logocontainer-upper
logocontainer-lower
© Billion Photos / shutterstock.com
© Billion Photos / shutterstock.com

Nikolaus-Umzug in Olsberg: Lichter, Lieder, Nächstenliebe

Wenn am Abend des 5. Dezember die Glocken der St.-Nikolaus-Kirche Olsberg zu läuten beginnen, liegt Vorfreude und Aufregung in der kalten Winterluft. Wo ist der Nikolaus? Wo ist sein Schiff?

Unzählige kleine Lichter erhellen die Dunkelheit, gespannte Kinderaugen blicken hinauf zu den großen Kirchentüren am Haupteingang. Großeltern und Eltern mit Kinderwagen, Grundschüler mit selbst gebastelten Laternen, viele Ältere und auch junge Leute, die längst aus Olsberg weggezogen sind: Über 800 Menschen haben sich vor der Pfarrkirche versammelt. Groß geworden sind viele von ihnen mit dieser Tradition zum Fest des heiligen Nikolaus, die auf das Jahr 1948 zurückgeht, als man in Olsberg beschloss, anstelle eines Martins- einen Nikolaus-Umzug zu veranstalten.

Wo Kindheitserinnerungen wurzeln

Dann, mit dem Klang der Glocken, öffnen sich endlich die Türen. Würdig tritt ein Mann in weißer Albe, rotem Mantel und Bischofsstab hinaus, unter der Mitra lockige Perücke und Rauschebart. Jedes Jahr schlüpft ein anderer Geistlicher aus der Region in die Rolle des Olsberger Kirchenpatrons. „Ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie ich als Kind dachte: Wow, da steht er wirklich, der echte Nikolaus“, erzählt Birgit Happel, die auch mit ihren vier Kindern noch jährlich zum Umzug kam. Heute gehört die 56-Jährige als Vorstandsmitglied der Kolpingsfamilie Olsberg zum Organisationsteam. „Dieser Moment ist immer wieder ergreifend.“

 

60 Jahre altes Schiff der Kolpingsfamilie

Nachdem der Nikolaus die Kinder begrüßt hat, steigt er mit seinem Begleiter, Knecht Ruprecht, die Stufen hinab und betritt das große weiße Schiff, das Kolpingmitglieder bereits vor über 60 Jahren gebaut haben. Ein ungewohntes, zugleich passendes Bild, denn Nikolaus ist auch Patron der Seefahrer. Begleitet von Fackelträgern und den festlichen Klängen des Musikvereins Eintracht, der traditionelle Nikolauslieder anstimmt, setzt sich das Schiff mit der singenden, lachenden und quatschenden Menschenmenge in Bewegung in Richtung Konzerthalle Olsberg.

Erzählungen und Lieder für den Nikolaus

Hier spricht Bürgermeister Patrick Potthoff ein Grußwort an die kleinen und großen Besucherinnen und Besucher, es folgt eine Ansprache des leitendes Pfarrers Klaus Engel und auch die Schülerinnen und Schüler der Kardinal-von-Galen-Grundschule haben sich auf den Nikolaus vorbereitet, mit Erzählungen, Gedichten und Liedern. Dann steht dieser selbst wieder im Mittelpunkt. Mit Spannung lauschen die Kinder seinen Worten und freuen sich schließlich auf einen der 600 Stutenkerle. Am liebsten natürlich direkt aus der Hand des Nikolaus, der gemeinsam mit Ruprecht und weiteren Helferinnen und Helfern das süße Hefegebäck verteilt und damit seinem Ruf als großzügigem Helfer und Freund der Kinder alle Ehre macht.

Gelebtes Engagement und Nächstenliebe

Was dieser festlichen Stimmung vorausgeht: viele Wochen ehrenamtliches Engagement. Alle Mitwirkenden müssen rechtzeitig eingebunden, Halle und Schiff geschmückt, die Stutenkerle bestellt und das Nikolauskostüm vorbereitet werden. Die Arbeit übernimmt der Vorstand der Olsberger Kolpingsfamilie. „Aber wir werden älter und suchen in der Gemeinde dringend freiwillige Helfer“, so Martin Funke, Vorsitzender der Kolpingsfamilie, der die alte Tradition gern lebendig halten möchte. „Das ist schwierig, aber ich bin optimistisch.“

Immerhin ist der Nikolausumzug in der Region einmalig. Für Birgit Happel ist die Unterstützung keine Frage: „Man macht das gern, wenn man die glücklichen Kinder sieht.“

Und nicht nur für die geht dieser Abend wirklich glücklich zu Ende. Denn am Ausgang der Konzerthalle sammelt die Kolpingsfamilie zum Abschluss Spenden ein, die an den Olsberger Warenkorb gehen. In den letzten Jahren sogar in doppeltem Wert, weil fair gehandelter Tatico Kaffee aus der Kolping Röstwerkstatt auf den Spendenbetrag aufgeschlagen wird. So steht dieser Abend nicht nur im Zeichen einer langen Tradition und eines besinnlichen Miteinanders, sondern vor allem in der Nachfolge des heiligen Nikolaus.

„Sankt Nikolaus ist schließlich nicht nur der Mann mit weißem Rauschebart, sondern vor allem Vorbild für tätige Nächstenliebe“, erinnert Pfarrer Klaus Engel an die Geschichte des Kirchenpatrons. „Und diese Nächstenliebe ist in der Olsberger Bevölkerung und beim Warenkorb im Pfarrhaus direkt neben der Kirche nicht nur zu Nikolaus sehr präsent.“

 

Der Nikolaus-Umzug startet immer am 5. Dezember um 18 Uhr an der St.-Nikolaus-Kirche in Olsberg.

Ein Beitrag von:
Dr. Carina Middel, freie Autorin, schreibt Texte für Print und Online im Erzbistum Paderborn. © Carina Middel/Erzbistum Paderborn
Freie Autorin Dr. Carina Middel
Freie Journalistin

Dr. Carina Middel

Weitere Einträge

© cpd

Unser Glaube Licht und Liebe sein: Was Pauline in Minden begann, setzt die Wärmestube fort

Die Wärmestube St. Nikolai in Minden ist Hoffnungsort des Erzbistums Paderborn für den Dezember des Heiligen Jahres 2025 – ein Ort, an dem das segensreiche Wirken der Schwestern der Christlichen Liebe und nicht zuletzt ihrer Gründerin Pauline von Mallinckrodt noch spürbar ist.
© Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn

Unser Glaube Pauline lebt mit Epilepsie

Mit 15 hat Pauline ihren ersten Krampfanfall. Wie beeinflusst die Krankheit ihren Alltag und Glauben?
© Daniela Reineke / Pastoraler Raum Büren.

Unser Glaube So viele Tüten voller Hoffnung: Aktion GLÜCKLICH/T verbindet Menschen

Hagen, Büren, überall... die Mitmach-Aktion „GLÜCKLICH/T SEIN!“ bewegt die Menschen im Erzbistum Paderborn: Sie teilen, schenken Nähe – und bringen Licht zu denen, die es besonders brauchen.
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0