund 200.000 Wallfahrer den Marienwallfahrtsort: Pilger aus dem ganzen Erzbistum Paderborn und darüber hinaus hatten an zahlreichen Pilgermessen, Pilgerandachten und Lichterprozessionen im Jubiläumsjahr teilgenommen.
170 Jahre lang hat der Franziskanerorden die Wallfahrt in Werl betreut. Am 1. September 2019 wurden die Franziskaner von Erzbischof Hans-Josef Becker aus dem Marienwallfahrtsort verabschiedet und zugleich wurde vom Paderborner Erzbischof ein diözesanes Wallfahrtsteam eingeführt, das die Seelsorge für die Wallfahrer zum Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ übernimmt.