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© Pressestelle / Erzbistum Paderborn
© Pressestelle / Erzbistum Paderborn

Papstbesuch vor 30 Jahren: ein Jahrtausend-Ereignis

Am 22. Juni 1996 feierte Papst Johannes Paul II. mit rund 80.000 Gläubigen in der Senne Eucharistie. Der Pastoralbesuch war für das Erzbistum Paderborn ein Jahrtausend-Ereignis. Die Archivalien des Monats zeigen, wie es vorbereitet wurde und warum es bis heute nachwirkt.

1197 später betrat mit Papst Johannes Paul II. am Freitagabend, 21. Juni 1996, erstmals wieder ein katholisches Kirchenoberhaupt den Boden der Erzdiözese.

Für das Erzbistum war der Besuch ein Jahrtausendereignis: Im Jahr 799 legten Papst Leo III. und der spätere Kaiser Karl der Große an den Quellen der Pader den Grundstein für die Gründung des heutigen Erzbistums Paderborn. Seitdem hatte kein Papst mehr den Boden des heutigen Erzbistums betreten. Zugleich war es der dritte und letzte Besuch Johannes Pauls II. in Deutschland. Zwei Regalböden im Archiv erzählen von diesem besonderen Besuch: Schuber mit Dokumenten und Kartons voller Fotos. Sie zeigen den enormen Verwaltungs- und Organisationsaufwand, aber auch die Begeisterung vieler Gläubiger.  Allein fünf Ordner mit Kartenwünschen für die Eucharistiefeier in der Senne belegen, wie groß das Interesse war.

Pressemappe zum Papst-Besuch belegt strammes Programm

Pressemappe mit dem Aufkleber „Der Papst in Paderborn – 22. Juni 1996 bündelt, was Medienvertreterinnen und Medienvertreter damals brauchten: Informationen zur Stadt, zum Erzbistum und vor allem zum Ablauf des Pastoralbesuchs. Die Dokumente führen direkt zur großen Eucharistiefeier auf dem Flughafen Senne, die am Haupt-Tag des Besuchs, dem 22. Juni, stattfand.

Der Terminplan für die akkreditierten Medienvertreter verrät ein strammes Programm. Am Abend des 21. Juni landete Johannes Paul II. am Flughafen Paderborn-Lippstadt, wurde unter anderem von Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt, Bundespräsident Roman Herzog und NRW-Ministerpräsident Johannes Rau empfangen und fuhr später im Papamobil durch Paderborn. Am nächsten Morgen folgte die große Eucharistiefeier in der Senne.

Vom Bischof bis zum Staatsoberhaupt: Die Gästeliste belegt, dass der Besuch kirchliche, ökumenische und staatliche Dimensionen hatte. Gäste aus dem staatlichen Bereich vom Bundesminister bis zum Stadtdirektor von Bad Lippspringe.

Wie genau der Besuch geplant war, zeigt das Regiebuch für die Eucharistiefeier in der Senne. Darin heißt es unter anderem: „Der Papst grüßt den Altar und umschreitet ihn und den Liborischrein (Inzens). Danach begibt er sich zu seiner Kathedra.“

Als Papst Johannes Paul II nach Paderborn kam: Erinnerungen, Begegnungen, Hintergründe

Vier Zeitzeugen erinnern sich 25 Jahre später an den Besuch von Papst Johannes Paul II. in Paderborn und die Begegnung mit dem Heiligen Vater in unserem Erzbistum.

DER DOM titelt: „Ein Papst zum Ansprechen, der zu den Menschen kommt“

Eine Sonderausgabe der Kirchenzeitung „DER DOM“ unterstreicht die Bedeutung des Papstbesuchs. Der Dom bilanziert vorab dies zum Besuch: „In den 37 Stunden zwischen Ankunft und Abschied bewältigt der kranke Johannes Paul II. ein erstaunliches Arbeits­pensum. Am Samstagmorgen feiert er mit 80 000 Gläubigen in der Senne bei Bad Lipp­springe eine Eucharistiefeier, (…) Seit Monaten haben sich Organisationsteams auf den Besuch vorbereitet. Etwa 4 000 Menschen sind unmittelbar mit der Planung und Realisierung des Besuchs beschäftigt.“ Die Leserinnen und Leser erfahren auch, dass die für St. Pankratius Körbecke jüngst gegossenen Glocken in der Senne bei Bad Lippspringe erklingen werden, bevor sie weiter an den Möhnesee reisen. Sogar einen eigenen Glockenstuhl stellte die Glockengießerei Rincker aus dem nordhessischen Sinn dafür zur Verfügung.

Die Sonderausgabe von DER DOM belegt, wie sehr der Besuch als Begegnungsereignis verstanden wurde. Joseph Kardinal Ratzinger, der Jahre später als Benedikt XVI. zum Nachfolger von Johannes Paul II. gewählt werden wird, sagt im Interview: „Er liebt die persönliche Begegnung.“

Foto Pressestelle / Erzbistum Paderborn
Sonja Funke / Erzbistum Paderborn
Signatur Erzbistumsarchiv Paderborn, Bestand „Papstbesuch 1996“
Erzbistumsarchiv Paderborn, Sonderausgabe „DER DOM“, Juni 1996 „Ein Papst zum Ansprechen, der zu den Menschen kommt“
Literatur Hermann-Joseph Rick (Hg.), Papst Johannes Paul II. in Paderborn, Paderborn 1996
Entstehungsjahr 1996
Autoren Sonja Funke, Redakteurin Kommunikationsabteilung
Hans Jürgen Rade, Erzbistumsarchivar

Ein Buch nur zum Papst-Besuch und eine eigene Gedenkstätte im Dom

Ein eigenes Erinnerungsbuch, herausgegeben vom damaligen Pressesprecher Hermann-Joseph Rick, dokumentiert Begrüßungen, Predigten und Fotos des Besuchs. Der damalige Bundespräsident brachte die Erwartung an den Pastoralbesuch auf den Punkt: „Ich hoffe sehr, dass Ihr Wirken und das Wirken aller Menschen, die sich von religiöser Überzeugung leiten lassen, zur Gerechtigkeit beitragen, zum Frieden und zur Verteidigung der Menschenwürde. Möge Ihr Besuch hier bei uns in diesem Sinne wirksam werden.“

Dreißig Jahre später bleibt der Papstbesuch von 1996 lebendig und seine Botschaften, vor allem der Barmherzigkeit und Hoffnung sind aktueller denn je. Dies bezeugt auch eine eigene Gedenkstätte an der Nordseite im Paderborner Dom. Eine Büste, eine Relieftafel und die 2017 nach Paderborn gekommene Blutreliquie zeigen, wie stark der Besuch bis heute nachwirkt. Insbesondere die Blutreliquie des 2014 heiliggesprochenen Papstes hatten sich viele von seiner Person beeindruckte Gläubige für den Dom gewünscht. Der Blutstropfen auf einem Stück Stoff wurde vom Würzburger Künstler Matthias Engert ein das Reliquiar, ein Bronzekreuz, gestaltet.

Das letzte Wort gehört Johannes Paul II. selbst. In seiner Predigt sagte er einen Satz, der auch heute als Impuls für das Erzbistum gelesen werden kann:

Deshalb gehört es zur Berufung der Kirche, nicht teilnahmslos an den Sorgen und Nöten der Menschen vorbeizugehen, sondern die Gesellschaft im Geist des Evangeliums zu inspirieren.

Ein Beitrag von:
Sonja Funke
Redakteurin

Sonja Funke

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Erzbistumsarchivar

Hans Jürgen Rade

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