Ich glaube ja, wir brauchen solche Menschen: Narren. Ein Narr geht seinen Weg – mit Feder, Maske und klingelndem Schritt, wegen seiner Glöckchen an der Kleidung. Er tanzt. Er lacht. Er singt. – Und: Er stört die Gewohnheit. Denn manchmal stellt er genau die Fragen, die wir sonst wegschieben.
Guten Morgen, Helau und Alaaf an diesem Karnevalssonntag. Mein Name ist Dirk Lankowski. Ich lebe im Sauerland. In der Kreisstadt Meschede. Und – auch hier hat der Karneval eine lange Tradition. Hier verbindet sich nämlich kurkölnischer Frohsinn mit westfälischem. Und deswegen singen wir hier gerne: „Westfalenland, Westfalenland ist wieder außer Rand und Band.“
Kein Rosenmontagszug
Meschede hat karnevalistisch gesehen eine Besonderheit. Es gibt hier nämlich keinen Rosenmontagszug mehr. Den letzten gab es 1939. Und davor einen im Jahr 1914. Also nur zwei in den letzten 112 Jahren. Wieso? 1914 begann der erste Weltkrieg. Und durch den Krieg ist erstmal Schluss mit dem Rosenmontagszug. Es dauert 25 Jahre, bis es wieder einen Umzug am Rosenmontag gibt. Das war 1939 – bereits durchseucht von der braunen Ideologie und Propaganda der Nazis. Später haben dann Geschichtsschreiber aus Meschede festgehalten: Wenn in Meschede der Karneval mit Umzügen auf die Straße ging, folgten bald darauf große kriegerische Auseinandersetzungen auf der Weltbühne. Und seitdem hat es keinen Rosenmontagszug mehr gegeben. Aus Aberglauben? Aus Angst? Aus Scham? Genau weiß man es nicht. Vielleicht: Weil man weiß, wie schnell eine Stimmung umschlagen kann. Wie schnell aus fröhlicher Blasmusik militärische Marschmusik wird. Und wie schnell aus Konfetti Asche. Als würde die Geschichte sagen: Passt auf, Freude und Frohsinn sind kostbar. Und Frieden ist zerbrechlich.
Ich bin nicht abergläubisch. Und die meisten Menschen hier in Meschede sicher auch nicht. Aber fast jeder kennt die Geschichte rund um die beiden Rosenmontagszüge. Und so sind sie eine bleibende Mahnung. Dennoch feiern wir hier, singen Lieder, klopfen Sprüche und erzählen Witze und spotten der Obrigkeit. Aber wir vergessen auch nicht, was passieren kann, wenn aus Worten Waffen werden. Wenn aus Spott Verachtung wird. Wenn aus „Narrenfreiheit“ Hetze wird. Manchmal ist es nur ein schmaler Grat.
Denn Worte können wie Feuer sein. Sie können wärmen – oder sie können verbrennen.
Es kommt auf meine innere Einstellung und Haltung an. Ich muss eben wissen, was ich warum tue. Will ich aufbauen oder zerstören?
Genau da setzt ein biblischer Text an, der heute in den katholischen Gottesdiensten vorgetragen wird. Da geht es auch um die eigene Einstellung und Haltung, die tiefer liegt und hinter meiner äußeren Handlung steckt: Jesus sagt da nämlich: