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Solidarität zeigen und gemeinsam kreative Wege finden

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz ist aktuell in Israel. Aus diesem Anlass haben wir mit Dr. Ralf Rothenbusch gesprochen, der die Arbeit des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande vorstellt

Israel, Heiliges Land, Land der Bibel, Heimat Jesu. Ein Land mit langer, oftmals kriegerischer Geschichte. Auf Israel und dessen Hauptstadt Jerusalem beziehen sich gleich drei Weltreligionen. Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz ist für eine knappe Woche in Israel. Während seines Aufenthalts besucht der Paderborner Erzbischof und Leiter der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Kommission Weltkirche innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz Projekte des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande (DVHL) und wohnt in dessen Paulus-Haus. Der Direktor des Paulus-Hauses und Repräsentant des DVHL in Jerusalem, Dr. Ralf Rothenbusch, begleitet den Paderborner Erzbischof während seines Besuchs im Heiligen Land. Im Gespräch erfahren wir mehr über die Arbeit des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande und die Situation der Menschen in Israel und in den palästinensischen Gebieten.

Redaktion

Warum gibt es einen Deutschen Verein vom Heiligen Lande?

Dr. Rothenbusch

Schon Mitte des 19. Jahrhunderts kamen zwei katholische Priester aus Deutschland auf einer Pilgerreise ins Heilige Land und lernten dort auch die schwierige Situation der Christen kennen. Zurück in der Heimat gründeten sie den Verein vom Heiligen Grabe, um die katholische Kirche und ihre Institutionen im Heiligen Land zu unterstützen. Später entstand daneben der Palästina-Verein der Katholiken Deutschlands zur Stärkung der deutschen katholischen Präsenz im Heiligen Land. Beide Gruppen schlossen sich zum Deutschen Verein vom Heiligen Lande zusammen. Auch heute noch versteht sich der DVHL als Hilfswerk der deutschen Katholiken für die Christen im Nahen Osten. Der Verein hat heute etwa 7.500 Mitglieder.

Redaktion

Welche Aufgaben hat der Deutsche Verein vom Heiligen Land?

Dr. Rothenbusch

Wie seit der Gründung leistet der DVHL auch heute Hilfe für christliche Gemeinschaften und darüber hinaus – insbesondere für notleidende Menschen – im Heiligen Land, aber auch etwa im Libanon. Ein wichtiges Anliegen ist es, die Verständigung und Versöhnung der Religionen zu fördern. Ganz konkret etwa durch unsere Schule, in der christliche und muslimische Mädchen und Lehrkräfte miteinander leben und lernen. Oder beispielsweise im Beit Emmaus in der Westbank, wo sich Ordensschwestern – Salvatorianerinnen und Franziskanerinnen – zusammen mit muslimischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern um hilfs- und pflegebedürftige Palästinenserinnen kümmern.

Zu den Aufgaben des Vereins gehört es nach wie vor, eine Präsenz der deutschen katholischen Kirche im Heiligen Land aufrecht zu erhalten und zusammen mit anderen kirchlichen Einrichtungen zum Schutz der heiligen Stätten beizutragen. Durch die „Heilig-Land-Reisen“ des Vereins bringt der DVHL christliche, meist katholische Pilgerinnen und Pilger ins Heilige Land, unsere Gästehäuser bieten den Pilgerinnen und Pilgern christliche Gastfreundschaft, ermöglichen aber auch Begegnungen mit einheimischen Christen. Das sind Aufgaben des Vereins hier vor Ort, die unterstützt und ermöglicht werden durch das Generalsekretariat des Vereins in Deutschland.

© DVHL
Dr. Ralf Rothenbusch vom Deutschen Verein vom Heiligen Land
Redaktion

Wie kommt es zur Präsenz des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande in Israel?

Dr. Rothenbusch

Seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts und insbesondere im Anschluss an die Reise Kaiser Wilhelms II. nach Jerusalem wurden Land erworben und einige große Häuser erbaut, aus denen im Lauf einer wechselvollen Geschichte die heute noch bestehenden Einrichtungen des DVHL im Heiligen Land hervorgegangen sind: Schon erwähnt habe ich die Schmidt-Schule in Jerusalem und das Alten- und Pflegeheim Beit Emmaus in Qubeibeh. Daneben gibt es unsere beiden Gästehäuser, das Pilgerhaus am See Genezaret und das Paulus-Haus unmittelbar am Rand der Jerusalemer Altstadt, wo Erzbischof Dr. Bentz jetzt wohnt und in dem er schon öfter zu Gast war, aber auch die Gebäude der Dormitio-Abtei auf dem Zion und des Priorats in Tabgha, mit dessen Mönchen der DVHL eng verbunden ist.

Redaktion

Welche Projekte verfolgt der DVHL?

Dr. Rothenbusch

Neben dem Betrieb der eigenen Einrichtungen fördert der DVHL Projekte. Im Bildungsbereich unterstützt der Verein beispielsweise den Kindergarten der Borromäerinnen in St. Charles und die griechisch-katholische Schule in Ramallah. Auch soziale Projekte sind für unsere Arbeit wichtig, wie das Lifegate-Zentrum in Bet Jala in der Westbank, das Kindern mit Beeinträchtigungen Wege ins Leben eröffnet, oder Hilfe für Familien zu geben, die vom Krieg in Gaza, von der zunehmend schwierigeren Situation in der Westbank und Ost-Jerusalem oder im Libanon hart getroffen sind.

Ein sehr wichtiger Partner, den der Deutsche Verein vom Heiligen Lande in seiner Arbeit unterstützt, ist das Lateinische Patriarchat von Jerusalem, unter anderem dessen pastoraler und sozialer Einsatz für Migranten und Asylsuchende. Eines dieser Projekte ist das St. Rachel Center mit seinem „Guardian Angel House“, das ein Heim für Kinder aus Migrantenfamilien bietet, die nicht bei ihren Eltern sein können. Besonders setzt sich der DVHL auch für Projekte ein, die den Dialog und das friedliche Miteinander der Religionen fördern und zwischen Israelis und Palästinensern Brücken bauen – eine jetzt vordringliche Aufgabe. Das vom DVHL unterstütze „Rossing Center for Education and Dialogue“ arbeitet in Schulen, um durch Begegnungen und Fortbildungen Kinder, Lehrkräfte und Eltern unterschiedlicher Religionen und Herkunft zusammenzubringen, damit sie voneinander lernen und gemeinsam Vorurteile abbauen können.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Projektarbeit ist die Unterstützung für Gemeinden der lateinischen (römisch-katholischen) und der griechisch-katholischen Kirche im Heiligen Land, sei es in der pastoralen Arbeit, etwa für Jugendliche durch Schwester Monika Krämer und ihre Mitschwestern im Norden Israels, oder auch die Entwicklung und Renovierung von Einrichtungen, die für das Gemeindeleben wichtig sind.

Redaktion

Welche Projekte wird Erzbischof Dr. Bentz kennenlernen oder erneut besuchen?

Dr. Rothenbusch

Wir werden mit dem Paderborner Erzbischof das Beit Emmaus des DVHL in Qubeibeh besuchen, einer in dieser Region der Westbank wichtigen sozialen Einrichtung, in der etwa 40 palästinensische Frauen, einige mit psychischen Belastungen, betreut und gepflegt werden. Ebenso besuchen wir mit Erzbischof Dr. Bentz die Schmidt-Schule in Jerusalem, eine in Ost-Jerusalem sehr anerkannte Mädchenschule, die insbesondere auch benachteiligten palästinensischen Mädchen eine gute Ausbildung und bessere Lebenschancen geben soll. Der Erzbischof wird den Lateinischen Patriarchen, Erzbischof Pierbattista Kardinal Pizzaballa sowie Vertreter des Patriarchats treffen, um sowohl über die kirchliche Situation im Heiligen Land als auch über die sozial-caritative Arbeit des Patriarchats und die Notfallhilfe für Gaza zu sprechen.

Wir werden das Team des Patriarchalvikariats für die Hebräisch-sprechenden Katholiken treffen, das sich vor allem um junge Menschen kümmert, die im Land und in der gegenwärtigen Situation gewissermaßen „zwischen den Stühlen sitzen“ und mit vielen persönlichen Fragen und Problemen konfrontiert sind. Erzbischof Dr. Bentz wird auch mit Vertretern der Rabbis for Human Rights zusammenkommen, die von ihrem interreligiösen, aber auch von ihrem unermüdlichen sozialen Einsatz erzählen werden. Ein Solidaritätsbesuch in der katholischen Pfarrei in Taybeh, dem einzigen christlichen Ort in der Westbank, der in jüngerer Zeit zunehmender Siedlergewalt ausgesetzt ist, gehört ebenso zum Besuchsprogramm des Erzbischofs wie Gespräche mit diplomatischen und Medien-Vertretern.

© DVHL
Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz und Dr. Ralf Rothenbusch im Paulus-Haus, das vom Deutschen Verein vom Heiligen Land getragen wird
Redaktion

Wie geht es den Menschen aktuell?

Dr. Rothenbusch

Der Krieg, von dem alle hoffen, dass er nach zwei Jahren endlich zu Ende ist, hat tiefe Spuren hinterlassen. Im Gaza-Streifen sind nahezu alle Lebensgrundlagen zerstört und müssen wieder neu aufgebaut werden: Schulen, Krankenhäuser, Wohnhäuser, die Infrastruktur. Zuerst einmal geht es aber um die Linderung der akuten Not der Bevölkerung dort. Im Schatten des Gaza-Krieges hat sich auch in der Westbank und Ost-Jerusalem die Situation für die dort lebenden Menschen immer mehr verschlechtert: Viele Familien haben kaum noch ein Einkommen, das alltägliche Leben und die Bewegungsfreiheit wird immer mehr eingeschränkt, was den Zugang zu medizinischer Versorgung erschwert, aber auch zur Arbeit und damit zu Verdienst für die Familien. Gerade für die einheimischen Christen, von denen schon viele während des Krieges das Land verlassen haben, ist die wirtschaftliche Situation sehr bedrängend, da die meisten im Tourismus arbeiten, der weitgehend zum Erliegen gekommen ist.

Viele Orte in der Westbank sind von zunehmender Siedlergewalt betroffen. Auch nach der Freilassung der Geiseln ist die israelische Gesellschaft tief gespalten und traumatisiert. Das gilt nicht anders für die palästinensische Gesellschaft. Das Schweigen der Waffen in Gaza bedeutet noch keinen Frieden und viele Aufgaben für Aufbau und Verständigung im Heiligen Land liegen vor uns.

Redaktion

Vor welchen Herausforderungen steht der Verein aktuell?

Dr. Rothenbusch

Die fortwährenden Spannungen und die Nachwirkungen des Krieges stellen unsere Arbeit im Heiligen Land vor große Herausforderungen. Unsere Einrichtungen sind direkt von der aktuellen Lage betroffen: In den Gästehäusern bleiben seit zwei Jahren die Besucherinnen und Besucher aus, wodurch wichtige Einnahmen fehlen. Die Schmidt-Schule ist seit einigen Jahren in einer existenziellen finanziellen Notlage, da viele Familien das Schulgeld nicht mehr aufbringen können und auch staatliche Mittel gekürzt werden.

Die Situation kirchlicher Einrichtungen und Gemeinden ist schwieriger geworden. Sowohl die israelische als auch die palästinensische Gesellschaft und Politik sind derzeit stark polarisiert und politische und religiöse Extremisten geben den Ton an und in Israel ist ein sehr deutlicher Rechtsruck eingetreten. In dieser Situation wird der Handlungsspielraum für die Kirchen zunehmend eingeschränkt. Die Patriarchen und Verantwortlichen der Kirchen beklagen zunehmend die verschärfte Lage der christlichen Gemeinschaften in Israel. Das betrifft auch unsere Arbeit.

In diesen herausfordernden Zeiten ist es wichtiger denn je, Solidarität zu zeigen und gemeinsam kreative Wege zu finden, um unsere Präsenz und die Unterstützung für die Menschen vor Ort weiterhin aufrechterhalten zu können.

Redaktion

Vielen Dank für das Gespräch.

Ein Beitrag von:
Pressereferent Team Presse

Thomas Throenle

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