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Jesus hätte keine Unterschiede zwischen Schwarz und Weiß gemacht

Weihbischof Matthias König über die "black lives matter"-Proteste

Weihbischof Matthias König über die “black lives matter”-Proteste

Black lives matter – mit diesem Slogan gehen weltweit Menschen auf die Straße, um gegen Rassismus und für Gerechtigkeit zu protestieren. Er könne das Statement so unterschreiben, sagt Weihbischof Matthias König im Interview. Wobei eigentlich klar sein müsste, dass jedes Leben von gewollt ist.

Redaktion

Herr Weihbischof König, Menschen gehen weltweit gegen Rassismus auf die Straße, mit dem Slogan: black lives matter. Was sagen Sie zu der Botschaft?

Weihbischof Matthias König

Es kommt nicht auf Herkunft und Hautfarbe an. Jeder Mensch ist so von Gott gewollt und geliebt, wie er oder sie ist. Wir Christen glauben an die Menschenwürde und die Bedeutung jedes Lebens. Von daher kann man als Christ den Slogan black lives matter so unterschreiben. Wobei man ihn vielleicht ergänzen sollte: Each life matters. Jedes Leben ist von Gott gewollt.

Redaktion

Hätte Jesus Christus Unterschiede zwischen Schwarz und Weiß gemacht?

König

Das hätte er bestimmt nicht, ihm waren alle Menschen willkommen. An sich ist aber eher davon auszugehen, dass zu Jesu Zeiten keine Menschen mit dunkler Hautfarbe in Israel gelebt haben.

Dagegen entfaltet die Apostelgeschichte (Apg 8,26-39) in der ersten Missionsgeschichte, wie der Diakon Philippus auf dem Weg nach Gaza einen Äthiopier trifft, den Kämmerer am Hof der Königin von Äthiopien. Dieser liest laut den Propheten Jesaja. Philippus fragt ihn darauf, ob er verstehe, was er da lese. Daraufhin legt Philippus ihm den Text aus und predigt das Evangelium von Jesus Christus. Der Äthiopier fragt anschließend, ob Philippus ihn taufen kann – und Philippus tauft ihn. Es ist ein Zeugnis aus der frühesten Zeit des Christentums, dass die ersten Missionare auch Menschen aufgenommen haben, die nicht zum jüdischen Volk gezählt haben und damit anders waren.

Redaktion

Können Sie sich erklären, warum das heutzutage wieder anders ist?

König

Vor 400 Jahren wurden die ersten Afrikaner nach Amerika in die Sklaverei verschleppt. In diesen Tagen lernen wir, dass die Folgen der Sklaverei noch ganz tief verwurzelt sind. Das beginnt bei der Schulbildung und dem sozialen Status der Afroamerikaner.

In Deutschland können wir das nur schwer nachvollziehen, weil es Sklaverei in dieser Form nicht gab. In den USA scheint es so gewesen zu sein, dass einige Bevölkerungsgruppen unter sich geblieben sind. Es scheinen „soziale Ekelgrenzen“ entstanden zu sein. Da ist etwas, das keiner rational begründen könnte, aber bei vielen verinnerlicht ist, ohne zu wissen warum.

Redaktion

Gerechtigkeit ist aktuell ein stark frequentierter Begriff. In der Bergpredigt sagt Jesus Christus unter anderem: „Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden satt werden.“ Was bedeutet das angesichts der aktuellen Lage?

König

Seit 2000 Jahren macht es den Antrieb der Christen aus, sich nicht mit den Zuständen in der Welt abzufinden, sondern etwas zu tun. Auch, wenn das nicht immer Schlagzeilen schafft, ist der Einsatz von Christen für die Gerechtigkeit ungebrochen groß. Ich bekomme zum Beispiel mit, wie die Kirche in Indien besonders während der Coronapandemie Menschen hilft. Da werden arme, hungernde Menschen nicht zuerst gefragt, ob sie Christen sind, sondern wie ihnen in dieser Situation geholfen werden kann.

Redaktion

Und was bedeutet dann dieses „satt werden“, wenn ich aktuell nach Gerechtigkeit dürste?

König

Es bedeutet, dass auf Erden letzte Gerechtigkeit nicht geschaffen werden kann. Wir Menschen handeln eben menschlich. Sobald jemand etwas verändert und bewegt, bricht auf der anderen Seite schon wieder Ungerechtigkeit auf. Die Gerechtigkeit, die wahre Liebe, finden wir erst bei Gott. Aber wir können uns danach ausstrecken, um schon heute einen Teil davon auf Erden zu finden. Gewissermaßen ein Spiegelbild der himmlischen Wirklichkeit auf Erden. Dann können wir erfahren, dass es sich lohnt, etwas anzupacken, auch wenn wir es nicht so weit bringen, wie Gott es eigentlich haben möchte.

Es kommt nicht auf Herkunft und Hautfarbe an. Wir Christen glauben an die Menschenwürde und die Bedeutung jedes Lebens. Von daher kann man als Christ den Slogan black lives matter so unterschreiben. Wobei man ihn vielleicht ergänzen sollte: Each life matters. Jedes Leben ist von Gott gewollt.

Weihbischof Matthias König

Redaktion

Zurück zu der Situation in den USA. Dort befeuert Präsident Donald Trump die Lage, indem er Hass schürt. Er reagiert auf gewaltsame Proteste, indem er Gewalt androht. Zeigt Trump, wie es gerade nicht geht?

König

Ja, sicher. Ich kann Gewalt nicht durch Gegengewalt unterbinden, sondern ich muss etwas tun, das zur Versöhnung der beiden Gruppen beiträgt. Ich hoffe, dass die christlichen Kirchen in Amerika ihren Beitrag zur Versöhnung leisten. Es kann nur darum gehen, Gräben zuzuschütten, Brücken zu bauen, aufeinander zuzugehen, damit Gewalt nicht die Realität bleibt, sondern wir gemeinschaftlich etwas ändern. Das ist der Auftrag der Kirche.

Trumps Handeln verstehe ich nicht. Ich frage mich, wie jemand gewählt werden konnte, der bewusst polarisiert hat und nun weiterhin bewusst polarisiert, um Macht zu erhalten. Wie kann ein Teil der Bevölkerung ihm immer noch zustimmen? Das gleiche haben wir in Brasilien mit Präsident Bolsonaro, der Wirklichkeit verkürzt und in populistischer Manier auf Formeln presst, die sehr beängstigend sind. Wie kann da ein großer Teil der Bevölkerung da auch noch zustimmen und Beifall klatschen?

Redaktion

Nun erleben wir Rassismus in Deutschland nicht so deutlich wie im Umfeld von  Trump, Bolsonaro und deren Anhänger. Rassismus scheint eher unterschwellig da zu sein.

König

Genau. Mir berichten Menschen mit Migrationshintergrund, dass sie aufgrund ihres Aussehens oft gefragt werden, wo sie herkommen. Wenn sie dann antworten: „Aus Köln“, dann sorgt das für Erstaunen. Ich vermute, dass wir da alle lernen müssen. Ich merke das auch bei mir selbst.

Wenn ich mich am Ende eines Gottesdienstes an die Kirchentür stelle und mit Menschen ins Gespräch komme, dann frage ich auch manche Menschen, woher sie kommen. Ich meine das nicht rassistisch, sondern bin eher neugierig, wo die Wurzeln einer Person liegen. Doch ich lande damit auch manchmal auf der Nase. Wir alle müssen sensibler dafür werden, dass das Menschen auch verletzen oder verunsichern kann.

Da machen die Proteste ein Stück weit darauf aufmerksam, dass wir nicht fordern können, dass sich die anderen ändern sollen. Ich muss bei mir selbst anfangen. Zum Beispiel, indem ich ein Stück weit reflektierter werde, mich frage: Was sage ich? Wie sage ich es? Über wen sage ich es?

Redaktion

Herr Weihbischof, vielen Dank für das Gespräch.

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