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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Die Kirche muss den Menschen etwas geben

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Kein anderes Gebäude weit und breit

Die im Bürener Land zwischen Lichtenau und Blankenrode, zwischen Husen und Holtheim gelegene Annenkapelle ist umgeben von Gottes freier Natur. Kein anderes Gebäude weit und breit. Dies war aber nicht immer so. Im Mittelalter stand an dieser Stelle eine Siedlung. Das Dorf Amerungen, von dem die Annenkapelle ihren Zweitnamen Amerunger Kapelle hat, wurde aber schon im 13. Jahrhundert verlassen. Letztes Relikt war eine Pfarrkirche, doch auch diese verschwand um das Jahr 1500. Später wurde im ehemaligen Amerungen eine erste Annenkapelle gebaut. Als auch diese verfallen war, ließ der Paderborner Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg im Jahr 1669 eine neue Kapelle errichten, die bis heute erhalten ist.

In der Kapelle Platz finden

Doch beinahe hätte auch dieser Bau das Los seiner Vorläufer geteilt und wäre verschwunden – zwar nicht baulich, aber aus dem Bewusstsein der Menschen. Fanden sich Anfang der 1980er-Jahre zum Annentag um die 2000 Besucherinnen und Besucher an der kleinen Kapelle am Waldrand ein, war die Schar der Pilgernden Mitte der Nullerjahre auf 200 Seelen zusammengeschrumpft. Einer der Anwesenden meinte gar, bald würden alle Pilgerinnen und Pilger in der Kapelle Platz finden. Dann sei es aus und vorbei mit dem Annentag und wohl auch mit der Annenkapelle – zumal diese an allen anderen Tagen des Jahres verschlossen war.

Für die Menschen zugänglich wird

Diesen Zustand wollte Josef Dissen nicht hinnehmen. „Wenn es schon nicht gelang, den Annentag als Wallfahrt zu erhalten, wollte ich zumindest dafür sorgen, dass die Annenkapelle für die Menschen zugänglich wird.“ Seither kümmert er sich in ehrenamtlicher Arbeit um die Kapelle. An allen Sonn- und Feiertagen nimmt er den Weg auf sich, sperrt sie morgens auf und abends wieder zu, hält das Gebäude in Schuss, räumt abgebrannte Kerzen ab und füllt neue nach, übernimmt im Sommer die Mäharbeiten und sorgt dafür, dass sich alle an das Zufahrtsverbot halten und ihre Autos auf dem 400 Meter entfernten Parkplatz abstellen. Bei gehbehinderten Personen – hier kommen westfälischer Pragmatismus und ein gewisser anarchischer Zug zusammen – drückt Dissen jedoch ein Auge zu. Auch für Führungen ist Josef Dissen der richtige Mann, als Ortsheimatpfleger kennt er die Geschichte des Gebäudes und der Wüstung aus dem Effeff.

Zustrom aufs ganze Jahr verteilt

Unterstützt wird er bei allen Aktivitäten von seiner Frau Doris. „Ohne den Rückhalt meiner Familie könnte ich mir ein so zeitintensives Hobby wie die Annenkapelle nicht leisten“, meint Josef Dissen, der sich zusätzlich zu seiner Zeitspende mit finanziellen Mitteln am Erhalt der Annenkapelle beteiligt. So floss der Verkaufserlös aus seinen Gedichtbänden – das Multitalent Dissen ist auch als Lyriker publizistisch tätig – in Anschaffungen für die Annenkapelle. Unter anderem hat der enthusiastische Ehrenamtler 17 Sitzbänke gestiftet. Nur Abfalleimer will Josef Dissen nicht finanzieren, und das aus gutem Grund: „Ein Mülleimer zieht Müll an. Hier steht keiner, also werfen die Menschen keine Abfälle in die Landschaft.“

Mehr als ein Dankeschön erwartet Josef Dissen nicht für sein Engagement. „Der größte Lohn für mich ist, dass immer mehr Menschen diesen Ort für sich entdecken“, sagt er. „Früher kamen am Annentag Tausende Menschen. Heute ist der Zustrom größer, nur verteilt er sich aufs ganze Jahr.“

Annenkapelle bei Lichtenau

Hier finden Sie weitere Informationen über diesen besonderen Ort.

Annenkapelle bei Lichtenau

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