Die Besonderheit Mariens steht im Mittelpunkt
Ein erklärungsbedürftiges Fest also, das die Besonderheit Marias betont und ihre einzigartige Nähe zu Gott, die durch keine Sünde getrübt wird. Damit wird die Menschwerdung Gottes vorbereitet. Seinen Ursprung hat Mariä Empfängnis im 8. Jahrhundert in der byzantinischen Kirche. Über Italien gelangte das Fest nach Frankreich und England, 1708 schrieb es Papst Clemens XI. für die gesamte römische Kirche vor.
„In der Theologie gab es um das Fest lange Zeit kontroverse Diskussionen“, erläutert Professor Dr. Dahlke. „Diese kreisten nicht zuletzt darum, dass die Bibel wenige unmittelbare Anhaltspunkte für die Vorstellung bietet, dass Maria von der Erbsünde bewahrt wurde. Hinzu kam die Frage, wie diese Bewahrung zu denken ist. Die Dominikaner waren gegen das Fest, darunter auch Thomas von Aquin, die Franziskaner jedoch dafür. Letztere setzten sich durch.“
Vom Fest zum Dogma
Im 19. Jahrhundert erhielt das Fest zusätzliche Bedeutung: Am 8. Dezember 1854 erklärte Papst Pius IX. die Lehre, dass Maria frei von aller Erbschuld frei war, zum Dogma. „Damit gehört die Lehre zu den verbindlichen Wahrheiten der Kirche“, so Dahlke. „Bemerkenswert ist übrigens, dass ein Papst dieses Dogma erklärte und kein Konzil – wie eigentlich üblich. Das kann man als Schritt zur Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit ansehen, die das Erste Vatikanischen Konzil einige Jahre später tatsächlich formuliert hat.“
Doch wie soll man das Fest heute verstehen? „Hilfreich erscheint mir, was das Zweite Vatikanische Konzil in seiner Kirchenkonstitution ‚Lumen Gentium‘ dazu geschrieben hat“, meint Dahlke. „Es hat die Lehre über Maria fest mit der Lehre über die Kirche verbunden. Ich verstehe die entscheidenden Passagen so: Indem Maria Ja zu der ihr von Gott gegebenen Aufgabe sagt, ist sie Vorbild für alle Glaubenden – das Konzil sagt ‚Typus und Urbild‘. Das scheint mir eine gute Möglichkeit, das ansonsten etwas sperrige Fest für heute zu erschließen. Es ist immer Gott, der die Erlösung wirkt, denn sonst würden Menschen sich selbst erlösen. Dies geschieht aber, indem die Menschen in ihrer Freiheit angesprochen sind. Es geht um Mit-Wirkung in Freiheit.“
Teaser- und Header-Bild: Büste der Maria Immaculata, unbekannter Künstler, 1. H. 18. Jh. Domschatz Essen.
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