Den inhaltlichen Schwerpunkt bildete der Vortrag der Politikwissenschaftlerin Dr. Julia Reuschenbach, der sich auf ihr gleichnamiges Buch „Defekte Debatten – Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen“ bezog. Sie analysierte aktuelle Entwicklungen in Politik und öffentlicher Kommunikation und zeigte auf, warum Verständigung heute oft schwieriger erscheint als früher. Zugleich betonte sie die bleibende Chance demokratischer Auseinandersetzung: „Die Überwindung destruktiver Debatten gelingt nur, wenn Politik, Medien, Kirche und Gesellschaft jeweils ihren Beitrag leisten und sich der wechselseitigen Prägung ihres Handelns bewusst werden. Jede dieser Akteure steht in Beziehung zu den anderen und schöpft auch aus deren Verhalten die Möglichkeit und den Mut, selbst anders und konstruktiver zu agieren.“ Reuschenbach machte deutlich, dass gegenwärtig viele öffentliche Debatten darunter leiden, dass sich unversöhnliche Lager gegenüberstünden, denen es an gegenseitigem Respekt für die jeweils andere Sichtweise fehle. Weiter führte sie aus: „Dabei lassen sich für die unterschiedlichsten Positionen in der Regel nachvollziehbare Argumente anführen – entscheidend ist jedoch die Bereitschaft, diese Argumente anzuhören und offen sowie fair gegeneinander abzuwägen. Nur auf dieser Grundlage kann Zutrauen wieder wachsen: das Zutrauen, dass uns im Kern gemeinsame Anliegen verbinden, auch wenn die Wege zu deren Verwirklichung unterschiedlich sein mögen“, so Reuschenbach. Die Aussagen fanden im Publikum breite Resonanz und wurden in den anschließenden Gesprächen intensiv aufgegriffen und weitergedacht.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich gesellschaftliche Debatten unter den Bedingungen zunehmender Polarisierung wieder stärker in konstruktive und dialogorientierte Bahnen lenken lassen – und welche Verantwortung Kirche und Gesellschaft dabei übernehmen können.