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© Foto: Michael Bodin / Erzbistum Paderborn
© Foto: Michael Bodin / Erzbistum Paderborn

Missbrauchsstudie ist Thema beim Kommende-Forum

Rund 100 Teilnehmende diskutieren Ergebnisse und Konsequenzen für Kirche und Gesellschaft

Gut 100 Besucherinnen und Besucher haben am Montag, 27. April 2026, am Kommende-Forum in der Kommende Dortmund, dem Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn, teilgenommen. Im Mittelpunkt stand die im März veröffentlichte Studie „Missbrauch im Erzbistum Paderborn“, die die erste Forschungsphase zu den Amtszeiten der Erzbischöfe Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt bis 2002 abschließt.

„Leid muss sichtbar bleiben“

Kommendedirektor Detlef Herbers eröffnete den Abend mit einem Zitat aus einem Oster-Impuls von Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz: „Leid muss sichtbar und damit in Erinnerung bleiben.“ Gerade angesichts der veröffentlichten Studie sei dieser Satz von besonderer Bedeutung. Der Paderborner Erzbischof betont darin: „Die Studie hat offengelegt, wie Menschen über Jahrzehnte Gewalt angetan wurde. Sie zeigt das Versagen von Verantwortungsträgern, die die Opfer dieser Taten ohne Hilfe alleinließen.“

Zugleich mache die Untersuchung deutlich, „dass es nicht um einzelne Verfehlungen ging, sondern um Strukturen […] sowie um ein kirchliches Selbstverständnis, dem Selbstschutz wichtiger war als Gerechtigkeit und Sorge für die Betroffenen.“

Deutlich höhere Zahlen und strukturelle Ursachen

Die Studienleiterin Prof. Dr. Nicole Priesching (Universität Paderborn) stellte zentrale Ergebnisse vor: Für den Zeitraum von 1941 bis 2002 dokumentiert die Untersuchung 210 Beschuldigte und 489 Betroffene. „Das ist nur das Hellfeld“, betonte sie, „dass sich nach der Veröffentlichung weitere Betroffene gemeldet haben, zeigt, wie groß das Dunkelfeld weiterhin ist.“

Ein zentrales Ziel der Studie sei es gewesen, die Bedingungen zu analysieren, unter denen Missbrauch möglich war. Dabei sei deutlich geworden: „Missbrauch wurde als ,unglückliches Verhalten‘ oder ,Fehltritt‘ gesehen – als Ärgernis, das es zu beseitigen galt.“ Hilfe für Betroffene habe hingegen kaum eine Rolle gespielt. Priesching sprach von einer „Vertuschungsspirale“ innerhalb von Gemeinden und Kirchenleitung und ergänzte: „Kirche, Pastor, Lehrer und große Bauern konnten sich im Dorf fast alles erlauben.“

Perspektive der Betroffenen

Reinhold Harnisch, Sprecher der Betroffenenvertretung im Erzbistum Paderborn, schilderte seine Erfahrungen. Er habe 55 Jahre lang geschwiegen. Erst im Zuge der Studie habe er erfahren, dass die Taten dem Erzbistum bereits alle bekannt gewesen seien. Mit der Studie und dem Mahnmal am Paderborner Dom seien wichtige Schritte erfolgt. „Es gilt jetzt, weitere Betroffene zu ermutigen, sich zu melden“, so Harnisch. Zugleich verwies er darauf, dass sexualisierte Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Problem sei und kritisierte auch lange Verfahrensdauern in der Justiz.

Diskussion über Aufarbeitung und Verantwortung

In der Diskussion mit dem Publikum ging es auch um die Unabhängigkeit der Studie. Priesching stellte klar: „Die Ergebnisse gehören den Forschenden und nicht dem Auftraggeber.“ Es handele sich nicht um ein Gutachten, sondern um eine wissenschaftliche Untersuchung, die als Drittmittelprojekt gefördert worden sei.

Zur Methodik erläuterte sie, dass neben Aktenanalysen 41 narrative Interviews geführt wurden. Harnisch betonte dazu: „Ich habe mich ohne Vorbehalte angenommen gefühlt.“ Es sei ein geschützter Raum mit dem Grundsatz gewesen: „Ich glaube dir.“

Auf die Frage nach anonymisierten Namen erklärte Priesching: „Uns ging es darum, die Strukturen zu beschreiben.“ Aus Gründen des Persönlichkeitsrechts habe man sich oft aus rechtlichen Gründen gegen Fallbespiele entschieden.

Mit Blick auf Konsequenzen aus der Untersuchung appellierte Reinhold Harnisch eindringlich: „Wenn Sie von so etwas erfahren, dann schauen Sie nicht weg, hören Sie den Betroffenen zu und glauben Sie ihnen.“

Weitere Veranstaltung am 19. Mai

Die Kommende Dortmund setzt die inhaltliche Auseinandersetzung fort: Am 19. Mai 2026 lädt sie zu einer weiteren Veranstaltung im Rahmen des Kommende-Forums unter dem Titel „Junge Menschen schützen“ ein. Referieren werden Prof. Hans Zollner SJ, Direktor des Institute of Anthropology an der Universität Gregoriana in Rom und Lena Topp, Vorsitzende des BDKJ im Erzbistum Paderborn und Vorstandsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW. Link zur Veranstaltung am 19. Mai

Ein Beitrag von:
Redakteur Team Presse

Michael Bodin

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