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Gespräch mit Professor Dr. Benjamin Dahlke von der Theologischen Fakultät Paderborn

Mariä Empfängnis ein erklärungsbedürftiges Fest

Gespräch mit Professor Dr. Benjamin Dahlke von der Theologischen Fakultät Paderborn

Gespräch mit Professor Dr. Benjamin Dahlke von der Theologischen Fakultät Paderborn

Am 8. Dezember steht das Hochfest „Mariä Empfängnis“ im Kalender der katholischen Kirche. Doch was genau wird an diesem Tag gefeiert?

„Der Name Mariä Empfängnis ist missverständlich“, sagt Professor Dr. Benjamin Dahlke vom Lehrstuhl für Dogmatik an der Theologischen Fakultät Paderborn. „Es geht nämlich nicht um die Schwangerschaft Mariens und ihre Jungfräulichkeit, wie oft angenommen wird. Es geht um Marias eigene Geburt und darum, dass sie vom ersten Augenblick ihres Lebens an vor dem Makel der Erbsünde bewahrt wurde.“ Entsprechend heißt der vollständige Name des Festes „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“.

Die Besonderheit Mariens steht im Mittelpunkt

Ein erklärungsbedürftiges Fest also, das die Besonderheit Marias betont und ihre einzigartige Nähe zu Gott, die durch keine Sünde getrübt wird. Damit wird die Menschwerdung Gottes vorbereitet. Seinen Ursprung hat Mariä Empfängnis im 8. Jahrhundert in der byzantinischen Kirche. Über Italien gelangte das Fest nach Frankreich und England, 1708 schrieb es Papst Clemens XI. für die gesamte römische Kirche vor.

„In der Theologie gab es um das Fest lange Zeit kontroverse Diskussionen“, erläutert Professor Dr. Dahlke. „Diese kreisten nicht zuletzt darum, dass die Bibel wenige unmittelbare Anhaltspunkte für die Vorstellung bietet, dass Maria von der Erbsünde bewahrt wurde. Hinzu kam die Frage, wie diese Bewahrung zu denken ist. Die Dominikaner waren gegen das Fest, darunter auch Thomas von Aquin, die Franziskaner jedoch dafür. Letztere setzten sich durch.“

Vom Fest zum Dogma

Im 19. Jahrhundert erhielt das Fest zusätzliche Bedeutung: Am 8. Dezember 1854 erklärte Papst Pius IX. die Lehre, dass Maria frei von aller Erbschuld frei war, zum Dogma. „Damit gehört die Lehre zu den verbindlichen Wahrheiten der Kirche“, so Dahlke. „Bemerkenswert ist übrigens, dass ein Papst dieses Dogma erklärte und kein Konzil – wie eigentlich üblich. Das kann man als Schritt zur Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit ansehen, die das Erste Vatikanischen Konzil einige Jahre später tatsächlich formuliert hat.“

Doch wie soll man das Fest heute verstehen? „Hilfreich erscheint mir, was das Zweite Vatikanische Konzil in seiner Kirchenkonstitution ‚Lumen Gentium‘ dazu geschrieben hat“, meint  Dahlke. „Es hat die Lehre über Maria fest mit der Lehre über die Kirche verbunden. Ich verstehe die entscheidenden Passagen so: Indem Maria Ja zu der ihr von Gott gegebenen Aufgabe sagt, ist sie Vorbild für alle Glaubenden – das Konzil sagt ‚Typus und Urbild‘. Das scheint mir eine gute Möglichkeit, das ansonsten etwas sperrige Fest für heute zu erschließen. Es ist immer Gott, der die Erlösung wirkt, denn sonst würden Menschen sich selbst erlösen. Dies geschieht aber, indem die Menschen in ihrer Freiheit angesprochen sind. Es geht um Mit-Wirkung in Freiheit.“

Teaser- und Header-Bild: Büste der Maria Immaculata, unbekannter Künstler, 1. H. 18. Jh. Domschatz Essen.
Copyright: © KNA-Bild

Aus der dogmatischen Konstitution Lumen Gentium über die Kirche

„53. Die Jungfrau Maria, die auf die Botschaft des Engels Gottes Wort in ihrem Herzen und in ihrem Leib empfing und der Welt das Leben brachte, wird als wahre Mutter Gottes und des Erlösers anerkannt und geehrt. Im Hinblick auf die Verdienste ihres Sohnes auf erhabenere Weise erlöst und mit ihm in enger und unauflöslicher Verbindung geeint, ist sie mit dieser höchsten Aufgabe und Würde beschenkt, die Mutter des Sohnes Gottes und daher die bevorzugt geliebte Tochter des Vaters und das Heiligtum des Heiligen Geistes zu sein. Durch dieses hervorragende Gnadengeschenk hat sie bei weitem den Vorrang vor allen anderen himmlischen und irdischen Kreaturen.

Zugleich aber findet sie sich mit allen erlösungsbedürftigen Menschen in der Nachkommenschaft Adams verbunden, ja‚ sie ist sogar Mutter der Glieder (Christi), denn sie hat in Liebe mitgewirkt, daß die Gläubigen in der Kirche geboren würden, die dieses Hauptes Glieder sind‘. Daher wird sie auch als überragendes und völlig einzigartiges Glied der Kirche wie auch als ihr Typus und klarstes Urbild im Glauben und in der Liebe gegrüßt, und die katholische Kirche verehrt sie, vom Heiligen Geist belehrt, in kindlicher Liebe als geliebte Mutter.“

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© Markus Nowak / Bonifatiuswerk

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