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© Miinam / Shutterstock.com
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„Meine Musik hilft hoffentlich, den Glauben intensiver zu leben“

Seit 30 Jahren bringt Detlef Müller jeden Tag Musik in die Ohren der Besucher von Messen und Konzerten. Den Glauben von der Arbeit trennen? „Der Glaube ist in allem präsent, was ich tue“, sagt der Komponist, Organist und Chorleiter aus Bestwig.

Es ein kalter Februarmorgen, der 9-Uhr-Gottesdienst in der Propsteikirche Brilon ist gerade vorbei und der Organist räumt seine Noten zusammen, im Ohr hat er noch das „Sanct Blasius, unser Schutzpatron“ von Theodor Pröpper. „Ich wollte die Musik nicht aufgeben für das Priesteramt“, schildert der Vollblutmusiker, wie sehr ihn beides ausmacht. In Paderborn hatte er begonnen, Theologie zu studieren, gab aber dann mit der Aufnahme an die Kölner Musikhochschule seiner ersten Leidenschaft, der Komposition, den Vorrang.

Zwischen Komponieren und Chorproben

Später, zu Hause, muss er noch sein eigenes „Salve Regina“ für einen Chor und Orchester in Wiedenbrück zu Ende komponieren. Dazwischen noch eine Klavierschülerin, abends eine Chorprobe in Bestwig-Ramsbeck, dienstags und mittwochs geht es morgens zur Eurythmie-Begleitung an die Rudolf-Steiner-Schule in Paderborn-Borchen. Es folgen täglich weitere Chorproben und Messen sowie Auftritte, auch am Wochenende. Eine normale Arbeitswoche.

„Heute Nachmittag muss ich unbedingt fertig werden mit dem Komponieren. Christian Ortkras, Leuchtturm-Kantor aus Wiedenbrück, probt das Salve Regina schon mit dem Chor. Ich bin noch an den Orchesternoten. Anders als in früheren Zeiten unterstützt mich dabei zum Glück die Technik. Ich skizziere ein Gerüst und der Computer transponiert und hilft mir zum Beispiel beim Schreiben der Begleitstimmen“, sagt Detlef Müller.

Seine Arbeit sieht also nicht so aus wie im jüngst ausgestrahlten Bach-Film, wo die gesamte Familie wie im Wahn die Partitur des Weihnachtsoratoriums mitvollendet. Aber liebt er Bach? Oder Mendelssohn? „Ich kann mich nicht festlegen und mag einfach vieles in der Musik. Aber wenn ich ein Stück nennen wollte, das mich total fesselt, dann wäre es ,Aus Liebe will mein Heiland sterben‘ aus der Matthäus-Passion, da kann ich mich vollkommen reinversenken!“

Auch die Menschen auf dem Land brauchen Kirchenmusik

Ein ganzes Oratorium hat Detlef Müller noch nicht komponiert, aber eine Messe, zum Beispiel die „Messa Sancti Andreä“ für seine Gemeinde in Bestwig-Velmede, die es auch auf CD gibt. Er verrät: „Wenn man im geistigen Bereich komponiert, ist das eher still. Es ist ein bisschen wie bei einem der Mystiker, diese Suche im Innern und dann das Komponieren.“ Gleichzeitig zieht es den Sauerländer dann wieder ins Äußere, er ist etwa als Erwachsenen-Sternsinger mit unterwegs, singt auf Platt- und Hochdeutsch. Detlef Müller schmunzelt, wenn er erzählt, dass er auch schon mitten zwischen Großstadtmusikern einen Kompositionspreis entgegennahm. Diese Bescheidenheit bei gleichzeitiger Virtuosität, zeichnet ihn aus, auch wenn er das selbst niemals so sagen würde. Detlef Müller drückt es wie folgt aus: „Als Kantor hat es mich nie in die große Stadt gezogen. Ich bin wirklich gerne hier, und ich denke, unsere Leute brauchen doch auch was. Ich bin sehr gerne in kleinen Orten und kleinen Kirchen unterwegs.“

Glaube ist Halt und Ringen zugleich

Mit fünf Jahren spielte er bereits Klavier, mit elf Jahren saß der junge Detlef an der Orgel: „Während andere Messdiener wurden, war ich dafür schon zu schnell auf der anderen Seite in der Kirche, auf der Orgelbühne.“ Er ging den „typischen Velmeder Weg“, über Schwester Gregoria als Orgellehrerin. Doch ging es für ihn weiter vom Abitur ins Kompositionsstudium und dann zurück in die Heimat. „Das In-der-Kirche-Sein, diese Verbindung, ist natürlich ein großer Teil meines Lebens, schon durch die Gottesdienste und auch immer wieder Auftritte der Chöre in Kirchen. Allein durch die Texte und die Lieder ist man da auch immer im Glauben drin. Für mich ist Glaube insgesamt ein Halt im Leben und immer auch ein Ringen. Denn sicher stelle ich fest, dass so manches nicht mehr modern ist. Und dennoch ist mein Glaube einfach ein Teil von mir, gehört zu mir. Ich bin unter anderem auch Reiki-Lehrer und durch meine Berührung mit der Anthroposophie in der Rudolf-Steiner-Schule bekomme ich weitere Einblicke in Spiritualität. Das weitet den Blick, ich kann dadurch mehr als eng glauben. Ich sehe mich als christlich. Wie ich das erlebe? Nun, indem ich manchmal – wie auch immer – eine höhere Führung wahrnehme. Zum Beispiel dann, wenn man bei Entscheidungen eine Eingebung oder so ein Schutzengel-Erlebnis hat.“

Glaube und Musik ermöglichen Begegnung

Musiker, und insbesondere Kirchenmusiker zu sein, ist für ihn Berufung, aber ganz klar auch Arbeit. „Beim Komponieren spreche ich nicht mit dem lieben Gott, das ist Handwerk. Aber ich bete schon seit Jahr und Tag das Stundengebet Te Deum vom Kloster Maria Laach – Morgenlob, Schriftlesung, Abendlob, Nachtgebet – das mache ich fast alles. Und in der Kirche hoffe ich natürlich, dass die Musik den Menschen hilft, den Glauben intensiver zu leben. Ich kann aber nur hoffen, dass durch die Musik ein kleiner Impuls kommt.“

Immer abends und sonntagmorgens wird es sehr gesellig in Detlef Müllers Musiker-Leben. Dann verlangen die insgesamt zehn Chöre nach ihrem Leiter. Sie wollen gern moderne Musik, manchmal Gesellschaftssatire und auch humorvoll Anrüchiges. Oh Schreck?! „Quatsch! Klar, es sind zwei Welten, ob ich jetzt für die Kirche was mache oder für den Chor“, sagt Detlef Müller. „Aber ich bin dankbar, dass mir der Glaube und die Musik so viele Begegnungen ermöglichen. Ohne beides wäre mein Leben sicher ganz anders. Alles, was ich mache, ist auch immer ein Stückchen gelebte Nächstenliebe und immer mehr als ein Job. Und das ist genau so richtig gut!“

Ein Beitrag von:
Sonja Funke
Redakteurin

Sonja Funke

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