Glaube ist Halt und Ringen zugleich
Mit fünf Jahren spielte er bereits Klavier, mit elf Jahren saß der junge Detlef an der Orgel: „Während andere Messdiener wurden, war ich dafür schon zu schnell auf der anderen Seite in der Kirche, auf der Orgelbühne.“ Er ging den „typischen Velmeder Weg“, über Schwester Gregoria als Orgellehrerin. Doch ging es für ihn weiter vom Abitur ins Kompositionsstudium und dann zurück in die Heimat. „Das In-der-Kirche-Sein, diese Verbindung, ist natürlich ein großer Teil meines Lebens, schon durch die Gottesdienste und auch immer wieder Auftritte der Chöre in Kirchen. Allein durch die Texte und die Lieder ist man da auch immer im Glauben drin. Für mich ist Glaube insgesamt ein Halt im Leben und immer auch ein Ringen. Denn sicher stelle ich fest, dass so manches nicht mehr modern ist. Und dennoch ist mein Glaube einfach ein Teil von mir, gehört zu mir. Ich bin unter anderem auch Reiki-Lehrer und durch meine Berührung mit der Anthroposophie in der Rudolf-Steiner-Schule bekomme ich weitere Einblicke in Spiritualität. Das weitet den Blick, ich kann dadurch mehr als eng glauben. Ich sehe mich als christlich. Wie ich das erlebe? Nun, indem ich manchmal – wie auch immer – eine höhere Führung wahrnehme. Zum Beispiel dann, wenn man bei Entscheidungen eine Eingebung oder so ein Schutzengel-Erlebnis hat.“
Glaube und Musik ermöglichen Begegnung
Musiker, und insbesondere Kirchenmusiker zu sein, ist für ihn Berufung, aber ganz klar auch Arbeit. „Beim Komponieren spreche ich nicht mit dem lieben Gott, das ist Handwerk. Aber ich bete schon seit Jahr und Tag das Stundengebet Te Deum vom Kloster Maria Laach – Morgenlob, Schriftlesung, Abendlob, Nachtgebet – das mache ich fast alles. Und in der Kirche hoffe ich natürlich, dass die Musik den Menschen hilft, den Glauben intensiver zu leben. Ich kann aber nur hoffen, dass durch die Musik ein kleiner Impuls kommt.“
Immer abends und sonntagmorgens wird es sehr gesellig in Detlef Müllers Musiker-Leben. Dann verlangen die insgesamt zehn Chöre nach ihrem Leiter. Sie wollen gern moderne Musik, manchmal Gesellschaftssatire und auch humorvoll Anrüchiges. Oh Schreck?! „Quatsch! Klar, es sind zwei Welten, ob ich jetzt für die Kirche was mache oder für den Chor“, sagt Detlef Müller. „Aber ich bin dankbar, dass mir der Glaube und die Musik so viele Begegnungen ermöglichen. Ohne beides wäre mein Leben sicher ganz anders. Alles, was ich mache, ist auch immer ein Stückchen gelebte Nächstenliebe und immer mehr als ein Job. Und das ist genau so richtig gut!“