„Praktische Fächer“ im Fokus
Der 1. Oktober 1950 ist das Gründungsdatum für die Paderborner Realschule St. Michael. Nach der Zerstörung Paderborns durch den Zweiten Weltkrieg umfasste die Anfangsklasse der vom Orden der Augustiner Chorfrauen getragenen neuen Realschule 53 Schülerinnen. Die „Grundschülerinnen“, die die Realschule besuchen wollten, mussten innerhalb eines dreitägigen Probeunterrichts eine Prüfung bestehen, um an der Schule aufgenommen zu werden. Anders als heute bestand ein Großteil des Unterrichts aus „praktischen Fächern“ wie Hausarbeit, Säuglingspflege, Handarbeiten, Gartenbau, Stenografie und Schreibmaschinenunterricht. Die Kleiderordnung für die Schülerinnen war streng: Hosen waren nur im Winter und nur auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern erlaubt und im Schulgebäude mussten die Mädchen einen Rock darüber tragen. An der Schulpforte saß immer eine der Ordensschwestern der Augustiner Chorfrauen und achtete auf das Kommen und Gehen im Schulgebäude.
1967 wurde an der Realschule St. Michael die „Aufnahmeprüfung“ durch das Gutachten der Grundschullehrkräfte ersetzt. 1974 änderte sich der Bildungskanon der Realschule St. Michael grundlegend – weg von der praktischen Bildung für Mädchen hin zur wissenschaftlichen Bildung: Zugunsten der naturwissenschaftlichen Fächer wurden die Fächer Gartenbau, Hausarbeit, Säuglingspflege, Stenografie und Schreibmaschinenunterricht abgeschafft. 2002 wurde – der französischen Tradition der Augustiner Chorfrauen entsprechend – die Schulpartnerschaft der Realschule mit dem Collège Privé Catholique Le Prieure in Sambin geschlossen, die in den weiteren Jahren regelmäßige Besuche in und aus Frankreich mit sich brachte.
Neue pädagogische und didaktische Konzepte
Das Schuljahr 2006 / 2007 brachte viele neue pädagogische und didaktische Konzepte mit sich: Mit Klassenlehrerteams statt nur einem Klassenlehrer für jede Klasse führte die Realschule St. Michael ein Betreuungssystem ein, das sich bis heute bewährt hat. Auch die zentralen Abschlussprüfungen für die 10. Klassen in den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch wurden in diesem Jahr von der Landesregierung verpflichtend eingeführt.
Im Jahr 2012 wechselte die Trägerschaft der Realschule St. Michael von den Augustiner Chorfrauen zum Erzbistum Paderborn. Seit dem Schuljahr 2015 / 2016 werden nun auch Jungen an der Realschule St. Michael unterrichtet, und zwar in reinen Jungenklassen. Auch die Mädchen werden weiterhin in Mädchenklassen unterrichtet.
Die christliche Erziehung der Schülerinnen und Schüler ist besonderer Auftrag der Realschule St. Michael. Dies zeigt sich in vielfältiger Weise im Schulalltag, sei es durch den verpflichtenden Religionsunterricht, durch das tägliche Klassengebet zum Schulbeginn, die regelmäßigen Gottesdienste in Klassen- und Schulgemeinschaft oder durch die Einkehrtage. Das schulübergreifende Schulseelsorgeteam engagiert sich darüber hinaus in vielfältiger Weise für die Gestaltung des religiösen und kirchlichen Schullebens, beispielsweise durch das Gesprächsangebot in der „Ansprechbar“, die Feier des Kirchenjahres in der Schule, engagierte Eltern- und Familienarbeit sowie durch besondere Projekte wie zum Beispiel die Flüchtlingsarbeit.