Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, wie die Gesellschaft mit der rasanten Entwicklung von KI-Systemen umgeht. Die Enzyklika nutzt in ihrer Antwort zwei prägnante biblische Metaphern als Grundmotiv: Den Turmbau zu Babel als Symbol für technologische Hybris und die Monopolisierung von Macht durch wenige Tech-Konzerne sowie den Wiederaufbau Jerusalems nach dem Buch Nehemia als Leitbild für ein gemeinsames, solidarisches und partizipatives Projekt, das der Vielfalt der Menschen gerecht wird. „Die Enzyklika zeigt sehr schön, wie die Technologie von Künstlicher Intelligenz Gefahr läuft, zu viel Macht und zu viel Einfluss in den Händen ganz weniger Personen zu konzentrieren“, betonte Langenfeld. „Demgegenüber muss es unsere gemeinsame Aufgabe sein, in der Vielfalt der Kontexte und Situationen gegenwärtiger Herausforderungen Menschsein und Menschwerdens zu ermöglichen.“
Was den Menschen von der Maschine unterscheidet
Ein weiterer Schwerpunkt des Abends lag auf der anthropologischen Abgrenzung zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz, die Papst Leo in der Enzyklika formuliert. Während KI in der rationalen Verarbeitung und statistischen Berechnung von Datenströmen (informationelles Wissen) brilliert, fehlen ihr zentrale Dimensionen des Menschseins: ein physischer Leib, echtes Bewusstsein, existentielle Erfahrungen, Affekte und ein moralisches Gewissen. Echtes menschliches Lernen vollzieht sich in Beziehungen und so auch in Fehlern und Vergebung – eine Dimension, die algorithmische Anpassung nicht abbilden kann. Der Papst warnt in der Enzyklika eindringlich vor einer gefährlichen Vermenschlichung von Maschinen.