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Erzbistum Paderborn
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„Sich trauen, Glauben zu leben …“

„Auf eine Kaffeelänge mit …“ Christiane Kasperkowiak von der Caritas-Konferenz Ennest.
Unser Glaube
22. August 2022
Ennest

„Sich trauen, Glauben zu leben …“

„Auf eine Kaffeelänge mit …“ Christiane Kasperkowiak von der Caritas-Konferenz Ennest.

Innerhalb unserer Reihe „Auf eine Kaffeelänge mit …“ treffen wir uns regelmäßig mit einer Person aus dem Erzbistum Paderborn, um die Vielfalt der engagierten Menschen abzubilden. Denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ehrenamtlich tätigen Menschen zählen zu den 1000 guten Gründen für den Glauben und die katholische Kirche. Indem wir von ihnen erzählen, bringen wir das Gute zur Sprache und machen sichtbar, wie lebenswert und vielfältig das katholische Glaubensleben ist. „1000 gute Gründe“ – lernen Sie auf eine Kaffeelänge die hauptberuflich und ehrenamtlich Engagierten im Erzbistum Paderborn näher kennen. Diesmal haben wir uns mit Christiane Kasperkowiak, Vorsitzende der Caritas-Konferenz der Kirchengemeinde Ennest getroffen.

„Hallo, wir sind noch da …“ möchte Christiane Kasperkowiak den Menschen gerne zurufen. Sich bei ihnen erneut ins Gedächtnis bringen. Nicht wegen, aber mit Corona ist das, was ihr wichtig ist, schwierig geworden: „Ganz nah am Nächsten zu sein.“

Kasperkowiak lebt in Ennest, einem Dorf mit rund 2200 Einwohnern im südlichen Sauerland. Die beiden erwachsenen Söhne waren noch klein, als sie mit ihrer Familie aus Mannheim herzog. Vom ersten Tag an engagierte sie sich in der kleinen Kirchengemeinde. „Zuhause bei uns wurde Engagement immer großgeschrieben. Ich bin damit aufgewachsen.“ Kasperkowiak ist Lektorin, Kommunionhelferin, Wortgottesdienstleiterin, war für einige Zeit in der Frauengemeinschaft sowie im Pfarrgemeinderat aktiv. „Wenn man einmal einen Posten annimmt, kommen die anderen von ganz allein“, lacht die 55-Jährige, die seit sechs Jahren Vorsitzende der örtlichen Caritas-Konferenz ist. Ein Zusammenschluss ehrenamtlich tätiger Menschen, die solidarische Hilfe direkt vor Ort leisten. „Wir finanzieren das Mittagessen für bedürftige Kinder, unterstützen bei Behördengängen oder Wohnungssuche. Manchmal fehlen auch Möbel und Kleidung. Oder der Kühlschrank ist leer. Dann gehen wir miteinander einkaufen. Das ist für mich Ausdruck von Nächstenliebe.“ Not und Armut gebe es überall, so sei eben auch in ihrer beschaulichen Gemeinde die Welt nicht immer in Ordnung. „Bedürftigkeit erkennt man oft erst bei einem Blick hinter die Fassade.“

Kümmerinnen vor Ort

Die unbürokratische Einzelhilfe wird durch Haustür-Sammlungen finanziert. „70 Prozent der Spenden bleiben hier in der Gemeinde“, betont Kasperkowiak. Mit Corona wurden die Sammlungen ausgesetzt. Deswegen hat sie einige Unternehmen angeschrieben und um Unterstützung gebeten und auch bekommen. „Die Sammlungen fehlen trotzdem. Sie sind ein Türöffner. Man kommt mit den Menschen ins Gespräch.“

Miteinander in Kontakt kommen, den Menschen Zuwendung schenken, darum geht es der Caritas-Konferenz. Nicht nur in Ennest. Und nicht nur in materieller Hinsicht. Vielmehr ist der sogenannte Besuchsdienst seit jeher das eigentliche Markenzeichen: Bei älteren Menschen zum runden Geburtstag und zu Weihnachten, im Krankheitsfall, nach dem Tod des Partners, bei jedweden Sorgen und Nöten da sein. Mit Geduld und Verständnis, mit Zeit zum Zuhören.

„Der Besuchsdienst ist unser Schwerpunkt“, sagt Kasperkowiak nicht ohne Sorgenfalten. Denn als die Pandemie zur Distanz verpflichtete, verstärkte sich eine Entwicklung, die sie seit längerem beobachtet: „Viele Mithelfende brechen uns weg. Manche fühlen sich aufgrund ihres Alters den Aufgaben nicht mehr gewachsen. Gerade jetzt nach der langen Pause möchten sie nicht mehr mitmachen. Und Nachwuchs zu bekommen ist schwierig.“ Vor zwei Jahren seien sie noch siebzehn Frauen gewesen, aktuell noch sieben. Davon zwei in den 50ern, zwei über 80 Jahre, die anderen dazwischen. „Mit so einer kleinen Gruppe können wir unseren Besuchsdienst nicht mehr wie gewohnt leisten.“ Früher, da habe jede von ihnen einen Straßenbezirk gehabt, ‚ihre“ Geburtstagskinder gekannt, gewusst, wer alleine ist, wer nicht mehr rauskommt, wo es klemmt, war Ansprechperson in der eigenen Nachbarschaft.

Es bleibt alles – Anders!

So gesehen spiegelt die Situation der Caritas-Konferenz Ennest die allgemeine Situation wider. Die Bereitschaft zum Ehrenamt ist in der Bevölkerung zwar grundsätzlich groß, immer mehr Menschen möchten aber keine kontinuierliche Verpflichtung mehr eingehen, sondern durch projektbezogenes Engagement mehr Flexibilität.

„Es bleibt alles – Anders“, damit hat die Caritas-Konferenz Ennest nun eine Initiative gestartet, um wieder mehr Sichtbarkeit zu bekommen. Macht mit Flyern, in den Pfarrbriefen und der örtlichen Presse auf sich aufmerksam:  „Es bleibt alles – Anders!“ so der Slogan. „Sprecht uns an, wir sind erreichbar“, ist die Botschaft.

„Wir haben uns mit unserem Pfarrer und der Caritas-Koordination zusammengesetzt und überlegt, wie wir die Kontaktpflege und die Seniorenarbeit weiterführen können. Das ist unsere dringendste Frage“, so Kasperkowiak. Neben den bestehenden Angeboten wie beispielsweise Strickstube oder Fitnessstunde wolle man neue Gelegenheiten für Begegnungen schaffen. „Im ersten Schritt aber haben wir ein Telefon angeschafft. Da kann mich jeder anrufen, der Not sieht oder selbst Unterstützung benötigt. Wir sind da“, hofft Kasperkowiak, dass die Öffentlichkeitsarbeit Wirkung zeigt. Durch die Abgänge in der Konferenz fehle es ja nicht nur an Mithelfenden, sondern ebenso an Informationen, wo Bedarf sei. „Die meisten, die früher in der Konferenz tätig waren, lebten hier seit Jahrzehnten oder waren hier geboren. Ihnen wurde das eine oder andere Problem zugetragen. Ich bin hier sozusagen immer noch ein Neuling. Auch nach anderthalb Jahrzehnten. Und sowieso: die Ortsgemeinschaft, die gut vernetzte Nachbarschaft, so wie man sie früher kannte, gibt es auch hier auf dem Dorf nicht mehr.“

Verantwortung für den Nächsten

Nicht die materiellen Nöte, seien das größte Problem, sagt Kasperkowiak. Abhilfe zu schaffen sei da vergleichsweise unkompliziert und funktioniere auch weiterhin reibungslos. Das größte Problem seien vielmehr die Einsamkeit, das Alleinsein. Weil man sich vielleicht ausgeschlossen fühle oder weil man niemanden bei sich habe. „Wenn ich bei einem Besuch in strahlende Augen schaue, das macht mich glücklich. Die Freude und das Gefühl, dass man nicht vergessen ist, dass man immer noch dazugehört.“ Wenn Sie einen Wunsch frei hätte? Dass die Menschen sich trauen würden, ihren Glauben zu leben und umzusetzen. „Für mich geht es um Gemeinschaft. Kirche ist dabei für mich Anlaufstelle. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, Verantwortung für den Nächsten zu übernehmen.“

© Erzbistum Paderborn
Ein Beitrag von:
Freie Journalistin

Birgit Engel

 
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