logocontainer-upper
logocontainer-lower
© Team Kunst / Erzbistum Paderborn
© Team Kunst / Erzbistum Paderborn

Sakrale Kunst bewahren Glauben sichtbar machen

Wenn Kirchen schließen, geht es um mehr als nur ein Gebäude

Kirchenschließungen gehören inzwischen zur Realität vieler Kirchengemeinden. Sie sind oft schmerzhafte Prozesse – nicht nur emotional, sondern auch kulturell. Denn was passiert – mal abgesehen von den Kirchengebäuden selbst – mit den Kunstwerken und -gegenständen, die jahrzehntelang das Glaubensleben begleitet haben?

Im Erzbistum Paderborn stellt sich das Team Kunst als Fachstelle des Erzbischöflichen Generalvikariates dieser Herausforderung mit großer Sorgfalt und einem enormen Fachwissen. Dabei geht es nicht nur um irgendein Inventar. Es geht darum, sakrale Kunst als Zeugnis des Glaubens und als kulturelles Erbe zu bewahren.

Kunst mit Geschichte: Was bleibt, wenn der Gottesdienst endet?

In einer profanierten Kirche bleibt selten alles an Ort und Stelle. Die Kunstexpertinnen und -experten des Erzbischöflichen Generalvikariates besuchen die Kirchen vor ihrer Entwidmung, bewerten den künstlerischen, geschichtlichen und spirituellen Wert der Ausstattung und entscheiden nach Rücksprache mit den Verantwortlichen der Kirchengemeinde, der erzbischöflichen Verwaltung und den Denkmalbehörden, was erhaltenswert ist und wie es erhalten werden soll.

Viele Gegenstände wie Heiligenfiguren oder Altarkreuze finden neue Orte in anderen Kirchen. Andere kommen ins zentrale Kunstgutdepot des Erzbistums Paderborn. „Wir können nicht alles einlagern, aber wir wollen die charakteristischen, aussagekräftigen Zeugnisse für die Zukunft bewahren“, erklärt Dr. Holger Kempkens, Direktor des Diözesanmuseums und Leiter der Fachstelle Kunst im Erzbischöflichen Generalvikariat. „Wichtig ist dabei, dass insbesondere auch sakrale Kunstwerke aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die am stärksten von der Aufgabe von Kirchenräumen betroffen sind, als erhaltenswerte Zeugnisse dieser für die Entwicklung der sakralen Kunst so wichtigen Epoche erhalten bleiben“, erläutert Holger Kempkens.

Kirchenkunst ist keine Ware zum Verkauf

Im Unterschied zu (Erz-)Bistümern anderer Länder, etwa Belgien oder den Niederlanden, schließt das Erzbistum Paderborn den Verkauf von sakraler Kunst auf dem freien Markt aus. „Eine Ökonomisierung kirchlicher Kunst lehnen wir ab“, sagt Holger Kempkens entschieden.

Der Kunsthandel hat ohnehin kaum noch Interesse an sakralen Objekten. Sie gelten als zu speziell und zu schwer vermittelbar. Umso wichtiger ist ein bewusster, würdevoller Umgang.

Neue Verwendungen für alte Kunst

Nicht alles landet im Kunstgutdepot, das würde die Kapazitäten weit übersteigen. Aber es gibt auch andere Formen der Nachnutzung: So können moderne Kirchenbänke aus Eichenholz z.B. zu Bildträgern für Ikonen verarbeitet werden. Eine Weihnachtskrippe zieht in die Kita, ein Seitenaltar in die Nachbarkirche. Wenn Kunst weiterverwendet wird, bleibt sie lebendig und wird neu Teil gelebten Glaubens.

Emotionen und Erinnerungen

Kunst bewahren bedeutet auch, die Menschen auf ihrem Lebensweg im Blick zu haben. Karin Wermert vom Team Kunst weiß um die emotionale Dimension: „Eine Kirche ist immer auch ein biografischer Ort mit Erinnerungen an Taufen, Hochzeiten, Abschiede.“ Der richtige Umgang mit Kunst, mit der Erinnerungen verknüpft sind, ist daher auch Seelsorge.

Über 200.000 erfasste Kunstobjekte

Das Erzbistum Paderborn hat bereits vor Jahrzehnten mit der systematischen Inventarisierung begonnen. Offensichtlich mit Erfolg. Denn über 200.000 sakrale Kunstgegenstände sind inzwischen dokumentiert. Ein bundesweiter Maßstab, der zeigt, wie ernst der Kunstschutz hier genommen wird.

Kunst für den Glauben von morgen bewahren

Sakrale Kunst wurde nicht für Depots geschaffen, sondern für den lebendigen Glauben. Deshalb wünschen sich die Kunstexpertinnen und -experten, dass die Schätze der Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten. „Kunst hilft uns zu verstehen, wie Menschen früher geglaubt und gelebt haben – nicht nur in früheren Jahrhunderten, sondern auch die Generation unserer Großeltern“, so Dr. Holger Kempkens. Und sie kann auch heute wieder Augen öffnen zum Staunen, zum Nachdenken und zum Glauben.

Immobilienstrategie: Stand der Umsetzung

Seit Sommer 2022 unterstützt das Erzbistum Paderborn seine 87 Pastoralen Räume mit einer umfassenden Immobilienstrategie dabei, langfristig tragfähige Nutzungskonzepte für kirchliche Gebäude zu entwickeln. Bislang haben sich 75 Pastorale Räume für einen begleiteten Immobilienstrategieprozess angemeldet, neun davon konnten einen solchen bereits erfolgreich abschließen, acht stehen kurz davor. Der zeitliche Rahmen für die weitere Umsetzung ist dabei auf mehrere Jahre angelegt. Bis zum Jahr 2030 sollen alle Pastoralen Räume entsprechende Konzepte erarbeitet haben.

Auch die Zahl der Profanierungen – also der Entweihung von Kirchengebäuden – gibt einen Eindruck von der Tragweite der Veränderungen des kirchlichen Gebäudebestands im Erzbistum Paderborn. Vor dem offiziellen Start der Immobilienstrategie wurden seit 2007 im Erzbistum Paderborn bereits 26 Kirchen profaniert. Im Zuge der seit 2022 bislang Immobilienstrategieprozesse kommen weitere 16 Profanierungen hinzu. Zwar sind sie noch nicht alle vollzogen, die entsprechenden Dekrete sind jedoch erstellt. Dabei stehen pastorale Überlegungen stets im Mittelpunkt: Ziel ist es, kirchliche Präsenz in veränderter Form zu sichern und Gebäude zukunftsfähig zu nutzen.

Weitere Einträge

Unsere Nachrichten Ostermagazin „Aufbruch“ erschienen

Das neue Magazin des Erzbistums Paderborn erzählt von Menschen, die mit ihrem Glauben neu aufbrechen
© artin1 / Shutterstock.com

Unsere Nachrichten Pfarrer Anton Althaus verstorben

Das Erzbistum Paderborn trauert um Pfarrer i. R. Anton Althaus. Er starb am Dienstag, dem 17. März 2026.
© Caritasverband Herne e.V.

Unsere Nachrichten Besuch des Erzbischofs Dr. Udo Markus Bentz beim Herner Caritasverband

Der Herner Caritasverband hat am Mittwoch, 4. März 2026, Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz begrüßt.
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0