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© Bezim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
© Bezim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Karnevalstrubel im Erzbistum: Aktive werben im Umzug für den Glauben

Sechs Tage närrisches Treiben beginnen und Gemeindeteams sind mittendrin. Mit Wagen zur "Baustelle Kirche - Betreten erlaubt" oder gelebter Ökumene im Karnevalsgottesdienst. Das zeigt: Glaube ist vielfältig - und ist letztlich der Ursprung der Fastnacht.

Gläubige im Erzbistum können Karneval: Närrinnen und Narren feiern eigene Gottesdienste und Engagierte gehen in Umzügen mit. Den kalendarischen Takt gibt indes das Kirchenjahr vor: Es ist ein letztes ausgiebiges Feiern, bevor die Fastenzeit beginnt.

Die dunkelsten Wochen des Winters haben sich verabschiedet. Nun kommt nicht nur das Licht, sondern in diesen Wochen auch – geballt – das Farbenfrohe. Der Karneval ist in vollem Gange! Die sogenannte „fünfte Jahreszeit“ steuert auf ihren Höhepunkt zu. Weiberfastnacht, Rosenmontag, Veilchendienstag, und dann kommt Aschermittwoch und die Fastenzeit beginnt.

Mittendrin im Geschehen: Viele Aktive – ob haupt- oder ehrenamtlich – aus den Gemeinden des Erzbistums. Und einige sogar explizit in närrischer Mission, ob als Fußgruppe oder mit einem eigenen Wagen mit kirchlichem Motto.

Karneval kommt von „Carnelevare“ und bezieht sich aufs Fasten

Aschermittwoch? Fastenzeit? Dass hierzulande auch in vielen Kirchengemeinden Karneval gefeiert wird, ist kein Zufall und lässt die Zusammenhänge in noch klarerem Licht erscheinen. Ja, Karneval und christlicher Glaube sind eng miteinander verknüpft. „Da hat er doch letztlich seinen Ursprung“, sagt Pfarrer Ansgar Heckeroth aus Steinheim und fasst es praktisch zusammen: „Bevor die Fastenzeit beginnt, können alle noch einmal richtig lustig sein. Es ist eine schöne Verquickung mit der Kirche.“

„Carnelevare“ bedeutet „das Fleisch wegnehmen“. Das Wort wurde erstmals Ende des 17. Jahrhunderts verwandt. Der Begriff „Fastnacht“ tauchte schon im 13. Jahrhundert erstmal auf. Vorräte an Fleisch, Fett oder Eiern sollten während der sechswöchigen Fastenzeit nicht verderben und wurden deshalb am Vorabend des Aschermittwochs – in der Fastnacht – beim üppigen Feiern aufgebraucht.

“Wir wollen Werbung für den Glauben machen!”

Pfarrer Markus Gudermann - Pastoraler Raum Warstein

„Baustelle Kirche“ als Motto: Pastoralteam aus Warstein und Ehrenamtliche mit Wagen beim Karnevalsumzug dabei

Auch im Pastoralen Raum Warstein ist der Karneval aus dem gesellschaftlichen Leben nicht wegzudenken. An vielen Wochenenden vor Rosenmontag bestimmen närrische Sitzungen das Geschehen – und zwar in allen neun Ortschaften der Stadt Warstein.

Dass die örtlichen Karnevalsgesellschaften traditionell einen engen Draht zur Kirche haben, wird auch durch Teilnahme an Gottesdiensten dokumentiert. In diesem Jahr mischt die Kirche aber noch viel mehr im Karneval mit als bisher. Dort hingehen, wo die Menschen sind, das ist für die Haupt- und Ehrenamtlichen um Pfarrer Markus Gudermann, Leiter des Pastoralen Raums Warstein, immer ein wichtiges Prinzip.

Wie gut dies ankommt, hat man unter anderem bei den aus Warstein bekannten Montgolfiaden erlebt. Dann wurde auf dem Startgelände des Ballonfestivals ein Freiluft-Gottesdienst gehalten. Beim letzten Mal im September 2025 hatte der Pastorale Raum hierfür sogar eigens einen Bauwagen angeschafft und ihn in Anlehnung an den Apostel Philippus kreativ mit dem Namen „PhilipBus“ versehen. Und genau mit diesem einachsigen Kirchenanhänger werden die kirchlich Aktiven – Ehrenamtliche genauso wie Mitglieder des Pastoralteams – in diesem Jahr beim Rosenmontagszug in Warstein und Suttrop in der bunten Truppe der Karnevalisten mitgehen.

Unterwegs mit dem „PhilipBus“: Optimismus mit Blick auf die Transformation verbreiten

„Bei einem ersten Treffen sprudelten die Ideen nur so“, berichtet Markus Gudermann. Zum Motto habe man sich sehr schnell auf „Baustelle Kirche“ geeinigt. Das passe sowohl für den Bistumsprozess als auch für das in Aufstellung befindliche Immobilienkonzept im Pastoralen Raum Warstein, der das gesamte Stadtgebiet von Warstein umfasst, so Pfarrer Markus Gudermann.

An einem Samstag trafen sich kürzlich die Vertreter des Pastoralteams und Ehrenamtliche. Gemeinsam sichtete man die Möglichkeiten der Präsentation und malte Schilder, die außen an dem Schäferwagen angebracht werden sollen. Die wichtigste Aussage: „Jau, wir schaffen was!“ soll Optimismus mit Blick auf die „Baustellen“ verbreiten.

Holz-Kreuz auf dem Wagendach und Baustellenschilder in den Händen

Das Holz-Kreuz, das auf dem Dach des kleinen Wagens bei kirchlichen Einsätzen stets „ausgefahren“ wird, soll auch im Karneval deutlich präsentiert werden, so war sich das Pastoralteam schnell einig. Es dürfte im Umzug ein Novum sein und deshalb für Aufmerksamkeit sorgen.

Die begleitende Fußgruppe wird im Bauarbeiterdress mit Bauhelmen unterwegs sein und besonders gern zu den Menschen am Straßenrand ausschwärmen. Mittendrin auch Pastor Gudermann, Pastorenkollegen, Diakone, Gemeindereferentinnen und weitere Mitglieder kirchlicher Gremien. Auch bei Letzteren war die Resonanz groß. Eine karnevalistische Mission für den Glauben.

Karnevalsgottesdienst in Steinheim: Verkleidet und fröhlich, aber auch mit ernsthaften Themen

Dass man „gerade in der katholischen Ecke“ sehr gern Karneval feiert, ist indes auch das Empfinden von Ansgar Heckeroth, Leiter des Pastoralen Raums Steinheim-Marienmünster-Nieheim. In dieser Hinsicht leistet man in Steinheim im Kreis Höxter sogar ökumenische „Entwicklungshilfe“. Der seit sieben Jahren mit der örtlichen Karnevalsgesellschaft gefeierte Karnevalsgottesdienst – Beginn stets um 19.11 Uhr – wird mit der evangelischen Gemeinde zusammen begangen. Auch in diesem Jahr fand er bereits ökumenisch statt – geleitet von Pfarrer Ansgar Heckeroth und Pfarrer Holger Nolte-Guenther.

Im gut gefüllten Kirchenschiff der St.-Marien-Kirche versammelten sich Närrinnen und Narren in ihren bunten Karnevalskostümen schon Ende Januar 2026 im Sonntagsgottesdienst, um gemeinsam zu singen, zu beten und zu feiern – fröhlich, aber auch nachdenklich. Die Predigt der Gruppe „Clowns und Helden“widmete sich auf humorvolle aber zugleich tiefgründige Weise der Frage: Was bedeutet eigentlich ökumenisch? Die Karnevalisten erinnerten daran, dass sich die christlichen Konfessionen im Laufe der Geschichte nicht immer gut verstanden haben. Im Karneval aber spiele Herkunft, Standoder Glaubensrichtung keine Rolle. Alle feiern und lachen gemeinsam und stehen friedlich Seite an Seite: Karneval als Sinnbild gelebter Ökumene – bunt, offen und verbindend.

Diese Botschaft ist auch für die Geistlichen eine wichtige Glaubensaussage. Dabei legt Pfarrer Ansgar Heckeroth bei aller Freude Wert auf Ernsthaftigkeit und Tiefgang. „Alle haben ein Gespür dafür, dass es keine Klamauk-Sitzung ist“, sagt er. Liebevoll umgetextete Lieder, in denen karnevalistisch das Heimatgefühl angesprochen wird, würden gern gesungen. Und es gebe Wortbeiträge, bei denen man auch mal schmunzeln könne.  So ähnlich sei es ja auch in Köln – und dort sei es ebenso normal wie inzwischen in Steinheim. Die Gestaltung geben die Pfarrer ruhigen Gewissens in die Hände der Karnevalisten. Dabei seien Grenzen bislang nicht überschritten worden und auch Kritik sei nicht bekannt. Im Gegenteil: „Wir sind damit sehr nah bei den Menschen.“ Das zeige die Resonanz. Wenn „Man teou!“ in St. Marien erschallt, sei dies „der vollste Gottesdienst im Jahr in unserer Kirche“, so Pfarrer Ansgar Heckeroth.

Erster Einsatz in Marsberg mit "Kraft-Tankstelle für die Seele"

Beim Karneval mitzufeiern, das ist für die kirchlichen Vertreter in den 17 Gemeinden im Pastoralen Raum Marsberg im nordöstlichen Sauerland angesichts der traditionell großen Karnevalsbegeisterung in der Region selbstverständlich. Dies beinhaltet auch die gelegentliche Präsenz mit einem Wagen in Karnevalsumzügen. In der Session 2019 war dies erstmals der Fall.

Als „Kraft-Tankstelle für die Seele“ fuhr der Motivwagen der Kirchengemeinden in drei Umzügen mit. 2020 wurde dasselbe Motto noch einmal als Fußtruppe in den noch nicht besuchten Gemeinden präsentiert. Selbst im Corona-Jahr war die Kirche bei einem digitalen Veilchendienstagumzug in Giershagen mit einem Miniaturwagen dabei.

„Das Projekt verbindet Tradition, Gemeinschaft und Glauben. Es ist uns gelungen, die Botschaft der Hoffnung auf eine sehr fröhliche und einladende Weise zu transportieren.“

Gemeindereferentin Katrin Schröder - Pastoraler Raum Marsberg

Hoffnungsbotschaft aus Marsberg im Jahr 2025: An Deck der Arche Noah

In den Gemeinden ist dies sehr gut angenommen worden, was viele positive Rückmeldungen zeigten. Wegen fehlender Mitarbeitender musste eine Pause eingelegt werden. Propst Meinolf Kemper, Leiter des Pastoralen Raums Marsberg, ließ aber nicht locker. Dank einer finanziellen Förderung durch das Erzbistum Paderborn war eine Umzugs-Beteiligung 2025 wieder möglich. Haupt- und Ehrenamtliche aus allen Generationen bauten mit am Mottowagen zum Thema „Arche Noah“. Viele Samstagvormittage im Januar/Februar 2025 wurde in einer Scheune in Erlinghausen gehämmert und geschraubt.

Der Wagen stellte die Arche Noah als zentrales Symbol dar – eine Botschaft der Rettung, des Zusammenhalts und der Hoffnung. Und eine Mahnung zur Bewahrung der Schöpfung. Gerade in dieser schwierigen Zeit sollte die Arche ein Hoffnungsbote sein. Eine Taube und der Regenbogen wurden als Symbol für Gottes Verheißung und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ebenfalls auf dem Wagen angebracht. Die Teilnehmenden aus allen Generationen stellten bei den Karnevalsumzügen in Erlinghausen und Giershagen Noah und die Tiere der Arche dar. Als Wurfmaterial dienten neben den traditionellen Süßigkeiten auch Taschentücher mit Impulstexten zum biblischen Thema und Segens-Glücks-Kekse.

Verbindung von Gemeinschaft und Glauben geschaffen: Ehrenamtliche und Hauptamtliche arbeiten Hand in Hand

Die vorher gesteckten Ziele sieht Gemeindereferentin Katrin Schröder absolut erfüllt: „Ehrenamtliche und Hauptamtliche arbeiteten Hand in Hand, jeder nach seinem Talent und seinen Fähigkeiten. Jeder konnte seine Ideen in das Projekt einbringen, dadurch wurde die Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinden gefördert. Es wurde eine Verbindung von Gemeinschaft und Glauben geschaffen. Von den Zuschauern und Mitfeiernden wurde eine positive Darstellung der Kirche im öffentlichen Raum wahrgenommen. Dies wurde in vielen Gesprächen vor, während und nach den Karnevalsumzügen widergespiegelt.“

Propst Meinolf Kemper erinnert sich ebenfalls an viele positive Rückmeldungen und sogar Dankesworten von Zuschauern. Bei einem Dankeschön-Abend war die einstimmige Meinung der Teilnehmenden, dass dies nicht der letzte Wagen gewesen sei. Pläne für 2026 konnten aber wegen anderer Herausforderungen nicht realisiert werden. „Das ist schon immer ein großes Werk“, so Propst Kemper. Angesichts der vielen positiven Reaktionen blickt er aber optimistisch in die karnevalistische Zukunft seines Pastoralen Raums. Er selbst sieht sich durchaus als vom Karnevalsvirus infiziert. „Ich habe schon öfter eine Büttenrede gehalten“, berichtet er. Und bei Kolleginnen und Kollegen seines Pastoralteams sowie bei den vielen Ehrenamtlichen sieht er ebenfalls karnevalistisches Engagement.

Fortsetzung folgt: Im Jahr 2027 wollen die Gemeinde-Aktiven aus Warstein im Umzug Belecke mitmischen

Zurück nach Warstein, wo nun die Tage bis zur ersten Teilnahme am großen Umzug an einer Hand abgezählt werden können und gleich zwei Orte zum Zuge kommen. Der Umzug startet in Warstein-Suttrop und endet in Warstein-Stadt.

Schon jetzt ist den Beteiligten klar, dass diese Premiere keine Eintagsfliege bleiben wird. „Im nächsten Jahr werden wir ganz gewiss im großen Umzug in Belecke mitfahren“, so Pastor Gudermann. Schließlich gehört Warsteins Nachbarstadt wie das gesamte Möhnetal zum Pastoralen Raum. Mit Sicherheit würden die Ehrenamtlichen aus diesen Gemeinden Wert darauf legen, dass der PhilipBus und seine kirchlichen Begleiter auch dort „Farbe zeigen“.

Und vermutlich wird das Thema „Baustelle“ in 2027 nicht weniger aktuell sein als in diesem Jahr. So ist die Teilnahme am Rosenmontagszug schon jetzt ein Zwei-Jahres-Projekt. Mindestens.

Ein Beitrag von:

Reinhold Großelohmann

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