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© Birgit Engel
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„Von sich aus geben…“

„Auf eine Kaffeelänge mit …“ Rainer Müller vom Krankenhausfunk in Attendorn

Innerhalb unserer Reihe „Auf eine Kaffeelänge mit …“ treffen wir uns regelmäßig mit einer Person aus dem Erzbistum Paderborn, um die Vielfalt der engagierten Menschen abzubilden. Einzige Vorgabe der Zusammenkunft: Das Treffen endet, sobald die Kaffeebecher geleert sind. Diesmal haben wir uns mit Rainer Müller getroffen. Seit fast 30 Jahren ist er Teil der Gruppe, die ehrenamtlich den Krankenhausfunk KRA2 in Attendorn betreibt.

Der Weg zum Studio führt über einen Nebeneingang. Der Raum umfasst nicht mehr als 15 Quadratmeter. Ansonsten steht der Trakt leer, ehemals wurde hier gekocht und gebacken. Die deckenhohen Regale sind vollgestopft mit Tonträgern. Vor dem Fenster steht das technische Equipment. Mischpult, Mikrophone, ein CD-Player mit Kassettendeck und ein Plattenspieler, alle etwas in die Jahre gekommen, der Sender finanziert sich selbst. „Wir haben noch viel mehr Zeugs. Sämtliche Sendungen und ein Archiv mit über 50.000 Vinyls. Früher hatten wir so viel Platz, wie wir brauchten“, sagt Rainer Müller.

Früher, das war die Zeit, als das Krankenhaus in kommunaler Hand lag und St. Barbara hieß. Als die Ordensschwestern der Kongregation der Christlichen Liebe aus Paderborn die Pflege innehatten und direkt nebenan eine Pflegeschule mit Internat betrieben wurde. Um die Zweitausenderjahre Jahre kaufte die Rhön-Klinikum AG das Krankenhaus. Heute gehört es zur Helios-Klinik-Gruppe. „Mit dem Verkauf ging es nur noch um Gewinnmaximierung. Die Schwesternschule wurde geschlossen, das Gebäude, in dem auch wir waren, veräußert. Man kann heute das Gefühl haben, nicht gewollt zu sein. Das tut schon ein bisschen weh“, sagt Müller.

Vom Stillstehen und Wiederaufstehen

Gegründet wurde der Sender 1973 von der Katholischen Jugendgemeinde. „Die Beiträge wurden im Pfarrhaus produziert und auf Tonbandgerät aufgenommen. Dann marschierte man ins Krankenhaus und spielte alles über die Hausanlage ab“, erzählt Müller. Als Zivi hat er in St. Barbara angefangen. „Dienst an der Waffe geht für mich nicht. Niemals Gewalt gegen Menschen. Ich liebe den Frieden und die Freiheit“, sagt Müller, der nach seinem Wehrersatzdienst bei der Haustechnik von St. Barbara „einfach hängenblieb“, wie er erzählt. „Als die Rhön kaufte, bin ich gegangen. Zum KRA2 gekommen bin ich, weil wir von der Technik aus da etwas zu tun hatten. Da gab es eine tolle Truppe. Einer von diesen engagierten jungen Menschen, der eigentliche Antreiber, verstarb plötzlich und das Projekt kam zum Erliegen. Ich habe mir gedacht, da muss ich was machen.“

Erinnerungen an die Ordensschwestern

Müller kann sich gut an die Ordensschwestern erinnern. „Das Arbeiten mit ihnen war schön und hat mir viel gegeben. Sie waren ja ganz besonders mit dem Haus verbunden. Allein durch ihr Aussehen haben sie die Atmosphäre geprägt und vieles andere neben der Pflege gemacht. Ganz früher gab es noch einen Gemüsegarten und Viehzucht. Eine Schwester fuhr immer mit einem Bücherwagen durch die Flure, um den Patienten Lesestoff anzubieten“. Gerne denkt Müller an Schwester Meinrada. „Ihr gehörte die OP-Leitung und sie hat mich sehr beeindruckt. Ihr konnte keiner was vormachen. Auch die Ärzte nicht.“ Vergessen wird er nicht die Schwester, die das Internat leitete. „Sie hatte Haare auf den Zähnen. Bevor die Schülerinnen zur Arbeit gingen, mussten sie sich aufstellen, es wurden Frisur und Fingernägel kontrolliert“, lacht Müller.

Der einzige Krankenhausfunk in der Region

 KRA2 gehört zu den ältesten und ersten Krankenhausradios in Deutschland. Gab es 2007 noch über 80, sind es heute nur noch die Hälfte. „Es hat sich medial einiges verändert. Heute ist Sky auf jedem Zimmer. Jeder hat ein Smartphone. Damals gab es für die Patienten praktisch keinen Kontakt zur Außenwelt, keine Abwechslung und Unterhaltung und die Verweilzeiten waren viel länger“, sagt Müller. Was sich noch geändert hat, ist der Bekanntheitsgrad des Senders. Auch durch die Pandemie, während der man nicht ins Studio durfte. „Wir hatten immer Aushänge in den Zimmern, gingen im Haus herum und fragten nach Musik- und Grußwünschen. Das geht jetzt nicht mehr.“

Jeden Donnerstagabend ist KRA2 auf Sendung. Man präsentiert Nachrichten aus der Stadt, informiert über Veranstaltungen, bringt Interviews mit Künstlern, die in der Gegend gastieren, mit Rockbands, Theaterensembles, Comedians, Buchautoren …  Poster und Fotos an den Wänden erzählen davon. Musik- und Grußwünsche kommen per Telefon rein. Der Kern der Gruppe besteht aus sieben Personen, dazu kommen noch weitere junge Leute, die mal mehr, mal weniger dabei sind. 50 Jahre alt wird KRA2 im kommenden Jahr. Ein stolzes Jubiläum. „Hey, wir sind der einzige Krankenhaussender in der ganzen Region“, sagt Müller.

Das Hobby mit der sozialen Sache verbinden

Vieles hat sich im Attendorner Krankenhaus geändert. KRA2 ist geblieben. „Wir haben einfach Spaß am Rundfunk und wir haben Spaß daran, die Leute zu entertainen“, sagt Müller. Früher, weil es an Unterhaltung fehlte. Heute, um eine Alternative zum ewigen Fernsehen zu bieten. Und auch vom Zurückkommen kann er erzählen: die Schwestern von der Kongregation der Christlichen Liebe sind wieder da. Respektive mit Maria Thekla genau eine Schwester. „Letztendlich geht es darum, zu gestalten. Und es kommt viel Anerkennung zurück. Die Menschen begeistern, das ist das Leben und so möchte ich leben. Von sich aus geben, etwas bewegen und Freude daran haben, wenn die Menschen glücklich sind.“

Ein Beitrag von:
Freie Journalistin

Birgit Engel

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