Die neue Handreichung ist in Kooperation der Abteilung Schulpastoral und dem Referat Interreligiöser Dialog im Erzbischöflichen Generalvikariat entstanden. Sarah Münsterteicher und Eva-Maria Leifeld sind stolz auf die Broschüre als Ergebnis.
Wie können sich Religionen im Gebet begegnen? Antworten auf diese Frage gibt eine Handreichung, die im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn entstanden und jetzt erschienen ist. „Gemeinsam feiern in weiterführenden Schulen und Gemeinden. Multireligiöse Gebetstreffen der Religionen gestalten“ heißt die Broschüre. Eva-Maria Leifeld aus dem Referat Interreligiöser Dialog und Sarah Münsterteicher als Vertretung für Katharina Lammers aus der Abteilung Schulpastoral haben die Handreichung entwickelt und geben im Interview einen Einblick in den Inhalt.
Die neue Handreichung ist in Kooperation der Abteilung Schulpastoral und dem Referat Interreligiöser Dialog im Erzbischöflichen Generalvikariat entstanden. Sarah Münsterteicher und Eva-Maria Leifeld sind stolz auf die Broschüre als Ergebnis.
Wofür ist die Handreichung da? Wem soll sie helfen?
Multireligiosität gehört an vielen Orten im Erzbistum zum Alltag. Wenn sich Menschen verschiedener Religionen im Gebet begegnen, entstehen Fragen: „Können wir zusammen beten oder nicht? Wenn ja, wie kann das gehen?“. Die Handreichung gibt Antworten aus katholischer Sicht, sie erklärt Hintergründe und liefert praktische Beispiele.
Angesprochen sind vor allem Lehrkräfte und pastorale Mitarbeitende, die in weiterführenden Schulen Schuleingangs- und Entlassfeiern oder andere Begegnungen gestalten. Die Handreichung ist auch eine Orientierung für das Pastorale Personal in den Gemeinden und für Ehrenamtliche, die zum Beispiel gemeinsam mit Runden Tischen der Religionen Stadtfeste, Friedensgebete in der interkulturellen Woche oder gemeinsam mit geflüchteten Menschen religiöse Feiern vorbereiten.
Woher kam der Impuls für die Handreichung?
Als das Referat für Interreligiösen Dialog eingerichtet wurde, habe ich eine Umfrage in den Dekanaten und Pastoralen Räumen gemacht und gefragt, zu welchen Themen im interreligiösen Dialog Informationsbedarf besteht. Die Frage „Können wir gemeinsam beten?“ war ganz oben mit dabei.
Schon 2012 ist eine Anleitung für Grundschulen in der Abteilung Schulpastoral entstanden, die gedruckt mittlerweile vergriffen ist. Der Bedarf an einer ausführlicheren Handreichung auch für weiterführende Schulen wurde durch die veränderte gesellschaftliche Situation immer deutlicher.
Was ist das Neue und Außergewöhnliche an der Handreichung?
Die Handreichung bedient ganz verschiedene Ansprüche: Ein ausführlicher Theorieteil stellt die Möglichkeiten und Formen des gemeinsamen Feierns vor. Gastbeiträge aus jüdischer und muslimischer Sichtweise geben einen Einblick, unter welchen Bedingungen aus ihrer Perspektive Gebete in multireligiösen Zusammensetzungen gestaltet werden können.
Im Praxisteil gibt es Beispielabläufe für die Gestaltung einer liturgischen Gastfreundschaft und einer Multireligiösen Feier mit konkreten Formulierungsvorschlägen sowie Kopiervorlagen für die praktische Vorbereitung. Allen, die auf die Schnelle die wichtigsten Details erfassen möchten, bietet das Kapitel „Auf einen Blick“ kompakt zusammengefasste Definitionen, eine Checkliste für die Vorbereitung und einen Überblick über mögliche Ablaufvariationen.
Die Handreichung und ihre Inhalte richten sich an Lehrkräfte und pastoral Mitarbeitende an Schulen sowie an das Pastorale Personal oder Ehrenamtliche in den Kirchengemeinden.
Welche Feierformen sind der Schwerpunkt der Handreichung und warum sind diese für multireligiöse Kontexte besonders geeignet?
Die Liturgische Gastfreundschaft wird als Option dargestellt, weiterhin einen christlichen Gottesdienst zu feiern, wenn es keine Kooperationspartner aus einer anderen Religion gibt, die Gottesdienstbesucher aber religionsgemischt sind. Dies ist oft bei Schulgottesdiensten so. Im Vergleich zu einen „normalen“ Gottesdienst, wird in den Formulierungen auf die Gäste eingegangen, ihnen werden Inhalte erklärt und es besteht die Möglichkeit die Gäste durch einen Gastbeitrag wie zum Beispiel Gebet, Lied, Schriftlesung oder Grußwort in die Gestaltung der Feier einzubeziehen.
Die Multireligiöse Feier wird vorgestellt als die Form, in gegenseitiger Gegenwart zu beten und gleichzeitig keine Vermischung der Religionen, Gebets- und Gottesvorstellungen zu praktizieren. Jede Religion bereitet und trägt ihr Gebet selbstverantwortlich vor und die Teilnehmenden hören einander beim Vollzug der Gebete zu.
Gibt es schon erste Erfahrungen mit der Handreichung?
Erzbischof Hans-Josef Becker hat eindrucksvoll gezeigt, dass multireligiöse Feiern im Erzbistum Paderborn willkommen sind: Er hat im September in einer städtischen Realschule in Paderborn gemeinsam mit Emin Özel, dem Sprecher der muslimischen Gemeinden in Paderborn, einer Multireligiösen Feier zur Einschulung der neuen Fünftklässler vorgestanden.
Für 2020 sind Fortbildungen für Lehrkräfte und das Pastorale Personal angekündigt. Wie werden diese aussehen?
Wir sind dabei, das Format zu entwickeln. Es wird eine Einführung in die Feierformen geben und die Möglichkeit, sich selbst an der Vorbereitung einer Feier zu versuchen. Hier wird es insbesondere darauf ankommen, sich in den Formulierungen von Gebeten, Ein- und Überleitungen bei einer liturgischen Gastfreundschaft oder einer multireligiösen Feier auszuprobieren.
Welche Erfahrungen haben Sie selber mit multireligiösen Feiern gemacht?
Meine erste multireligiöse Feier erlebte ich mit muslimischen und christlichen Studierenden. Mir war damals noch nicht bewusst, dass die katholische Kirche multireligiösen Feiern positiv gegenüber steht. Deshalb hat es mich irritiert, dass dort immer abwechselnd ein Christ und ein Muslim Gebete, Schriftexte und Auslegung vortrugen. Heute erlebe ich es gerade in vertrauten religionsgemischten Gruppen als großes Geschenk, sich spirituell zu begegnen, dabei die eigene religiöse Identität zu wahren und gleichzeitig respektvoll die Gebetsweise meiner Dialogpartner wahrzunehmen. Multireligiöse Feiern haben das Potenzial, Frieden zu stiften!
Frau Leifeld, Frau Münsterteicher, wir danken Ihnen für das Gespräch!
Das Gespräch führte Maria Aßhauer, Abteilung Kommunikation.
Mit Theorie- und Praxisteil wird die Handreichung vielen verschiedenen Ansprüchen gerecht.
Die Handreichung kann per E-Mail im Erzbischöflichen Generalvikariat bestellt werden: mechthild.reike@erzbistum-paderborn.de
Darüber hinaus steht sie hier auch zum Download zur Verfügung sowie auch unter www.pastorale-informationen.de