Es ist Montag, 11 Uhr am Morgen. Maria kommt gerade aus dem Kunstunterricht. Sie lebt und arbeitet in einem Mädcheninternat in Petén, gemeinsam mit fünf Frauen des Instituts St. Bonifatius und ihrer Mitfreiwilligen Johanna, die inzwischen auch ihre Freundin ist. Die 13- bis 18-jährigen Schülerinnen, die aus den ärmsten Teilen der Bevölkerung hierherkommen, um im Internat Grundbildung und Verpflegung zu finden, unterrichtet Maria in Kunst, Musik und Englisch, nachmittags gibt sie Computer- und Handwerkskurse. Vor einem Jahr noch saß sie selbst auf der Schulbank. Jetzt steht sie in ihrem Gästezimmer zwischen Schreibtisch und Schrank, darauf ihr schwarzer Reisekoffer. Über dem Bett hängt eine Reihe Fotos von zu Hause – gleich am ersten Tag hier angebracht.
In den Wochen vor ihrem Aufbruch ans andere Ende der Welt überkamen Maria Zweifel: „Es war alles so schön mit meiner Familie und meinem Freund – da habe ich mich gefragt: Warum gehst du jetzt?“ Im Bauch eine tiefe Traurigkeit, die Hände tagelang klamm. Zugleich spürte sie das Bedürfnis, sich aufzumachen, um etwas zu bewegen und Erfahrungen zu sammeln. Bestärkt von ihren Eltern hatte sich Maria um einen internationalen Freiwilligendienst im mundus Eine Welt e.V. beworben. „Eigentlich wollte ich ein Projekt in Namibia unterstützen. Dann habe ich bei einem Vorbereitungstreffen Johanna kennengelernt, die ein spanischsprachiges Land besuchen wollte.“ Als die mundus-Freiwilligen in einem Videomeeting aushandelten, wer sich in welchem Projekt engagiert, sagte Maria, der Johanna die gemeinsame Entscheidung überlassen hatte, mit klopfendem Herzen: „Wir gehen nach Guatemala.“