Gut 100 Besucherinnen und Besucher haben am Montag, 27. April 2026, am Kommende-Forum in der Kommende Dortmund, dem Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn, teilgenommen. Im Mittelpunkt stand die im März veröffentlichte Studie „Missbrauch im Erzbistum Paderborn“, die die erste Forschungsphase zu den Amtszeiten der Erzbischöfe Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt bis 2002 abschließt.
„Leid muss sichtbar bleiben“
Kommendedirektor Detlef Herbers eröffnete den Abend mit einem Zitat aus einem Oster-Impuls von Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz: „Leid muss sichtbar und damit in Erinnerung bleiben.“ Gerade angesichts der veröffentlichten Studie sei dieser Satz von besonderer Bedeutung. Der Paderborner Erzbischof betont darin: „Die Studie hat offengelegt, wie Menschen über Jahrzehnte Gewalt angetan wurde. Sie zeigt das Versagen von Verantwortungsträgern, die die Opfer dieser Taten ohne Hilfe alleinließen.“
Zugleich mache die Untersuchung deutlich, „dass es nicht um einzelne Verfehlungen ging, sondern um Strukturen […] sowie um ein kirchliches Selbstverständnis, dem Selbstschutz wichtiger war als Gerechtigkeit und Sorge für die Betroffenen.“
Deutlich höhere Zahlen und strukturelle Ursachen
Die Studienleiterin Prof. Dr. Nicole Priesching (Universität Paderborn) stellte zentrale Ergebnisse vor: Für den Zeitraum von 1941 bis 2002 dokumentiert die Untersuchung 210 Beschuldigte und 489 Betroffene. „Das ist nur das Hellfeld“, betonte sie, „dass sich nach der Veröffentlichung weitere Betroffene gemeldet haben, zeigt, wie groß das Dunkelfeld weiterhin ist.“
Ein zentrales Ziel der Studie sei es gewesen, die Bedingungen zu analysieren, unter denen Missbrauch möglich war. Dabei sei deutlich geworden: „Missbrauch wurde als ,unglückliches Verhalten‘ oder ,Fehltritt‘ gesehen – als Ärgernis, das es zu beseitigen galt.“ Hilfe für Betroffene habe hingegen kaum eine Rolle gespielt. Priesching sprach von einer „Vertuschungsspirale“ innerhalb von Gemeinden und Kirchenleitung und ergänzte: „Kirche, Pastor, Lehrer und große Bauern konnten sich im Dorf fast alles erlauben.“